Felsnekropolen oder Steinbrüche?


Unterscheidungsmerkmale Steinbrüche – Steingruben (Steingräber)

Aus erkenntnistheoretischer Sicht zeigt der Fall beispielhaft, wie Konvention den Blick auf die Realität verstellen kann. Wer es nicht besser weiß sieht sich vor Ort inmitten eines meist unwegsamen, von Bäumen, Büschen und Gestrüpp zugewachsenen Steinbruchs unbestimmten Alters, der überproportional große Abraumhalden enthält. Dort wo die alten Felsnekropolen weitgehend unversehrt die Zeiten überstanden, wie z. B. in Schmie-Maulbronn die Steingrube, hat man ein direktes Gegenüber von umgebender Felswand und Cairn.

Cairn II und III in der Steingrube vor der Felswand im Hintergrund. Cairn II zeigt eine weitgehend erhaltene Basismauer.




Aber die Überlieferung weiß, dass es sich nicht um normale Steinbrüche handelt, denn öfters begegnet man in Flurnamen ihrer ursprünglichen Bezeichnung Steingrube, jedoch Steingrub ausgesprochen, folglich ein Steingrab. Denn der etymologische Unterschied zwischen Grube und Grab ist unwesentlich. Noch heute sagt man, wenn einer verstirbt, er fährt in die Grube.

Leider vertreten die verantwortlichen Archäologen im Landesdenkmalamt Stuttgart den Standpunkt, dass diese mächtigen Strukturen nichts als Abraumhalden seien, da sie vmtl. dem Gutachten eines Mannes vertrauen, der sich selbst als Steinbruch-Fachmann ausgibt.

Der Architekt Rolf Albrecht Burrer, Maulbronn, ein persönlicher Freund des Landeskonservators, wie er Herrn Dübbers erzählte, stammt selbst aus einer alten Steinbruchbetreiber-Familie und glaubt daher, alle Steinbrüche der Gegend zu kennen und beurteilen zu können. Schaut man sich jedoch die Industriesteinbrüche seiner Familie an, die tatsächlich als solche im 19. und 20. Jh. genutzt wurden, erkennt man die gravierenden Unterschiede. Nur wer diese Merkmale kennt, kann uralte Felsnekropolen von regulären Industriesteinbrüchen der letzten Jahrhunderte unterscheiden. Kritiker unserer revolutionären Thesen machen sich selten die Mühe, diese Kriterien zu reflektieren. Nur aber wer das macht, bewegt sich auf demselben Boden methodischer Wissenschaft.

Wir stellen diese Kriterien einmal gegenüber.



Reguläre Industriesteinbrüche



    sind heute noch gut zu betreten. Sie sind meist völlig leer geräumt, oder auf ihrem Areal wurden inzwischen großräumige Anlagen errichtet, wie z. B. Fußballfelder, Schießstände, Werkhallen, etc.

    im Abbaugebiet steht keine einzige der unnatürlich großen gemauerten Abraumhalden, die der Entdecker als Cairns identifiziert hat. Diese weiten leeren Räume vor den Felswänden waren und sind auch immer noch nötig, um Transportfahrzeuge zu rangieren und diese ungehindert beladen zu können.

    Abraumhalden, einfache Schutt-halden, kommen an bestimmten Stellen vor und sind als solche sofort zu erkennen, d. h. hier liegt Schüttgut vor. Dessen Volumen jedoch bewegt sich meist weit unterhalb 5 % des Areals.

Die alten Steinbrüche oder Steingruben



    (wie sie in den ältesten Karten und Aufzeichnungen und in überlieferten Flurnamen genannt werden) sind jedoch meist nur durch enge und ausgesprochen lange Gassen zu betreten.

    Diese schmalen Gassen werden beidseits von diesen angeblichen Abraumhalden enormer Größe flankiert und enden an der einen, das ganze Areal umgebenden Felswand, oder sie führen auf der einen Seite an der Felswand entlang, während auf der anderen ganz dicht die angebliche Abraumhalde steht. In den größten Nekropolen bilden die engen Gassen zwischen den Cairns ein wahres Labyrinth.

    Diese angeblichen Steinhaufen nehmen dort 70 bis 90% des Areals ein. Betrachtet man sie näher und schaufelt die oberflächlichen Schichten weg, stößt man auf Mauerwerk. Wer diese massive Steinmauern als Abraumhalden verstehen will, muss sich fragen, warum die Steinbruchbetreiber für das ganze qualitativ wertvolle Material, das sie mühsam aus den Felswänden brachen, eigentlich gar keinen Verwendungszweck hatten und es völlig sinnlos inmitten des Steinbruchs in mühevoller Arbeit zu gemauerten „Halden“ aufsetzten, die so solide gebaut sind, dass sie alle Kriterien der Statik erfüllen. Es gibt Böschungen mit einem Neigungswinkel von 55º, der sogar den der Cheopspyramide übertrifft. Welche geschüttete Halde von solcher Steilheit wäre nicht schon längst nach all den Regengüssen der Jahrzehnte und Jahrhunderte zerflossen? Diese gemauerten „Halden“ aber füllen die ganzen Steinbrüche komplett aus und können auf dem Steinbruchgrund errichtet schon eine Höhe von bis zu 20 m und mehr erreichen, auf den Hang gebaut bis zu 80 m.

Ein Steinbruch der Firma Burrer liegt auf dem Stromberg bei Pfaffenhofen, der „Weiße Steinbruch“. Jedoch liegt dessen Ursprung vor Beginn der Steinbrucharbeiten im Jahre 1911 und verdankt seine Entstehung dem Vorhandensein einer großen Fels-Nekropole an dieser Stelle. Der Bereich, wo die Firma ihre Arbeiten anfing, ist nämlich eine Erweiterung dieses ursprünglichen Felsgrabes. Hier wurden die Felswände im Westen erweitert. Dementsprechend groß ist dort auch der Abstand zwischen noch stehenden Monumenten und der Steinbruchwand, während im Bereich der ursprünglichen Nekropole die heute noch vorhandenen Steingrabhügel eng vor der Felswand stehen.

Der Fund eines Ganggrabs in einem dieser flächendeckend stehenden Hügel als Beleg für megalithische Cairns ist wohl mehr als ausreichend - siehe folgendes Kapitel „Cairns (Stufenpyramiden)“.



Steingrub = Steingrab

Aufschlussreich, dass auch die Kartographie, wie die Volksüberlieferung, korrekt zwischen echten Steinbrüchen und sog. „Steingruben“ (mit Halden), wie der Volksmund diese uralten Felsausbrüche bezeichnet, unterscheidet, indem sie verschiedene graphische Kürzel verwendet. So verzeichnete Steingruben, wenn sie korrekt und nicht irrtümlich dargestellt sind, können also leicht als Fels-Nekropolen erkannt werden, wenn auch in ihrem jetzigen Zustand als Ruinen.




Erste Erwähnungen von Steingruben gibt es schon im 13. Jh., Karten aus dem 16. Jh.

Steingrub und Steingrab scheinen anfangs synonym und äquivalent verwendet worden zu sein. Auch heute sind Grube und Grab noch fast gleichwertig gebrauchte Begriffe. Steingruben sind also Steingräber. Im Mittelalter wurden einige wenige diese Steingruben nach Urkundenlage erstmals zu echten Steinbrüchen ausgeweitet, die noch im 19. und 20. Jh. die größten Industriesteinbrüche der Region waren, z. B. das schon erwähnte Natursteinwerk von Mühlbach und die Steingrube von Sternenfels.

Wenn es im Mittelalter noch Bestattungen mit Grabbeigaben gegeben haben sollte, dann dürften sie damals endgültig geplündert und die Skelette entsorgt, möglicherweise sogar von Nonnen und Priestern umgebettet worden sein. Denn seltsamerweise suchte die Kirche für ihre Kapellen und Klöster oft genug die Nähe zu diesen alten Stätten, beispielsweise das schon lange untergegangene Kloster von Kürnbach am Beginn einer Prozessionsstraße (Totenweilerweg), die zu den Nekropolen auf den nicht weit entfernten Bergen führt, oder die Abtei Neuburg bei Heidelberg-Neuenheim, das unterhalb des Heidenknörzel liegt, eine Ansammlung großer künstlicher Hügel mit einem noch erkennbaren Rest von Ganggrab. Hier in den vergessenen Nekropolen könnte die Quelle für die vielen Reliquien von Heiligen und Märtyrern liegen, deren Knochen wundersame Vervielfachung erfahren haben.



Industriesteinbrüche sind grundsätzlich leer geräumt

Das Bild regulärer Steinbrüche sieht dagegen völlig anders aus. Weite ebene Flächen erstrecken sich vor den Felswänden, wie z. B. im Sandsteinbruch von Pfinztal-Söllingen.

Der Abraum und Schutt, hier im Bild auf der rechten Seite, nimmt nur einen ganz geringen Teil des Areals in Anspruch, denn man handelt ökonomisch und gewinnt den Stein nur in geologischen Zonen, wo der geringstmögliche Abraum anfällt. Man erkennt sofort, dass es sich um Schüttgut handelt. Darunter verbirgt sich niemals Mauerwerk. Die weite ebene Fläche wird zum Bau von Büros und Werkstätten genutzt oder um die ausgearbeiteten Blöcke und Platten im Freien zwischenzulagern.




Ein anschauliches Beispiel, wie man sich reguläre Industriesteinbrüche vorzustellen hat, liefert das Zementwerk in Walzbachtal-Wössingen. Die gesamt Abbaufläche ist fast vollständig frei von Schutthalden.

Der Abraum, der vorwiegend aus Lehm besteht, wird oberhalb der Felswand abgelagert, wo er den Abbau nicht stört.

Doch auch hier existieren in einem kleinen Areal nahe der Eisenbahnstrecke merkwürdige Halden vor einer Felswand, aus Bruchsteinen und Geröll bestehend und völlig überwuchert von Buschwerk und niederen Bäumen. Da das Gewann „Steinhalden“ genannt wird, könnte es sich auch hier um alte Cairns handeln. Man erkennt wiederum, wie aus einer alten Felsnekropole ein moderner Steinbruch wurde, indem einfach neben den Cairns die frei stehende Felswand abgebaut und in den Berg hinein gesprengt wurde.




Steinbruchgrund: blau Abraum: gelb Felswand: rot Cairns: Rauten



Man sieht, dass es keinen Unterschied zu Kalksteinbrüchen gibt. Beide Arten sind während und am Ende der Nutzung weitgehend leer geräumt!

Die meisten modernen Industriesteinbrüche sind wohl in Wirklichkeit Mischformen, d. h. sie entstanden ursprünglich in vorgeschichtlicher Zeit als Felsnekropolen und wurden oft schon im Mittelalter ausgebeutet, vermehrt aber im 19. Jh. zu regulären Industriesteinbrüchen erweitert.

In solchen zu Steinbrüchen erweiterten Felsnekropolen stehen die ursprünglichen Steingrabhügel mehr oder weniger unversehrt zentral und am Hangrand des Areals, z. B. in einem der größten Industriesteinbrüche Baden-Württembergs bei Mühlbach. Dort wurde auf und zwischen diese Grabhügel der anfallende Schutt geschüttet. Das hat natürlich zu dem Missverständnis beigetragen, dass Cairns nur Abraumhalden seien.



Steingruben sind mit Cairns vollgestopft

Welch ein himmelweiter Unterschied zwischen einem regulären Industriesteinbruch und einer uralten Felsnekropole besteht, veranschaulicht der Grundriss des größten Steinbruchs Baden-Württenbergs, des Heilbronner Jägerhaussteinbruchs. Hier nimmt der angebliche Abraum, in Wirklichkeit ein einziger gigantischer Cairn, fast das ganze Areal des Steinbruchs ein. Das eigentliche, reguläre Abbaugebiet befindet sich im Norden und Nordwesten, im Rücken des Cairns.








Steinbruchbetrieb im Mittelalter

Einen unzweideutigen und sicher allseits überzeugenden Beweis liefert die Darstellung des Kloster-Steinbruchs von Schönau bei Heidelberg aus dem 16. Jahrhundert (Bild 19), die in Nürnberg aufbewahrt wird. Hier sieht man èn Detail, wie der oben abgebildete Heilbronner Steinbruch in Wirklichkeit entstand.








Die Zeichnung zeigt in der linken oberen Ecke das Abbaugebiet, das hinter einem großen runden zentralen Cairn in den Fels hinein gebrochen wird. Steinbrucharbeiter nutzen den schmalen Weg zwischen Felswand und Cairn, um zur rückwärtigen Felswand zu gelangen, die nun abgebaut und ihre Blöcke mittels Ochsengespannen weg gekarrt werden. Deutlich zu sehen ist, dass damals schon mit der Brechstange und natürlich nicht mit dem Meißel gearbeitet wurde.

Wäre der Steinbruch auf reguläre Weise und nicht aus einem Berg-Cairn im Fels entstanden, hätte man keine um die angebliche Abraumhalde sich windende Zufahrtsstraße anlegen müssen, eine Zufahrt, die zudem so eng ist, dass keine zwei Fuhrwerke sich begegnen können. So eng sind die Wege allerdings in allen von uns untersuchten Steinbrüchen, in denen wir Cairns entdeckten.

Die Zeichnung ist geradezu archetypisch in ihrer Darstellung einer uralten Cairn-Felsnekropole. Der Cairn ist deutlich gestuft und schon bewaldet, d. h. absolut sicher nicht aus aktuellem Schutt bestehend. Vielmehr kann man daran erkennen, dass das Monument schon zu der Zeit soweit erodiert war, dass auf der Oberfläche Pflanzen Wurzeln schlagen konnten, also schon ein hohes Alter hatte.

Würde es sich bei dem Cairn um eine Abraumhalde handeln, wäre sie einfach viel zu groß. Man hätte nie den Abbau an einer Stelle begonnen, wo erst soviel Abraum beiseite geschafft werden musste, sondern eine Stelle gesucht, wo der Fels schon offen zutage liegt. Und tatsächlich lag der Fels im Mittelalter ja schon blank. Die Erbauer des Cairns hatten ihn in der sog. Bronzezeit bereits freigelegt. Die mittelalterliche Steinbrecher waren gezwungen, sich den vorgefundenen Umständen anzupassen, also diesen krummen Weg um den Cairn herum als Fahrweg zu nutzen.



Die Steingrube von Mühlbach

Heute ist dieser große Felsaufbruch ein Natursteinwerk, in dem roter bzw. gelber Sandstein gewonnen wird. Schon auf einer Karte des 16. Jh. wird sie aufgeführt. Ursprünglich aber muss es sich genauso um eine Cairn-Felsnekropole gehandelt haben, denn die großen Bauwerke am Rand des Abgrunds (gelb markiert) stehen immer noch, wenn auch arg lädiert. Ein Platz wurde mitten zwischen zwei Cairns hinein gebrochen und ein Kriegerdenkmal errichtet. Wo die Cairns aufgebrochen sind, kan man das trocken gesetzte solide Mauerwerk sehr gut erkennen. Ebenso wurde bei der Anlage zweier Fußballplätze die Bausubstanz von Cairns in Mitleidenschaft gezogen. Hier ist das Bild noch undurchschaubarer, weil offenbar echter Abraum auf den Cairns zu liegen kam.

Aber klar erkennbar ist: Hier wurde eine bestehende Nekropole zum Steinbruch erweitert, indem die umgebende Felswand zum Abbau freigegeben wurde. Das typische Bild eines Industriesteinbruchs: Überall im Abbaubereich wurden die Baracken der einzelnen Firmen errichtet. Der einzig erkennbare Abraum wurde im Norden auf einer Schutthalde vor der Felswand entsorgt (ziegelrot markiert). Der Lkw fährt dabei jeweils zum Bruch hinaus und kippt das Schüttgut die Felswand hinunter. Man sieht, wie klein der entsorgte Abraum im Verhältnis zur Gesamtgröße des Abbaugebiets ist.

Beeindruckend sind auch die ganz deutlich gemauerten Stufen auf dem steilen Hang unterhalb der Nekropole, die auch die Landvermesser und Kartographen nicht übersehen konnten. Wäre der Wald nicht im Weg, auch heute würden diese beeindruckenden Bauwerke hoch oben auf dem Berg gut zu erkennen sein.

Archetypisch auch die unmittelbare Nähe zu einem aufgestauten See. In diesen heiligen Seen wurde in keltischer Zeit Gold und Silber und andere wertvolle Devotionalien versenkt, von den Römern aber nach Ablassen des Wassers meist vollständig geraubt. Heute dient er als beliebter Badesee.




Industriesteinbrüche vs. Felsnekropolen

Die Nutzung der Steinbrüche bzw. Steingruben im Kraichgau und Zabergäu fand auch meist nur kurze Zeit statt. Im Buch des Entdeckers ist dokumentiert, wie lange sie überwiegend ausgebeutet wurden: 2 bis höchstens 31 Jahre. Die meisten wurden schon wieder um 1914 eingestellt.

Dagegen gibt es einige wenige Industriesteinbrüche, die schon vom Mittelalter an extensiv ausgebeutet wurden, insbesondere die Steingrube von Sternenfels und das Natursteinwerk im Steingrubenwald bei Mühlbach.

Selbstverständlich findet man dort im nachweisbaren Abbaugebiet keine schraffierten Felswände, denn es wurde mit Keil, Bohrern und Brechstangen abgebaut und nicht mit Meißeln!

Das Abbaugebiet ist völlig leer geräumt. Dort stehen natürlich auch keine angeblichen „Abraumhalden“, welche die ganze Innenfläche ausfüllen, wie in den „Steinbrüchen“ unseres Forschungsprojekts.

Dennoch gibt es im Randbereich beider noch immer Gruppen großer Cairns, die dem Abbau entgingen und heute wie selbstverständlich als Abraumhalden missdeutet werden. Vermutlich gibt es überhaupt keinen mittelalterlichen bis neuzeitlichen Steinbruch im Süden Deutschlands, der nicht aus einer uralten Cairn-Nekropole im Fels hervorging.



Historische Darstellungen vorgeschichtlicher Stufenpyramiden rund um das alte Würzburg

Dank der Maßstab setzenden Arbeit von Okrusch, Kelber, Friedrich und Neubert („Historische Steinbrüche im Würzburger Stadtgebiet im Wandel der Zeit“, Mainfränkische Hefte 105, 2006) haben wir sehr gutes historisches Kartenmaterial zur Verfügung, das uns die Beurteilung der dortigen „Steinbrüche“ und ihrer Geologie wesentlich erleichtert.

Die unten abgebildeten Steinbrüche mit gestuften Formationen sind keine Abbaustufen, in dem Fall müssten sie invers dargestellt sein, sondern offensichtlich Stufenpyramiden. Es wurde hier verfahren wie auf der historischen Darstellung des Klostersteinbruchs von Schönau oder am Cairn von Heilbronn. Eine den ganzen Steinbruch umfassende Pyramide ließ man stehen und begann die Felswand im Hintergrund abzubrechen.

Im Buch „Würzburger Steinbrüche“ werden diese nummeriert. Beginnen wir mit der Karte 15, dem „Würtzburger-Markungs-Plan“ von 1775/77. Hier sehen wir den alten Rats-Steinbruch mit einer beeindruckenden 4-, wenn nicht sogar 6-stufigen Pyramide im Zustand ihrer beginnenden Zerstörung (heute bewaldet, an der Ebertsklinge zwischen Franz-Stadlmayer-Straße und Keesburgstraße). Deutlich zu unterscheiden ist die Felswand links und oben und deren Abbaustufen.






Die Karte 16 ebenfalls von 1775/77 stellt die Stufen im „Lammer-Steinbruch“ südlich des Hetzbühl dar (heute auf der Sieboldshöhe, Ecke Oberer Bogenweg - Zeppelinstraße). Eine Satellitenpyramide sieht man links oben.






Dasselbe Pyramiden-Ensemble auf der Karte 18, ebenfalls von 1775/77. Hier hat die Hauptpyramide 5 Stufen.






Der alte Rats- und der Lammer-Steinbruch zeigen wiederum, wie beim Heilbronner- und Schönauer Kloster-Steinbruch, dass ursprünglich ein einziges Monument den Steinbruch komplett ausfüllte und der Abbau im Rücken der Monumente an der bereits stehenden Felswand begann.

Steinbruch Nummer 6, der auf der Karte 37 „Positionsblätter“ von ca. 1865 abgebildet ist und als „Hexenbruch“ im Bohlleiten zwischen Höchberg und Würzburg-Stadt lokalisiert wird: Drei Bauwerke, eines deutlich gestuft.






Der Harrach-Plan von 1844 zeigt den Steinbruch Nr. 53, damals bei der Lindlein-Mühle, heute überbaut, zwischen B 19 und Frankenstraße: eine vierstufige Pyramide vor einer Felswand.






Auf der Karte 37 findet sich auch diese Darstellung des „Hexenbruchs“ (Nr. 4) auf der Ranken ebenfalls zwischen Höchberg und Würzburg.






Die meisten Nekropolen sind aufgrund ihrer Größte bildlich überhaupt nicht darstellbar. Sie liegen von Wald verborgen auf einem Abhang, so dass es für den Fotografen keine geeignete Position gibt, von der aus er die Anzahl der Cairns auf ein Bild bannen könnte. Auch Luftbilder sind in den meisten Fällen nicht möglich, da der Wald die Sicht versperrt.



Einige Felsnekropolen zwischen Rhein und Neckar

Von den Westhängen der Bauschlotter Hochebene bis zum Randgebirge des Oberrheintals sind diese Cairn-Felsnekropolen verbreitet.

Nahe bei Bruchsal auf dem Köpfle oberhalb von Untergrombach stehen 10 Langcairns in Reih und Glied vor einer hohen Felswand versammelt. Die Grabhügel bestehen zum Teil oder vielleicht auch gänzlich aus dem anstehenden Fels, sind aber zum großen Teil von Lehm bedeckt. Dort wo durch Arbeiten der Grundstücksbesitzer der Lehm entfernt wurde, kommen diese Felspartien zum Vorschein. Auch vor der Felswand türmt sich der Lehm bis über mehr als die halbe Höhe.

Grabhügel aus dem Fels heraus gehauen wären historisch gesehen auch kein Novum. Die Tumuli der etruskischen Nekropole von Cerveteri bestehen ebenfalls zum großen Teil aus dem anstehenden Gestein, aus vulkanischem Tuff. Lediglich die Hügelkuppen sind auch dort aus Lehm.


Als das Gelände der „Hochstatt“ unterhalb der 10 Langcairns noch baumfrei war, konnte man im Oberrheintal schon von weitem die repräsentativ liegenden Gräber oben am Berg sehen. In einen der Cairns wurde der kommunale Wasserhochbehälter eingebaut.



Große strukturelle Ähnlichkeiten hat die Untergrombach-Nekropole zur 3,5 ha großen Steinterrasse auf dem Zähringer Burgberg bei Freiburg. Dort wurden am Ostrand der Hügelkuppe parallel liegende Langcairn-ähnliche Gruben durch Auffüllung zu einer einzigen Fläche zusammengefasst. Da einige dieser Gruben immer noch nicht gefüllt sind, stellt sich die Frage, ob wir es hier mit einer Bestattungsform zu tun haben, die diese an Langcairns erinnernde Gruben in Erwartung zukünftiger Grablegungen errichtete.

Bei Grabungen (offenbar in den nicht gefüllten Gruben) konnten auf dem Felsgrund zwischen den „Steinriegeln“ Brandspuren der Hallstattzeit festgestellt werden. In den gefüllten Gruben hat man u. W. noch nicht nachgeschaut, also auch noch keine Gräber entdecken können. Mehr als 200.000 cbm Bruchgestein investierte man in eine Baumaßnahme, deren Monumentalität die Archäologen erstaunt, da deren Sinn bis heute – aufgrund unvollständiger Grabung - nicht verstanden wird.


Die monumentale „Steinterrasse“ auf dem Zähringer Burgberg, vmtl. 800 bis 400 v. Chr., zum Vergleich.


© Nestler, Plonner



Die Cairns sitzen in dem Areal, das durch die umgebenden Felswände beengt wird, dicht auch dicht. Nur schmale Gassen führen hindurch. Manchmal weitet sich der Weg zu einem offenen Platz. Als der Entdecker die Steingrube von Schmie als Felsnekropole erkannte, dachte er nicht im Traum daran, dass solche umfangreichen Felsfriedhöfe im Kraichgau alle 10 bis 20 km anzutreffen sind.

Die Cairnfassaden sind wohl deshalb relativ gut erhalten, weil die Privatbesitzer die Wege zwischen den Mauern ständig freihalten.


Die Cairn-Felsnekropole von Schmie-Maulbronn. Links auf dem Bild zu sehen Cairn 5 mit dem geöffneten Portal Dübbers II. Rechts im Bild der große Cairn V mit einem vmtl. verschütteten Portal auf der Ostseite. Das Portal „die Schmiede“ befindet sich auf dessen Rückseite.



Ein besonders erstaunliches Exemplar befindet sich nur rund 15 km Luftlinie südlich der Grombacher Nekropole unweit der alten Reichsstadt Durlach, heute zu Karlsruhe gehörig, im Gewann Dachsbau oder Judenbusch.

Auf beiden Seiten der Straße in die Bergdörfer rund um Grünwettersbach versammeln sich die großartigen Monumente in ihren „Steinbrüchen“. Ein großer Teil des westlichen Areals wurde nach dem Krieg als Mülldeponie zweckentfremdet. Auf älteren Karten sind noch die Umrisse der jetzt verschütteten Monumente zu erkennen. Ein Teil des östlichen Areals wurde mit Wohnhäusern überbaut. Die Felsnekropole gehörte ursprünglich zu den flächenmäßig größten.


Die Cairns der Dachsbau-Nekropole sitzen im östlichen Areal auf einem relativ steilen Hang.















Die erhalten gebliebenen Cairns im Westteil liegen direkt an der Straße und zeichnen sich durch ihre prägnanten Formen aus. Wenige der tagtäglich vorbeifahrenden Autofahrer haben sich wohl jemals Gedanken über diese gewaltigen Formationen gemacht.



Beim Anblick der Pyramide oben im Bild ist der Gedanke an Giseh naheliegend. Auch dort liegen die Steinbrüche unmittelbar neben den Monumenten (orange gezeichnet). Auch damals wurden die kürzesten Wege gesucht. Erst als die lokalen Steinbrüche erschöpft waren, mussten neue erschlossen werden.


© Franz Löhner, www.cheops-pyramide.ch



Gebel-el-Silisila, ein Steinbruch am Nil, 65 km nördlich von Assuan, wurde schon im Alten Reich ausgebeutet. Dort findet man die beschriebenen Felswände, wie in allen Steinbrüchen Altägyptens, aber auch eine Statue der Sphinx, die offenbar, wie bei den Pyramiden von Giseh, als Wächterin des Totenreichs fungierte, sowie Kapellen und Altäre, die dem Totenkult dienten.

Das Erstaunlichste aber ist: Hier finden wir dieselben sog. „Abraumhalden“, die Dr. Klemm als ordentlich gemauert und gefügt beschreibt, im Bild gelb markiert. Wir hätten es also auch hier nach vorherrschender Ansicht mit „ummauerten Abraumhalden“ zu tun. Bemerkenswert das zentral liegende Exemplar im Nordsteinbruch, das eindeutig gestuft ist. Die Form des Langcairns überwiegt, wobei deren ursprünglicher Umriss vmtl. durch Zerstörung und Anlagerung von echtem Abraum verunklart sein dürfte. Im orange gekennzeichneten Bereich des Nordsteinbruchs befindet sich der Felstempel des Haremhab.



© Rosemarie und Dietrich Klemm



Rechts neben dem Felstempel oder Speos des Haremhab im Uferbreich des Nordsteinbruchs erkennt man die wie aufgereihte Dünen oder Abraumhalden wirkenden Formationen vor der Felswand. Keiner hat sie bisher untersucht. Es könnten Cairns sein.


© Rosemarie und Dietrich Klemm



Die großen Cairn-Nekropolen Europas

Wenn deutsche Archäologen den Kopf schütteln angesichts der Tatsache, dass hier Cairns in Steinbrüchen zu ganzen Nekropolen zusammengefasst erscheinen, sei nur auf die Cairn-Nekropole von Bougon in der Bretagne verwiesen. Dort hat man es mit fünf großen Monumenten zu tun.



© J.E. Walkowitz, Wikipedia.org



Aufschlussreich, dass die Steinbrüche, die dem Bau der Cairns dienten, auch dort unmittelbar neben der Nekropole angelegt wurden, also auch dort schon die räumliche Nähe von Steinbruch und Cairn vorhanden ist.


Deutlich zu sehen auf der Zeichnung die Steingruben direkt neben den Cairns. Cairn C steht z. T. in der Grube, sozusagen ein Prototyp unserer Berg-Cairns.



Nicht nur in der Bretagne, auch bei uns im Norden Deutschlands kennt man die Lang- und Rundgräber, hier das Großsteingräberfeld von Everstorf in Mecklenburg-Vorpommern. In Norddeutschland jedoch ist es eher selten, dass der Baukörper eines Megalithgrabs noch vorhanden ist, da er meist aus Sand und Lehm bestand. Im Regelfall stehen nur noch die Einfassungen aus großen Hinkelsteinen, deren Herkunft aber nach Entdeckung der Felsnekropolen im Süden, auch aus deren Steinbrüchen stammen können.





Von der Norddeutschen Tiefebene südwärts wurde das Gelände zu gebirgig, die Täler waren noch zu morastig, um flach sich erstreckende Nekropolen anzulegen. Deshalb mussten zuerst plane Terrassen in die Hänge der Berge gebrochen werden. Was war da einfacher, gleich den Felsgrund zu nehmen, der durch das Ausbrechen der Bausteine automatisch entstand?

Auch die bis jetzt bekannten Megalithgräber Hessens, die sog. Galleriegräber oder Allee couverts entstanden nicht auf der Fläche, sondern wurden auf Hügelkuppen in den Untergrund getieft, die Fundamentgräben zur Aufnahme für die großen Randsteine z. T. in den Felsgrund gebrochen.


Das Steinkammergrab von Züschen



Somit sind die Galleriegräber wiederum Prototypen der Berg-Cairns, die sich offenbar nicht nur östlich von Karlsruhe, sondern wohl über den ganzen Süden Deutschlands erstrecken.



Die Banditacci-Nekropole bei Cerveteri

Dem Entdecker war lange selber nicht ganz geheuer, was er da entdeckt hatte. Große Monumente in Steinbrüchen versteckt, warum hätten unsere Vorfahren das machen sollen und nicht ebenso majestätisch die Pyramiden auf Bergkuppen bauen, damit sie jeder schon von weitem erkennen kann? Nun die Ansicht war schon sehr gut ausgewählt. Schließlich ragen die meisten Felsnekropolen am Rand hoher Berge empor.

Sollten nur in Süddeutschland derartige Nekropolen in „Steinbrüchen“ entstanden sein? Beim Studieren der Fachliteratur dann stieß er auf die Felsnekropolen der Etrusker: Crocifisso del Tufo, necropoli di Monterozzi, necropoli di Poggio Felceto, di Blera, etc. Insbesondere die necropoli di Banditaccia bei Cerveteri, etwa 80 km nördlich von Rom, zeigt große Ähnlichkeiten zu süddeutschen Felsnekropolen. Hier hat man wohl ein Pendant zu deutschen bzw. keltischen Steingrabhügelfeldern im Fels.

Zwar hat man es dabei nicht mit Sand- oder Kalkstein sondern mit Tuff zu tun, aber auch dort umschließt eine einzige durchgehende Felswand die ganze, etwa 1,2 km lange Nekropole zur Bergkuppe hin, während alle Grabhügel bzw. Tumuli auf einer ebenen Terrasse stehen. Die Hügel stehen ebenfalls dicht gedrängt, so dass nur ein schmaler Weg labyrinthartig hindurchführt. Der Eindruck, in einer bizarren Märchenwelt voller Riesenpilze gelandet zu sein, drängt sich wohl jedem Besucher auf.

Am rechten Bildrand ist die umgebende Felswand zu erkennen.


© RCS Libri & Grandi Opera



Die Tumuli sind generell aus dem weichen Tuffstein heraus gehauen, d. h. die Basis der Baukörper besteht immer aus gewachsenem Fels, während die oberen Partien aus Tuffsteinblöcken bestehen, die trocken vermauert sind. Die umgebende Felswand rechts ist nicht immer so hoch, wie unten zu sehen. Unsere Felswände dagegen können bis zu 30 m und höher sein.


Unsere Felswände dagegen können bis zu 30 m und höher sein.mmmm



In Cerveteri bot es sich an, die Gräber in den Fels hinein zu hauen. Man erreicht sie erst nach einem Abstieg über recht steile Treppen.




Die Cairn-Architektur war jedoch auch den Etruskern nicht fremd. In Populonia bauten sie in megalithischer Bauweise Grabhäuser, die man auch als Cairns bezeichnen könnte, da sie dieselben architektonischen Prinzipien aufweisen. In der Necropoli di San Cerbone kann man die typische Dolmenbauweise studieren. Eigentlich sind diese Megalith-Bauwerke eine chronologische Unmöglichkeit, da der Bau von Dolmen am Ende der Bronzezeit um etwa 1200 v. Chr. eingestellt worden sein soll, die etruskische Kultur aber der Eisenzeit angehört.

Etrusker haben die Trockenmauerarchitektur in Perfektion beherrscht, wie man sehen kann. Diese formschönen Bauwerke wurden völlig ohne Mörtel gebaut. Ihre hohen Stadtmauern aus riesigen Steinblöcken, die völlig unregelmäßige Formen haben, fügen sich so nahtlos aneinander wie die rätselhaften Mauern der Maya und Inka.






In Cerveteri zeigt sich im Gegensatz zu Populonia überall das Gepräge einer Felsnekropole. Wie spärlich gelegentlich gemauert wurde, kann man an einzelnen Tumuli beobachten.

Deutlich zu sehen auch die typischen Spitzmeißelspuren im Fels, die man nicht nur in ägyptischen Pyrmidensteinbrüchen, sondern auch in süddeutschen Cairn-Felsnekropolen beobachten kann.






Die Bauformen sind einheitlich entweder kreisrund oder lang rechteckig, ganz im Gegensatz zu Cairns, die meist keine rechten Winkel oder perfekte geometrische Form besitzen. Die geschwungene Linie dagegen ist öfter zu beobachten.




Dem wissenschaftlich orientierten Besucher wird bald klar, was auch in deutschen Felsnekropolen noch alles unter meterhohen Ablagerungen zu erwarten ist. Schließlich brauchten die Italiener drei Grabungskampagnen im Laufe von rund 200 Jahren, um ihr kulturelles Erbe in den heutigen rekonstruierten Zustand zu versetzen. Bei uns besteht die Gefahr, dass niemals nur ein Finger gerührt wird, um die eigene grandiose Vergangenheit aufzuklären.



Die Typologie der Berg-Cairns

Schon in dem relativ kleinen Gebiet südlich, nördlich und westlich des Strombergs im westlichen Württemberg gibt es bereits so viele in die Berge hinein gebaute Cairns, dass sich durch deren Vergleich architektonische Grundformen erkennen lassen.

Generell kann man in sehr große Einzel-Monumente und Felsnekropolen unterscheiden. Dabei ist die klare Definition nur eingeschränkt verwendbar, denn auch Einzel-Monumente besitzen wesentlich kleinere Satellitencairns unmittelbar um sich gruppiert. Die bedeutendsten Einzel-Monumente nach ihrer maximalen Ausdehnung sortiert, sind die Paradies-Pyramide von Heilbronn (ca. 470 m), der Bärenstein bei Horn/Bad-Meinberg (ca. 440 m), die Kruschhälde bei Sulzfeld (ca. 300 m) und die Zwerchhälde bei Sternenfels (ca. 250 m).

Die Felsnekropolen zeigen meist auch ein großes zentrales Monument, um das sich die kleineren in mehr oder wenig geringer Anzahl formieren. Einzel-Monumente und Felsnekropolen aber weisen wiederum differenzierte Charakteristiken auf.

Da die Berg-Cairns prinzipiell auf dem bzw. im Hang eines Berges oder Hügels stehen, und zwar immer am Rand der Berg- oder Hügelkuppe, lassen sie sich durch die Form des Baugrunds unterscheiden. Grundsätzlich ist dies der Fels, der eine durchgängig plane und dann meist große Ebene sein kann, oder aber in verschieden hohen Felsterrassen angelegt ist.

Monumente können also frei und von allen Seiten sichtbar auf einer breit in den Fels hinein gehauenen Ebene stehen: Terrassierte Felsnekropole oder terrassiertes Einzel-Monument.

Sie können aber auch halb in den Berg hinein versenkt sein. Im letzten Fall bildet die Kuppe des Cairns eine meist lange und schmale künstliche Fläche, die von einer höher liegenden Terrasse des Areals begehbar ist: Versenkter Lang-Cairn.

Die Felsterrassen mit darauf gebauten Bauwerken können lediglich ein bis drei Stufen bilden, wobei man von Terrassen-Monumenten sprechen muss.

Sie können aber auch mehr als drei, im Einzelfall so viele Stufen haben, dass der Terminus Hangpyramide angebracht ist.

Der Einzelfall der Hangpyramide ist der Versuch, den Standort des oder der Cairns auf der höchsten Terrasse gleich unterhalb der Bergkuppe mit dem Talgrund zu verbinden. Dabei wurde auch eine Sonderform, die Hangbastion entwickelt. Hier reicht eine einzige große, steile und ausgesprochen hohe Stufe von Baugrund bis zum Tal hinab.

Insgesamt ergibt eine erste Kategorisierung sechs unterschiedliche Bauformen, die definiert werden können. Dabei lassen sich auch im begrenzten Umfang Mischformen feststellen.



1. Die terrassierte Felsnekropole

Der Archetyp ist die etruskische Banditacci-Nekropole bei Cerveteri, obwohl die zeitliche Aufeinanderfolge noch nicht geklärt ist. Banditacci ist die besterforschte und rekonstruierte Nekropole dieser Art. In Italien spricht man von Tumulus statt Cairn. Auch Teile der französischen Archäologie bevorzugen diesen Terminus, um die hochkulturelle Bedeutung dieser Grabgattung herauszustellen.

Bei dieser Bauform versammeln sich eine mehr oder weniger große Zahl von Einzelbauwerken zu Ensembles auf einer einzigen planen Felsebene, die in den Hang eines Berges hinein gebrochen wurde.





Prägnanteste Exemplare in Deutschland sind die Nekropole auf dem Marsburg bei Randersacker/Würzburg, die Steingrube bei Schmie/Maulbronn, die Lang-Cairn-Nekropole auf dem Köpfle bei Untergrombach/Bruchsal, die Kupferhälde auf dem Horn bei Oberderdingen und mit Einschränkungen der o. a. Dachsbau im Judenbusch bei Karlsruhe-Durlach, da sich die Cairns und auch die Wege dazwischen einen Hang hoch erstrecken, also auf Felsterrassen stehen müssen.







Ein Sondertypus der einterrassigen Felsnekropole ist die eingeebnete Nekropole, die ursprünglich aus einem Ensemble aneinander gereihter Lang-Cairns bestand, bei denen die Wege und Zwischenräume zwischen den Cairns mit Bruchsteinen aufgefüllt wurden, um oberflächlich eine gemeinsame Ebene zu bilden. Hier zu nennen wäre die o. a. Steinterrasse auf dem Zähringer Burgberg und die nivellierte Nekropole auf der Heustatt bei Königsbach-Stein.


2. Der versenkte Lang-Cairn

Hier handelt es sich um einen sehr großen Lang-Cairn, der zu einem Teil auf dem Hang steht, zum anderen in diesen Hang hinein gebaut ist. Zu nennen wäre der Lang-Cairn der Sommerhälde bei Kürnbach, Cairn 2 der Rohrhälde bei Kürnbach, der Lang-Cairn im Buchenbuckel-Steinbruch bei Sulzfeld, ein besonders monumentales Exemplar, das sich zudem durch eine landschaftsdominierende Position hoch auf dem hohen Berg auszeichnet. Die extrem hohe Gebäudestufe ist schon von der Wald-Straße her gut sichtbar. Alle drei Monumente liegen auf Bergen, die sich als Höhenzug über das flachere Land im Westen erheben, und immer nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Hinzugekommen ist der 2009 entdeckte Lang-Cairn in den Buschwiesen bei Schmie/Maulbronn, der auf relativ ebenem Land in den Boden hinein gesprengt wurde und auf 3 Seiten von Felswänden umgeben ist. Hier werden noch weitere Cairns vermutet. Das Areal zu Füßen des Hamberg-Eichelberg-Höhenzugs, unweit der Steingrube von Schmie, muss eine besondere Bedeutung gehabt haben. Denn die Bergkette wirkt durch ihre hoch aufragende Wellenform wie der Schwanz eines Drachen. Außerdem verläuft sie exakt auf dem 49. Breitengrad, eine besonders bedeutende Zahl, da sie das Multiplikat aus der Glückszahl 7 x 7 ist.

Unten zu sehen ist die zeichnerische Darstellung des Cairn 2 der Rohrhälde von Kürnbach.






3. Das dreigestufte Monument

Dabei geht es um durchweg flächenmäßig sehr große Bauwerke, die aus nur drei Stufen bestehen, wobei die höchste grundsätzlich auf der Hangseite errichtet wurde. Die beiden deutlich niedrigeren Stufen im Steinbruchbereich lassen sich nur durch eine geringfügige Höhendifferenz von 1 – 2 m unterscheiden. Absicht war es also, das Bauwerk optisch aus dem Steinbruch hervortreten zu lassen.

Wir kennen als prominenten Vertreter außer der Zwerchhälde von Sternenfels (siehe dort), die „grüne Pyramide“ im Jägerspitz bei Sulzfeld, auch Kruschhälde genannt (genaueres unter Cairn-Vorkommen), und das Monument auf dem Ölmühlenkopf in der Sommerhälde bei Oberderdingen. Hangseits liegende Mauern der beiden letztgenannten Monumente wurden durch Wallformationen bzw. Hügelbauten und stehen gelassenen Felswände visuell gegen das Tal hin abgegrenzt und könnten deshalb die noch verschütteten Portale verbergen.




4. Das Terrassen-Monument

Dabei handelt es sich um ein kohärentes Monument, das sich in verschiedene Stufen gliedert und auch Satelliten-Hügel besitzen kann.

Ein Monument, das sich über drei Terrassen erstreckt ist die Brand- oder Reichshälde von Knittlingen. Hier sind die mittlere und obere Stufe in terrassierten Steinbrüchen versenkt. Die erste Stufe hingegen ragt hoch aus der Ebene empor, auf welcher der Ort Knittlingen liegt. Die oberste Terrasse ist mit der Bergkuppe identisch.

Das zuerst entdeckte und gut erforschte Monument ist die Zwerchhälde von Sternenfels. Hier sind drei deutlich in der Höhe zu unterscheidende Stufenbauwerke feststellbar, die durch einen hohen Wall zur Straße hin abgegrenzt werden:

Die Hauptpyramide als höchstes Bauwerk dominiert die obere Stufe und ist ebenfalls eine Stufenpyramide, deren Stufen zum Tal hin höher werden.




Die Zwischenstufe, die über eine schräge Rampe im Wall und durch ein Tor im Fels betreten wird, trägt einen großen Cairn, dessen Höhe jetzt so weit abgetragen ist, dass eine L-förmige Kammer offen liegt. Er wird zum Hang hin von einer langen und breiten Felsmauer abgeschirmt. Diese Felsmauer ist talseits mit Bruchsteinen verstärkt.




Die untere Stufe sitzt auf dem Hang. Ein schmaler Weg führt in etwa halber Höhe vom Tor der Zwischenstufe zu deren Ende. Ob von diesem Weg evtl. zugemauerte Portale erreicht werden konnten ist die Frage. Vermutlich muss man dieses Bauwerk lediglich als Bastion verstehen.




5. Die Hangbastion

Auch bei dieser Sonderform einer Hangpyramide geht es um die Gestaltung der Hangseite, aber nicht eines, sondern mehrerer bis zahlreicher Monumente. Bei diesen Bauten ist nur bekannt, dass der Hang unterhalb einer Felsnekropole komplett von oben, wo die Cairns stehen, bis unten im Talgrund komplett aufgemauert ist, wobei diese Mauern auf den zuvor künstlich terrassierten Hügelhang aufgesetzt wurden. Das beeindruckendste Beispiel ist die Steingrube oder Sommerhälde von Schmie/Maulbronn. Hier zieht sich die Bastion über nahezu 700 m hin.




Wie viele Stufen sich unter den heute steil aufragenden Böschungen verbergen ist nur an den Enden zu erkennen, wo der künstliche Hangbau (hinter den Bäumen versteckt) auf den terrassierten Naturhang trifft. Es wurden drei Hangerrassen festgestellt, wobei die dritte unterhalb der Hügelkuppe als Plattform für die Cairns dient. Ein ähnlich gestuftes Bild bietet sich auch am nördlichen Ende, jedoch weitgehend von Bäumen bewachsen.




Dass einige Baustufen sich unter den Böschungen aus Erosionsschutt und Lehm verbergen müssen, zeigt ein noch stehender Mauerzug ganz oben auf einem Hang aus heruntergefallenen Mauersteinen.






Vermutlich sind diese Konstruktionen innen ähnlich aufgebaut, wie die Hangseite des künstlichen Plateaus auf dem Zähringer Burgberg, das 1985 von H. Steuer umfangreich ausgegraben und erforscht wurde. Dabei orientierte man sich bei der Datierung in die Alemannenzeit an entsprechenden Siedlungsresten auf den Steinlagen, obwohl darunter Spuren aus der Hallstattzeit gefunden wurden. Wie man sieht, kam bei der Konstruktion, die nicht nur, wie hier zu sehen, zwei Stufen ermöglicht, die altbewährte Holzbautechnik der Kelten zum Zug, die auch beim Bau des murus Gallicus Anwendung fand.


Die 6 – 10 m hohe Hangseite des Zähringer Burgbergs im Querschnitt (Zeichnung von R. Plonner).



6. Die Hangpyramide

Hier handelt es sich um eine Sonderform des Terrassen-Monuments. Die Stufen sind hier prägnanter und auch weniger breit. Es gibt welche mit 3, 5 oder sogar 10 Stufen. In diesem Fall kann man von einer Treppe oder Himmelsleiter sprechen.

Bis jetzt ist dem Autor nur ein Bauwerk dieser Gattung bekannt, die 10-stufige Hangpyramide der Sommerhälde von Kürnbach (siehe gleichnamigen Artikel unter „Cairn-Vorkommen“).

Als dreistufige Hangpyramide anzusprechen ist auch die Kruschhälde von Sulzfeld, da deren Talseite diese drei hohen Stufen aufweist. Die höchste Stufe ist wiederum bergseits in drei weniger hohe Stufen oder Terrassen gegliedert.

Eine dreistufige Pyramide auf dem Hang oberhalb des Schluchsees wurde uns von Holger Kalweit, Lenzkrich gezeigt. Sie besteht aus Schwarzwald-typischen mächtigen Felsbrocken, die ohne Mörtel aufeinander gesetzt wurden.

Eine fünfstufige Hangpyramide in unmittelbarer Nähe der Heimatgemeinde des Autors ist der Heiligenberg zwischen Weingarten und Walzbachtal-Jöhlingen, dessen Stufen allerdings nicht aus Steinen gemauert, sondern in Lehm gegraben sind. Die höchste Stufe wird durch ein Langgrab gebildet, das unmittelbar an der Kante der Hügelkuppe errichtet wurde.

Das beeindruckendste Monument allerdings ist der unschlagbare Bärenstein bei Horn-Bad-Meinberg. Das Bauwerk bildet fünf deutliche und hohe Stufen aus, wobei das höchste wiederum durch eine Lang-Cairn-artige Formation gebildet wird. Von der Basis bis zur Kuppe werden mehr als 30 m Höhendifferenz überwunden. Das etwa 440 m lange Bauwerk steht zum größeren Teil gegenüber einer senkrechten Felswand. Diese Seite des Bauwerks ist besonders hoch und steil. Ein schmaler Weg führt auf etwa halber Höhe der Böschung und endet abrupt unterhalb der sog. Elfenwiese. Evtl. verbirgt sich hier noch ein zugemauertes Portal unter reichlich Verschüttung. Früher gab es noch die Hinweise auf eingestürzte Hohlräume unter der Elfenwiese. Diese Krater wurden jedoch verfüllt, die Wiese eingeebnet.

Die Externsteine bilden also mit der Rückwand des Bärenstein-Monuments eine gerade Linie. Der Gedanke, dass sowohl die Felswand des Bärenstein als auch der Externstein zur selben Zeit aus dem Fels gebrochen wurden, liegt nahe. Vor allem, da diese Linie einen Extrempunkt der Sonnenbahn im Jahreszyklus markiert, nämlich den Sonnenuntergang zur Mittsommernacht, dem längsten Tag des Jahres (21. Juni). Folglich ist der Externstein aus einer Steinbruchwand hervorgegangen und nicht das Produkt eines eiszeitlichen Gletschers, wie heute noch geglaubt wird. Ein Gletscher hätte keine senkrechte Felswand ausgehobelt, sondern eine konkave Wölbung im Berghang hinterlassen.

Der Bärenstein ist einer der größten Cairns Deutschlands, längenmäßig (440 m) vmtl. der weltgrößte.




Zuletzt geändert: 01.10.2009, 19:15:26