Die Hangpyramide Reichshälde bei Knittlingen




Nirgendwo ist die pyramidale Konzeption der Megalithiker so imposant sichtbar geblieben wie bei der Reichshälde von Knittlingen, als Walddistrikt auch Brandhälde genannt. Östlich von Knittlingen, genau auf der Gemeindegrenze zu Maulbronn, liegt diese höchst beeindruckende Anlage von rund 250 m Länge, links und rechts der Knittlinger Steige, des Weges, den der junge Faust als Student der Alchemie auf seinem Weg von seiner Geburtsstadt zu seiner Lehranstalt im Kloster Maulbronn täglich absolvieren musste, bis er schließlich den nach ihm benannten Faustturm bezog. So konnte er sich dann, zusammen mit seinem Abt Entenfuß, solch sinnvollen Dingen wie der Goldherstellung aus Blei widmen.

Im Plan oben, den man nur als grobe Skizze werten darf und nicht als Produkt einer detaillierten Vermessung, werden die rechts des Weges liegenden Cairns mit römischen Ziffern, die links liegenden mit arabischen nummeriert. Die Gemeindegrenze ist rot eingezeichnet. Die Beschreibung konzentriert sich erst auf die 4 Cairns im Südareal, am Ende werden auch die 4 Exemplare im Nordareal behandelt.



Beschreibung

Ehrfurcht einflößend ragen die mächtigen Stufen rechts des dunklen steilen Waldwegs teilweise exorbitant steil empor. Insgesamt fünf hoch aufragende Stufen erkennt der Wanderer, lediglich zwei auf der linken Seite, beginnend auf Höhe der zweiten rechten Stufe. Tatsächlich handelt es sich um vier Stufenbauwerke zur rechten Hand. Diese sind jeweils durch tiefe Hohlwege voneinander getrennt und ragen umso höher empor, je höher sie auf den Hang gesetzt wurden. Beeindruckend aufsteigende Stufen vermitteln ein Bild, das man bisher nur von anderen Hochkulturen kannte.

Wer diese Bauten als Abraumhalden abtun will, muss sich fragen lassen, warum diese außergewöhnlich steilen Gebilde so nah am Weg errichtet werden durften, da doch jede geschüttete Abraumhalde ein potentiell sehr gefährliches und instabiles Objekt darstellt, das, besonders nach Regenfällen, ins Rutschen kommen und den Weg daneben, samt Fahrern und Fußgängern, verschütten kann. Keine Versicherung würde für den Schaden aufkommen. Aber diese äußerst stabilen Cairns musste bisher auch keine Straßenbaubehörde sichern. Sie sind für die Ewigkeit gebaut, was der innere Aufbau, soweit sichtbar, beweist.

Die besonders steilen Partien von Cairn II und I sind ganz links und ganz rechts auf dem Bild unten zu sehen, dazwischen der Hohlweg, der die beiden Bauwerke trennt. Die oberen Stufen von Cairn II sind aus dieser Perspektive leider nicht zu erkennen.

So komplex diese Anlage wirkt, so komplex ist auch das Nebeneinander von gemauerten Strukturen und Fels, der ebenso in die Bauwerke miteinbezogen wurde. Hier taucht zum ersten Mal ein Element in aller Deutlichkeit auf, das zwar schon lange erwartet aber bisher nur aus Italien, nämlich von den Tumuli der Banditacci-Nekropole von Cerveteri bekannt ist: Der Sockel der riesigen Bauwerke besteht offenbar aus Fels, insbesondere die Basisstufen des ersten, zweiten und dritten Stufenbauwerks sind offenbar aus dem Gestein heraus gebrochen und die Felspartien, wo sichtbar, geglättet worden. Fehlende Teile der horizontalen Stufen, vor allem der Straße zu, wurden durch Trockenmauern ergänzt.

Bleiern müde zählt der Wanderer auf seinem mühsamen Aufstieg die einzelnen Stationen – und versetzt sich vielleicht in die Situation der zum Tode Verurteilten, die, am Ende des Weges oben angekommen, am Galgen hingerichtet wurden. Knittlingen war im Mittelalter freie Reichsstadt und hatte deshalb eine eigene Gerichtsbarkeit. Nur seltsam, dass dieser Ort, direkt hinter dem letzten Stufenbauwerk, durch eine Wallanlage markiert ist und einer keltischen Viereckschanze zum Verwechseln ähnlich sieht. Irgendwie drängt sich der Gedanke auf, dass dort schon in der Keltenzeit Menschen geopfert wurden, wenn das auch noch nicht bewiesen ist. Bestes Indiz für einen keltischen Ursprung der Schanze ist der funktionslose Wall-Appendix, eine Fortsetzung einer der vier Umfassungswälle, welcher sich direkt zur obersten Felswand erstreckt und dort abrupt endet. Solche sind von keltischen Viereckschanzen durchaus bekannt, z. B. bei Königheim-Brehmen im Hohenlohekreis.

Die Gesamtsituation erinnert stark an Stufenpyramiden der Maya, auf deren Spitze ebenfalls Menschenopfer stattfanden. Die Höhenkulte der Antike und Vorgeschichte waren allgemein mit Opferungen an die Götter verbunden.

Man fragt sich, warum sich noch niemand Gedanken über diese unübersehbar gewaltigen Relikte aus dunkelster Vergangenheit gemacht hat. Die Felswände im Hintergrund jeden Stufenbauwerks determinierten offenbar die Betrachtungsweise von vornherein. Es können nur Abraumhalden sein. Doch auch hier, wie in allen vorgestellten Felsnekropolen, das gravierende Missverhältnis zwischen Volumina des abgebauten Gesteins und der angeblichen Schutthalden, die natürlich, wie immer, aus Bruchsteinen aufgemauert sind.



Die Reichshälde – das Zentrum Celticas?

Wieso überhaupt wurde uns der überaus eindeutige Name Reichshälde hinterlassen? Erst einmal begegnet uns hier wieder, sogar zweimal, der Begriff „Hälde“, den man wohl neben Cairn/Kärn als weitere authentische Bezeichnung für diese Grabgattung ansprechen darf (siehe die Ausführungen im Artikel Steinbrüche“ unter der Rubrik Cairn-Forschung). Haben wir hier tatsächlich das kultische Zentrum des versunkenen Keltenreiches vor uns? Es muss Traditionen geben, die sich über alle Zeiten hinweg halten konnten. Da der Klerus kein Interesse an den heidnischen Kultstätten hatte, kann es logischerweise nur der Adel gewesen sein, der dieses dunkle Wissen weiter gab und dafür sorgte, dass es in den örtlichen Akten der Reichsstadt Knittlingen aufbewahrt wurde. Auch der 843 überlieferte Name Cnudelingen könnte ein Hinweis auf keltische Ursprünge sein. Vermutlich steckt Carnutlingen dahinter. Die Carnuten waren ein gallisches Volk mit dem Hauptort Chartres, Ort einer geheimnisvollen Kathedrale, in der ein alteuropäisches Labyrinth-Mosaik im Kirchenboden zu besichtigen ist. „Nach Caesar war das Gebiet der Karnuten der »Mittelpunkt Galliens«. Alljährlich versammelten sich dort an einem heiligen Ort Druiden, um Streitigkeiten zu schlichten“ (wikipedia). Der Ortsname Chartres soll sich von Cairn herleiten. Als 1846 dort die Eisenbahn gebaut wurde, musste ein großer Grabhügel entfernt werden, der im Westen der Stadt zwischen den “Portes des Pares“ und dem „Port Chastelet“ lag.

Darf man sich einen ähnlichen Mittelpunkt für die rechtsrheinischen Kelten bei Knittlingen an der Reichshälde vorstellen? Schließlich kann es sich bei Carnut um einen allgemeinen Begriff aus der keltischen Sprache handeln, dem ganz sicher Carn oder Cairn zugrunde liegt, dem allgemein verbreiteten steinernen Grabhaus der Kelten. Und aus der irischen Mythologie, den Vers Dindshenchas („Geschichten der Festungen“), die vom Barden Uo Lothchains stammt und unter König Maelsechlainn im Jahre 1006 verfasst wurde - ein fast einmaliges Dokument über die Grabbräuche unserer keltischen Vorfahren - ist bekannt, dass jährliche, dem König gewidmete Festtage zu Lugnasad (1. August) in Tailtiu stattfanden, und zwar an einem zentralen Versammlungsort, der unmittelbar an den großen Grabhügeln der Ahnen lag (siehe auch unter der Rubrik Cairn-Forschung das Kapitel Celtica“). Übrigens: die Gründung der Kathedrale von Chartres durch den Bischof Fulbert fand seltsamerweise auch im Jahr 1006 statt.

In einer zweiten Version des Fulartach ist der Versammlungsort der Iren Carmun, das schon eher nach Carnut klingt und dem ebenfalls das Wort Cairn oder der Hirschgott des Totenreichs Cernunnos zugrunde liegt. Also auch die Iren hatten ein gemeinsames zentrales Heiligtum, quasi eine eigene Reichshälde.



Die Prozessionswege und Cairn I

Schon der Weg, der steil zwischen die Stufen hinauf führt, wirkt wie eine Pyramidenrampe, da vor den ersten Stufen das Gelände beiderseits steil und tief abfällt (siehe Plan), die ersten auftauchenden Stufen damit umso höher und achtungsgebietender aufragen – eine majestätische Hangpyramide.

Unten im Bild die Nordseite von Cairn I mit der deutlich sichtbaren Steigung auf dieser Strecke. Die Größe der Monumente lässt sich auf diese kurzen Distanzen leider nur mit stark verzerrten Panoramabildern vermitteln.

Doch weitere Wege schließen sich rechter Hand am Waldrand beginnend an, Hohlwege, anfangs recht flach und dann immer tiefer in das Erdreich eindringend. Dementsprechend wachsen die Wallformationen zwischen den Hohlwegen immer höher, bis diese mächtige Dimensionen erreichen.

Unten in der Bildmitte zu sehen der nördliche Flankenweg, der heute als Forstweg dient. Der weiter links liegende Wall endet alsbald. Der rechte Wall war der ursprüngliche größte zentrale Wallweg.

Wer sich schon immer gefragt hat, was diese seltsamen Bündel von Hohlwegen und Wällen zu bedeuten haben, die man häufig in den Wäldern Süddeutschlands, gehäuft aber an den Berghängen unterhalb der Cairns findet, bekommt hier eine beeindruckende Antwort, die überzeugender als die bislang gültige ist. Nach der herrschenden Theorie handelt es sich um mittelalterliche Wegebündel, die entstanden sein sollen, als Fuhrwerke sich ihren Weg durch den lehmigen Boden suchten und dabei immer tiefer in den Boden furchten. Wenn es zu tief versank, wurde der Weg angeblich verlegt. Dadurch sollen bis zu 10 und mehr Hohlwege nebeneinander entstanden sein. Nur seltsam, wie gefährlich hoch dabei die Wälle dazwischen werden konnten und dass in die schmalen Gräben dazwischen in den seltensten Fällen überhaupt die Spurbreite eines normalen Fuhrwerks passt. Und in Knittlingen hätten sie gar nicht den Berg hoch geführt, sondern an der ersten künstlichen Stufe geendet.

Diese Spitzgräben sind wie gemacht für das Fußpaar eines Menschen. Dementsprechend können hier eigentlich nur Menschen im Gänsemarsch gegangen sein. Diese Hohlwege und Wälle beginnen am Waldrand auf breiter Front, geschätzt etwa 100 m. Anfangs noch recht niedrig, werden die Hohlen überraschend schnell tief und die Wälle hoch aufragend, teilweise überschneiden sie sich und laufen unvermittelt aus. Als würden sich Strahlen konzentrieren, kristallisieren sich drei große Wege am Ende heraus, die vermutlich noch 2008, vor den neuesten Forstarbeiten, am ersten Stufenbauwerk endeten.

Das Zentrum dieses Wegebündels bildete ursprünglich ein gigantischer Wall, der auf seiner Kuppe einen eigenen Hohlweg besitzt. Dieser Wege endet auch heute noch abrupt an der ersten Stufe. Der Wallweg links dagegen führt heute auf die Kuppe des Bauwerks, wurde also am Ende vor der Hangwand von Cairn I künstlich aufgeschüttet. Ein weiterer Weg rechts des ursprünglichen Zentralwegs endete ebenfalls vor der Wand des Cairns, heute führt er auf die Kuppe. Dabei wurde ebenfalls das Bauwerk durchbrochen.

Unten zu sehen die Wallwege von der Kuppe des Cairns I aus fotografiert. In der Mitte der Zentralweg mit einem Spitzgraben gleich links davon, unmittelbar rechts der neu angelegte Forstweg, durch den der Hohlweg rechts des Zentralwegs verschüttet wurde. Beide Wege scheinen auf der Endstrecke zu verschmelzen, jedoch führt nur der Forstweg auf die Kuppe und durchbricht dabei jetzt den Cairn rechts zu sehen.

Im Bild unten links die Nordwestecke und die breite Front von Cairn I im Hintergrund, in der Mitte der künstlich erhöhte Forstweg, der eine Bresche durch die Cairnwand schlägt, rechts davon zu sehen der ursprünglich höchste Zentralwallweg, der immer noch an die Cairnwand stößt. Der Hohlweg zwischen diesen beiden Wallwegen wurde völlig zugeschüttet. Ganz links zur Orientierung die Knittlinger Steige als schmaler Streifen. Diese wuchtigen Monumente gehörten natürlich allesamt endlich von Bäumen und Sträuchern befreit, damit jedermann sie ungehindert in voller Größe betrachten kann.

Wie das unten stehende Bild aus der Zeit vor der Jahrtausendwende, aber auch die topografische Karte beweist, endeten ursprünglich alle Wälle und Hohlwege abrupt an der steinernen Mauer von Cairn I. Zu sehen ist der zentrale, ursprünglich höchste Wallweg in der Mitte, hinter der stehenden Person, links dahinter der niedrigere nördliche Flankenweg, der heute höher als der Zentralweg ist und jetzt durch das Bauwerk hindurch führt.

Besonders deutlich wird die Zerstörung von Cairn I, wo die Moderne in Form von schweren Fahrzeugen der Waldarbeiter sich Weg bahnte durch Teile der Bauwerke hindurch, so dass der innere Aufbau im Querschnitt jetzt sichtbar ist.

Deutlich zu sehen, wie die flachen Bruchsteine waagrecht gestapelt sind. Durch die Planierraupe wurde das Mauerwerk aufgerissen. Dadurch kamen die ursprünglich horizontalen Steinlagen in Versturz.

Es kamen so auch Bausteine zum Vorschein, die genauso Meißelspuren aufweisen, wie an allen bis jetzt gefundenen Cairns dieser Region, z. B. der Zwerchhälde von Sternenfels, im S/W-Bild unten zu sehen, der beste Beweis für Einsatz von eisernen Meißeln in der Eisenzeit der Kelten. Niemand kann jetzt mehr behaupten, dass es sich bei der Binnenstruktur der Cairns um natürlich anstehendes Gestein handeln würde, das Ganze also ein geologisches Phänomen sei, was schon im Kapitel Geologie“ Rubrik Cairn-Forschung widerlegt wurde.

Also erst im ersten Jahrzehnt des 3. Jahrtausend können die Wege von Wald- und Forstarbeitern in die erste Stufe hinein gebrochen und das dabei gewonnene Material als Rampe verwendet worden sein, nach dem Zeitpunkt, als das Buch des Entdeckers erschienen und als Dokumentation der Grabbauten in der Region an den Landeskonservator Dr. Biel in Stuttgart geschickt und dessen Empfang bestätigt worden war. Das Landesdenkmalamt sah also keinerlei Veranlassung, die Gemeinden auf ihre archäologischen Relikte hinzuweisen und die altehrwürdigen Grabbauten unter Schutz zu stellen. Die Zerstörung konnte ungehindert und in völliger Unwissenheit über deren historische Bedeutung stattfinden.

Tatsächlich glaubt niemand in Stuttgart an das offensichtliche Vorhandensein von Cairns in der Region. Nichts wird getan, um sie zu erforschen. Dabei wartet eine unermessliche Fülle von Grabruinen überall in den süddeutschen Wäldern darauf, endlich als das erkannt zu werden, was man in ganz West und Nordeuropa schon lange kennt. Welch eine gigantische Hochkultur könnte hier – rekonstruiert - wieder entstehen? Frankreich und England machen es uns vor. Deutsche Touristen reisen in die Bretagne, nach Schottland und Irland, um sich dem Flair Jahrtausende alter mysteriöser Riesengräber hinzugeben, aber dass weit größere Monumentalbauten hier in den Wäldern schlummern, ahnen die wenigsten.

Wie wenig Geld für die Wiederherstellung der eigenen Vorgeschichte ausgegeben wird... Da muss es für die nächsten 20, 30 Jahre reichen, wenn mal ein alter Keltengrabhügel (in Hochdorf) wieder aufgeschüttet und das dazu passende Keltenmuseum gebaut wird. Aber deutsche Archäologen kommen fast jedes Jahr mit neuen Sensationsfunden in Ägypten, Troja, Karthago, der Türkei oder Südamerika in die Massenmedien. Was hätten sie hier im Land für Aufgaben zu erfüllen!

Die Phantasie braucht nicht viel mehr Stoff, um angesichts der mächtigen Wälle und tiefen Hohlwege Imaginationen zu zünden, Bilder von Prozessionen, die sich hier auf breiter Front der Pyramide näherten. Der zentrale, der sprichwörtlich wahr gewordene goldene Mittelweg war offensichtlich dem höchsten Regenten vorbehalten. Ob es ein keltischer Brennus war? Dafür spricht der zweite überlieferte Flurnamen „Brandhälde“.

Alle Hohlwege führen zum steilen Hang von Cairn I. Wenn Sie das sehen und diese Wallwege im Sinne von Wallfahrtswegen als einst begangene Prozessionsstraßen verstehen, kommen Sie vermutlich auch zu dem Schluss, dass jeder Hohlweg als Sinnbild des Eindringens in die Unterwelt an einem Ganggrabportal am Bauwerk, das wie ein Wall emporragt, enden muss, einen anderen Reim kann man sich darauf kaum machen. Haben wir mit Cairn I die Entsprechung zur steinernen Mauer bzw. dem Bestattungswall der Könige von Tailtiu (siehe Artikel „Celtica“)? Diese Portale an Cairn I sind jetzt nicht mehr sichtbar, evtl. sind sie zugemauert, vielleicht eingestürzt, auf jeden Fall aber durch die überall feststellbaren Ablagerungen verschüttet.

Unten zu sehen der tiefe Spitzgraben südlich des Zentralwegs. Leider liegen durch die Forstarbeiten immer noch Unmengen von Holz herum, die den Gesamteindruck immer wieder stören. Im Bild Thomas Kropf, Karlsruhe, Erforscher von Verteidigungsanlagen des 1. und 2. Weltkriegs.

Dass die Hohlwege und nicht die Wälle daneben begangen wurden, dafür spricht nicht nur der heute ziemlich verflachte Hohlweg inmitten des Hauptwalls, sondern auch die aus West- und Nordwesteuropa bekannten Steinalleen oder Alignements. Bei Carnac in der Bretagne z. B. begegnen uns anfangs sehr niedrige und dann stetig höher werdende Steinblöcke und -säulen, bis diese am Ende, am Steinkreis eines ehemaligen Hügelgrabs, überwältigende Dimensionen erreichen - Blöcke, mit dem Umfang von Wohnzimmern und kleinen Häusern. Man konnte also nur zwischen den Steinsäulen, also in der Hohle, den Wallweg beschreiten. Die Hohle im zentralen Wallweg macht dies ebenso deutlich.

Die Situation im Vergleich zur Reichshälde ist prinzipiell dieselbe. Anfangs bewegt man sich zwischen den Steinreihen noch ebenerdig und dringt dann immer tiefer in den künstlich geschaffenen Felsgrund ein. Der Wallfahrer bewegt sich, gemeinsam mit anderen in parallelen Hohlwegen bzw. Steinalleen dem Wallfahrtsziel entgegen. Wenn an Wallfahrtsorten heute in christlicher Zeit eine Kapelle oder evtl. sogar eine Marien-Grotte das Ziel ist, dann ahnen wir die eigentlichen Ursprünge in keltischer Zeit: Grabdolmen und Ganggräber.

Die Rückseite von Cairn I zeigt, dass der größte Teil der Basisstufe und die Mittelstufe im Südteil aus dem anstehenden Fels besteht. Der Hohlweg, der zwischen Cairn I und II verläuft wurde zu großen Teilen in den Fels hinein gebrochen.

Das Bild unten wurde von der Basisstufe des Cairn II aus aufgenommen und zeigt die verschieden hohen Stufen der Rückseite von Cairn I. Da ein Waldweg von der Basisstufe auf die Mittelstufe gelegt wurde, der auch die Oberstufe anschnitt, ist die Kontur der Mittelstufe im Norden (rechts) nicht mehr erkennbar.

Im Bild unten ist der massive Fels, aus dem Basisstufe und Teile der Mittelstufe bestehen, links gut zu erkennen. Nach Norden zu (nach rechts) wurden die zur Horizontale fehlenden Teile durch Bruchmauerwerk ergänzt. Der Waldweg darüber durchbrach und zerstörte die Nordfassade der Mittelstufe und die oberste Stufe im Südteil.






Cairn II - Der Haupt-Cairn

Insgesamt ist die Reichshälde ein komplexes Gebilde, das sich zwar mit anderen Nekropolen schwer vergleichen lässt, aber als Hangpyramide wie die Zwerchhälde von Sternenfels oder der Bärenstein bei Horn/Bad-Meinberg betrachtet werden muss. Auf mindestens 3, vielleicht 4 Ebenen wurde der Fels im Südareal aufgebrochen. Auf diesen Terrassen stehen die Cairns unmittelbar am Weg. Die einzelnen rechteckigen Bauwerke sind durch tiefe Einschnitte voneinander getrennt. So auch Cairn I und Cairn II. Es handelt sich dabei um Hohlwege, die vom Hauptweg abzweigen. Hier allerdings wurde die Hohle in den Fels hinein gebrochen. Das zweite Stufenbauwerk ist eine hoch aufragende und umfangreiche Struktur, die man mit Fug und Recht als Stufen-Cairn ansprechen darf.

Unten zu sehen die Nord-West-Ecke von Cairn II mit der merkwürdigen Einbuchtung auf der Basisstufe. Die Oberstufe ist rechts über der Basisstufe erkennbar.

Das Bauwerk ist eindeutig das größte der rechten Hälfte und hat in der Nord-Süd-Ausdehnung eine Länge von ca. 120 m und eine Breite von etwa 70 m, was ihn auf eine Stufe mit dem bis dato größten Megalithmonument der Welt, dem Mont St. Michel bei Carnac in der Bretagne stellt. Dies ist allerdings nur 10 m hoch, das Knittlinger Bauwerk mit seinen 3 oder 4 Stufen aber dürfte nahezu doppelt so hoch sein.

Unten im Bild zu sehen die Südwestecke der Basisstufe von Cairn II. Ganz sacht hebt sich die Hauptstufe im Hintergrund von der Kante der Basisstufe ab. Die Westseite des Cairns ist tatsächlich so lang, dass sie von keiner Stelle aus auf ein Bild zu bekommen ist. Vielleicht dann, wenn alle Bäume und Sträucher einmal entfernt sind.

Deutlich zu sehen ist, dass die Basisstufe aus Fels bestehen muss, denn sonst wäre die oben zu sehende Ecke nicht so steil. Felspartien treten immer wieder unter Laub und Humus hervor.

Die große Basisstufe, die an der Straße beginnt und oben im Bild zu sehen ist, bildet den Sockel. Auf ihr ragen zwei weitere Stufen empor, eine kleine linker Hand und eine zweite hohe und umfangreiche im Zentrum, unten im Bild von der Straße her gesehen. Leider gibt es keine Perspektive ohne störende Bäume, von der aus das Gesamtbild zu vermitteln wäre. Auf dem Bild unten erkennt man links die Felswand, die im vorderen Bereich auch die Basis von Cairn III bildet, ganz rechts die Kante der Basistufe von Cairn II.

Die zentrale hohe Stufe auf der Kuppe wirkt wie eine große Insel inmitten des Bruchs. Es wurde überlegt, ob es sich um den Rest der ursprünglichen Erdoberfläche, also des ursprünglichen Hangprofils handelt, da Waldboden die Kuppe bedeckt. Die aber ist nicht geneigt wie das Hangprofil. Diese „Insel“ bzw. höchste Stufe wird auf der West- und Südseite von den absteigenden Bruchstein-Stufen halbkreisförmig umgeben, die Ostseite dagegen fällt jäh steil ab.

Unten die Hauptstufe im Hintergrund, die kleine Satellitenstufe im Vordergrund. Man beachte, wie steil und tief die Böschung der Hauptstufe links im Verhältnis zu rechten Seite ist.




Zwischen Ostböschung des Cairns und parallel verlaufender Felswand zieht sich ein weiterer Hohlweg hin, der Cairn II von Cairn III trennt. Vor der Felswand hat sich Erosionsschutt von Jahrtausenden haushoch abgelagert, der bis zum Hohlweg reicht. An der Basis ist der Hohlweg von Bruchsteinen flankiert. Wie der erste Hohlweg endet auch dieser als Sackgasse vor einer steilen Böschung, die ein verschüttetes Portal bergen könnte. Eine weiterer Hohle unterhalb der obersten Stufe beginnt an der Felswand und endet nach etwa 20 Metern (siehe Plan). Dieses Teil ist völlig rätselhaft, da nicht als Weg nutzbar. Es handelt sich lediglich um eine lange gerade Eintiefung auf der zweithöchsten Stufe des Cairns. Vielleicht liegen dort Portale verborgen.

Die Gesamtsituation ist so komplex, dass sie kaum umfassend zu skizzieren ist. Hier sind umfangreiche detaillierte Messungen erforderlich. Als Industriesteinbruch macht das alles sicher keinen Sinn. Die wenigen Hohlwege, die in den „Bruch“ hineinführen sind so eng, dass sie kaum als Rangierwege dienen konnten. Nur der untere Hohlweg führt zu einem Platz vor einer Felswand, also zu einem Abbaugebiet; hier hat sich auch tatsächlich ein solches befunden. Wie die auf ältere Messungen zurückgehende topografische Karte ausweist, wurde hier die Felswand entsprechend ausgeweitet. Nach der Ausbeute wurde das Areal als Müllhalde verwendet, danach renaturiert. Alle senkrecht aufragenden Felswände im Gebiet der Cairns sind jedoch haushoch mit altem Erosionsschutt und an der Basis z. T. sichtbar mit Bruchsteinmauerwerk zugesetzt.

Topografisch erscheint die natürlich wirkende Insel als die höchste Stufe im Bruch, alle Formationen drumherum bilden absteigende oder steil abfallende künstliche Böschungen und Stufen aus Trockenmauerwerk. Es könnte sich also um ein ganz eigenartiges Bauwerk handeln, eine Stufenpyramide mit einem Sockel aus gewachsenem Fels und einem natürlichen Zentrum – etwas, was die Welt noch nicht gesehen hat.

Der Fels-Hohlweg unterhalb des zweiten Stufenbauwerks führt direkt zur jetzt entdeckten Megalith-Kammer. Er endet in einem Bereich, der sich Platz-artig weitet. Hier stoßen der Haupt-Cairn und das alte Abbaugebiet, welches Felswand-hoch mit Müll zugeschüttet und anschließend renaturiert wurde, zusammen. Von hier aus kommt man nur weiter, wenn man an der Kammer vorbei auf die Böschung des Haupt-Cairns steigt. Oben angekommen sieht man weitere Stufen, die eine eindeutig trocken gemauert, denn die Bruchsteine treten deutlich hervor (siehe Plan).



Die Meglith-Kammer von Cairn II

Dr. Hahn aus Hofheim am Taunus hatte sich für das Wochenende am 21.11.09 extra frei genommen, um die Cairns hier in ihren „Steinbrüchen“ zu studieren. Nach unserer gemeinsamen Exkursion zu den Cairns bei Freudenstein, Maulbronn und Schmie machte er sich am folgenden Tag allein auf, um die Reichshälde zu besichtigen. Dabei entdeckte er nun die 12. bekannte Megalith-Kammer im Hang des Haupt-Cairns, dem zweiten Stufenbauwerks der rechten Seite. Im Bild zu sehen ist Volker Dübbers, Vorsitzender des VGN, Bruchsal.

Die gefunden Kammer ist fast bis zur Decke verschüttet.

Man erkennt jedoch, dass die linke Innenseite sowie die Rückwand ebenfalls komplett aus massiven Fels besteht, lediglich die rechte Innenwand ist trocken gemauert. Hier haben wir also den Beweis, zumindest aber ein starke Indiz, dass der gesamte Sockel des Bauwerks aus massivem Fels besteht.

Die schweren Deckplatten liegen links auf dem gewachsenen Fels auf, rechts auf dem Mauerwerk. Sie sind zerborsten. Deshalb wurde wohl in Zeiten des Steinbruchbetriebs diese Stahlschienen zur Stabilisierung eingezogen und die Kammer genutzt. Wer in Großbritannien oder Frankreich einen Cairn und dessen Ganggrab besichtigt, wird öfters auf solche stützenden Elemente stoßen, denn auch dort sind die Decken eingebrochen und das sichere Betreten für die Touristen nicht anders möglich.

Südlich der Hahn-Kammer, direkt an diese Örtlichkeit anschließend, existierte bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts ein regulärer Steinbruch, der aber mittlerweile durch Müll verfüllt und mit Erdreich bedeckt als renaturiert gilt. Steinbrucharbeitern diente die Kammer am Rand des Abbauareals offenbar als Lagerraum Um die im Laufe der Jahrtausende durchgebrochenen Deckplatten zu sichern, schob man den ersten Deckstein beiseite und steckte die Eisenschienen links in unter der Decke eingehauene Schlitze. Rechts schob man sie auf die entsprechende Steinlage. Der Eingang wurde verschmälert und ofensichtlich ein Türpfosten mit Türanschlag angebracht.

Weitere Grabungen werden wahrscheinlich auch, wie anderswo, Eisenbeschläge einer Holztüre zum Vorschein bringen. Der Bereich vor dem Portal wurde massiv verschüttet, vermutlich während der Renaturierungsmaßnahmen durch eine Planierraupe zugeschoben, so dass außerordentlich viel Man-Power nötig sein dürfte, die Kammer einigermaßen eben betretbar zu machen. Fraglich ist der Erfolg eines solchen Unternehmens. Die Kammer dürfte, wie immer, wenn eine neuzeitliche Nutzung nachweisbar ist, restlos von prähistorischen Funden befreit sein.

Deutlich zu sehen sind Bruchsteine, die in der Böschung oberhalb des Architravs unter Laub und Humus hervor treten und auf eine trocken gesetzte Fassade schließen lassen. Also erst auf dem Felssockel beginnt das Mauerwerk. In rund 3 m Höhe über dem Portal weicht die Fassade stufenartig zurück. Die Bezeichnung Stufen-Cairn wird also auch durch solche Details gerechtfertigt. Die Ortsgrenze zwischen Maubronn und Knittlingen verläuft justament über das Portal hinweg und wurde auf der Cairnkuppe durch Marksteine und einen Grenzgraben markiert.

Erstaunlich ist auf den ersten Blick die geringe Tiefe des Ganggrabes, geschätzt etwa 1,5 m. Man fragt sich, wieso so ein großes und langes Bauwerk nur eine derart kleine Kammer erhielt. Allerdings können wir noch kein Urteil fällen, da uns der Boden und Untergrund des Ganges nicht bekannt ist. Man kann spekulieren, dass, wie bei den Etruskern, die eigentliche Grabkammer tief im Fels verborgen liegt und irgendeine geheimnisvolle Treppe dort hinab führt. Auf dem Marsberg bei Würzburg-Randersacker sind die ersten Stufen eines solchen Abgangs im Lehm des Geise Gangs I zu erkennen. Leider verdammt man unsere Forschungen in der dortigen Presse als Spinnereien, weshalb eine Erfolg versprechende Grabung, die die Universität Würzburg als Grundbesitzerin leicht durchführen könnte, unterbleibt.



Cairn III

Alle Cairns zu rechten scheinen auf jeweils eigenen Felsterrassen zu stehen, doch der dritte besitzt drei Stufen, wobei die unterste sich auf der Ebene des darunter liegenden Cairns II, des Hauptbauwerks, befindet.

Unten zu sehen links die Unterstufe von Cairn III, ganz links die Hauptstufe als weißer Streifen, rechts Cairn II.

Die Hauptstufe unten im Bild weiß, die Unterstufe rechts davon. Nichts spricht dafür, dass dies separate Cairns seien. Tatsächlich fügen sich die Stufenbauwerke zu einem.

Die oberen zwei Stufen unterscheiden sich nur geringfügig in der Höhe, ganz links im Bild Cairn IV, durch einen Hohlweg von Cairn III getrennt.

Die zwei Oberstufen von Cairn III mit der Rampe zur Hauptstufe links im Bild.

Blick auf die breite Unterstufe von Cairn III, die wohl z. T. aus Fels besteht und die Oberstufe, im Vordergrund der pyramidenförmige Wall zwischen Cairn III und Felswand. Die Aufnahme wurde von der Felswand aus gemacht.

Noch ein Blick auf die Unterstufe mit der Basistufe von Cairn II im Hintergrund.

Die Reichshälde bietet viele Ansatzpunkte, um nach weiteren Portalen zu suchen. Das dritte Stufenbauwerk zeigt vor allem in Kontaktbereich von Rückwand und Fels auffällige Strukturen, die an eingestürzte bzw. verschüttete Portale erinnern. Die schmale Zone wurde mittels eines hohen Walls abgesperrt, der merkwürdigerweise pyramidale Form hat und direkt auf der Felswand aufsitzt. Schon allein die Absperrung ist sehr verdächtig und gleicht der Situation an Cain I in Freudenstein.

Zufälligerweise verläuft auch hier die Gemeindegrenze genau über die Stelle, die also durch einen Grenzstein markiert ist. Da Cairns sehr häufig auf oder an Gemeindegrenzen liegen, könnten die Vorläufer der Marksteine große Menhire gewesen sein, auf die sich die Grenzzieher bei der Festlegung der Gemeindegrenzen in nicht mehr erinnerbarer Zeit bezogen. Aus der Archäologie ist bekannt, dass Dolmen und Ganggrabportale häufig mit Menhiren markiert sind. Der Menhir versinnbildlichte nach der Theorie den verstorbenen Ahnen. Die Seelenvögel ließen sich auf dem hohen Stein nieder und entführten die Seele des Verstorben in die Anderswelt.



Cairn IV

Dies ist der kleinste und höchst gelegene auf der rechten Seite. Direkt hinter ihm, auf der Bergkuppe, liegt die Viereckschanze. Unmittelbar vor der Felswand hat sich ein flacher See gebildet, der Silbersee genannt wird und an den Märchensee am Cairn von Wendelsheim erinnert, also ein Heiliger See gewesen sein könnte. Hier ist eine der wenigen Stellen, wo der Fels derart glatt und hoch aufragt.

Unten zu sehen die Nordwestecke von Cairn IV.

Die Westseite von Cairn IV, die Kuppe von Cairn III im Vordergrund.



Die Stufenbauwerke im Nordareal

Die Reichshälde erfordert intensive Forschungen. Wir kennen jetzt das Haupt-Stufenbauwerk zur Rechten gerade so in groben Zügen, die Situation im linken Teil, dem Nordareal wurde von den Kartographen des beginnenden 20. Jahrhunderts z. T. als regulärer Steinbruch eingezeichnet, von dem aber ein großer Teil schon wieder völlig eingeebnet ist.

Der nackte Fels kommt an kaum einer Stelle zum Vorschein. Dafür sieht man, wie viel Müll und Bauschutt, besonders auf den Weg, geschüttet wurde. Die erste, nicht sonderlich breite Felspartie auf der rechten Seite dieses Weges erscheint dort, wo auch die Böschung des einzig sichtbaren Stufenbauwerks links der Straße, Cairn 2, zu enden scheint.

Unten zu sehen links im Vordergrund die verschüttete Felswandpartie, rechts davon im Hintergrund Cairn 2.

Cairn 2, die Südwestecke, von der Knittlinger Steige her gesehen.

Der erste Weg in das linke Areal wird nun von dieser offenbar verschütteten Felswand auf der Ostseite flankiert. Westlich davon fällt das Gelände steil ab. Hier unten auf dem Hang erscheint nun ein weiteres auffällig steiles Stufenbauwerk, Cairn 1, mit etwa drei reichlich zerstörten Stufen auf dem Hang, die vmtl. durch Einstürze und andere Zerstörungen keine klaren Konturen mehr zeigen.

Unten die Nordseite von Cairn 1.

Der Weg endet in einer Sackgasse, aber in einer äußerst überraschenden, da optisch sehr merkwürdig anmutenden, denn hier taucht plötzlich ein weiteres Stufenbauwerk auf, Cairn 3. Es ragt etwas in den Platz hinein, wird aber hauptsächlich durch eine etwa zwei Meter hohe, auf die Hangböschung gesetzte Stufe gebildet. Sie hat nach Westen eine eher runde, nach Süden eine gerade Form und knickt im Osten plötzlich im rechten Winkel nach Norden ab. Auf der Nordseite läuft sie aus und verschmilzt mit der Böschung. Eine wesentlich niedrigere, etwa 1,5 m hohe Stufe fügt sich an die Westseite des Cairn an und ragt weit bis zum Weg heran. Der Zufahrtsweg führt um diese Stufe und um die Nordseite des Bauwerks herum noch eine Strecke in den Berg hinein, als ob dort ein verschüttetes Portal in den Untergrund wartet.

Hier Cairn 3 in der Ansicht. Tatsächlich finden wir dort links und rechts des Zufahrtweges neben Bauschutt auch riesige Felsbrocken, die dort jemand einfach liegen ließ.

Mag sein, dass es in anderen Kulturen ähnliche Grabbauten gibt, in Deutschland wurde Ähnliches bisher noch nicht gefunden. Der Grund ist einfach: Man glaubt in der Wissenschaft bis heute nicht, dass unsere Vorfahren die Kunst des Felsbaus beherrschten, eine Technik, die bei allen anderen Hochkulturen selbstverständlich war. Schon am Ende der Jungsteinzeit und zu Beginn der Kupfer-Bronzezeit sollen unsere Vorfahren zwar die Fähigkeiten gehabt haben, um Bergwerke zu öffnen und Metalle abzubauen, aber die dafür nötigen Techniken der Steinsprengung sollen sie nicht zum Bau von Grabmonumenten verwendet haben. Steinbrüche aus dieser frühen Zeit sollen also ein Ding der Unmöglichkeit sein. Glauben sie diesen Unsinn?

Links dieser Sackgasse erkennt man, ins bewaldete Tal hinab blickend, eine große auf den Hang gesetzte Stufe, Cairn 4. Auch hier zweifelt der Betrachter, dass es sich um eine Abraumhalde handelt. Deren Kuppe ist gestuft und wird durch eine verschüttete Felswand im Westen begrenzt.

Abraumhalden sehen grundsätzlich anders aus (siehe auch den Artikel Cairns“). Man kann die Gerölllawinen in regulären Steinbrüchen besichtigen, z. B. auf der Böschung vor dem weißen Steinbruch bei Eibensbach, im Natursteinwerk Mühlbach, im Sandsteinbruch Söllingen, im Lauster-Steinbruch Maulbronn, etc. Es fragt sich, da Cairn 1 und 4 wie Cairn I auf den Hang gesetzt sind und kein Anhaltspunkt für ein ebenerdiges Portal zeigen, ob sie tatsächlich Kammern enthalten oder welche Funktion sie überhaupt hatten. Künstliche Stufen sind es auf jeden Fall und sie gehören zum Geamtkonzept Reichshälde.

Oberhalb des ersten links abzweigenden Hauptweges und hinter dem dort stehenden Stufenbauwerk gab es, wie auf der Karte oben ersichtlich ist, ursprünglich einen weiteren Hohlweg, der dort nach links abbog. Hier ragt eine weitere Stufe empor, die aber keinen Umriss erkennen lässt und mit dem umgebenden Waldboden verschmilzt. Anfänglich erstreckte sich hier ein Steinbruchgelände. Es wurde offensichtlich seit dem Erstellen der Karte zugeschüttet und mit Bäumen bepflanzt. Das muss schon vor mehr als 60 Jahren geschehen sein, denn die Bäume, die dort stehen, sind mindestens so alt. Dabei können auch weitere, dem ersten und vermuteten zweiten Stufenbauwerk folgende Cairns am linken Wegrand eingeebnet worden sein. Indizien in Form von Absätzen im Hang direkt am Weg deuten darauf hin, ebenso gestapelte Steinlagen, die aus dem Humus des Hangs hervortreten. Es dürften also ursprünglich parallel zu jedem Cairn rechts der Knittlinger Steige ein Gegenstück links des Weges deutlich sichtbar gewesen sein, bevor die Renaturierungsmaßnahmen alle Konturen einebneten.

Dafür spricht auch die älteste bisher bekannte Karte der Gegend aus dem Jahr 1731, die im Nordareal einen lang gezogenen Steinbruch verzeichnet. Dieser erstreckte sich tatsächlich an der Straße entlang bis zur Kuppe und dem Galgen, der zu der Zeit dort gegenüber der Viereckschanze auf Knittlinger Territorium stand. Die Karte ist nicht seitenverkehrt, denn die Grenzsteine im Südareal sind exakt eingezeichnet.

Wenn schon 1731 dort ein Steinbruch von dieser Größe existierte, lange vor dem großen Bauboom der wilhelminischen Zeit, dem wir die meisten gegenwärtigen Steinbrüche verdanken, dann können wir davon ausgehen, dass es sich tatsächlich um eine Cairn-Nekropole handelt, auch wenn die Cairns unscharf eingezeichnet sind. Leider steht uns das Original de Plans nicht zur Verfügung, der evtl. genauere Strukturen erkennen lässt. Deshalb bleibt unklar,welche Bedeutung die Linie nördlich der Knittlinger Steige hat. Um die Felswand des Steinbruchs kann es sich nicht handeln, denn die dürfte damals identisch mit der Baumgrenze gewesen sein. Vielleicht handelt es sich einfach nur um die Böschungskante der Cairns im Südareal.

Doch die großräumigen Umgrenzungen, die relativ identisch mit den heutigen sind, machen klar, dass es sich um dieselbe große Anlage handelt, die auch heute noch steht. Zu der Zeit wurden die meisten Häuser noch mit Fachwerk gebaut, lediglich Kirchen, Rathäuser und andere Verwaltungsbauten sowie einige wenige Bürger- und Adelshäuser entstanden aus Steinquadern. Und wenn sie erst einmal standen, dann für Jahrhunderte. Also dieses riesige Areal erscheint einfach atypisch für die Handwerkersteinbrüche der damaligen Zeit.

Die Reichs- oder Brandhälde ist ein archäologisches Juwel, wohl das Zeremonialzentrum unserer Vorfahren von außerordentlich hoher Bedeutung. Die ganze Gegend zwischen Eppingen im Norden und Maulbronn im Süden, mit einer enormen Dichte an Grabbauten auf den Bergen, kann eigentlich nur, wie die Toskana der Etrusker, als monumentale Gräberlanschaft einer längst versunkenen Hochkultur verstanden werden.







Zuletzt geändert: 11.02.2010, 19:47:34