Cairns (Stufenpyramiden)



Wussten Sie, dass im Alten Ägypten innerhalb eines Jahrhunderts etwa 100 Pyramiden gebaut wurden? Wir kennen davon hauptsächlich die drei relativ gut erhaltenen Königspyramiden von Giseh, einige kleinere, die hier und da herumstehen, sowie die Stufenpyramiden von Saqqara.

Was aber ist mit dem großen Rest geschehen? Tatsächlich fielen die meisten profanem Steinbruchbetrieb zum Opfer, sie wurden bis Ende des 19. Jahrhunderts abgetragen und zum Hausbau im Stadtgebiet von Kairo verwendet. Prächtige Pyramiden sind heute nur noch kümmerliche Stümpfe, die Archäologen unter dem Wüstensand hervor kratzen durften. Selbst die große Cheopspyramide musste darunter leiden, fast alle glatten Fassadenblöcke wurden heraus gebrochen und weggeschafft.

Und nun stellen Sie sich diese Situation hier in Süddeutschland bzw. dem Gebiet der deutschen Mittelgebirge vor. Auch hier standen einst prächtige Monumente von ungeheurer Größe, manche gebaut aus tonnenschweren Kalksteinblöcken mit z. T. mehr als zwei Metern Kantenlänge. Tiefe Gänge führten (und führen noch immer) in das Innere der Grabpyramiden, die größtenteils die Form kanarischer Stufenpyramiden oder lang gezogener Grabhäuser, ähnlich den Longbarrows und Langcairns Nordwest-Europas, hatten, nur um vieles länger und höher.

Auch hier wurden die wundervollen Stufenpyramiden durch Steinbrucharbeiter bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zerstört. Eine schon versunkene Hochkultur erlosch fast gänzlich. Die Ruinen sind noch da, doch die staatliche Archäologie will sie (noch) nicht erkennen, so wie ungezählte Generationen zuvor Menschen nicht in der Lage waren, zu sehen, was da wie Adlernester in den Flanken hoher Berge verborgen lag und liegt. Ruinen haben´s eh nicht leicht. Man räumt sie weg und baut was besseres hin. Und wo das nicht geht, macht die Natur sich breit und verbirgt alles unter ihrem grünen Schleier. Wir können froh sein, dass die restlose Vernichtung nicht stattfand. Was noch da ist, ragt weiterhin gewaltig empor. Die Ausmaße der Bauwerke machen einen fassungslos. Hier wurde in hochkultureller Qualität gearbeitet, Unzerstörbares geschaffen, und das hier in Deutschland.

Tja, und da leben wir immer noch in unserem Irrglauben, die Vorfahren der Deutschen waren Barbaren, die im Bärenfell Wildschweine jagten und nichts als Krieg im Kopf hatten. Wer hat uns diesen Blödsinn nur erzählt? Und wieso glaubt man überhaupt diesen wenigen antiken Autoren, die man an einer Hand abzählen kann und die so gar nichts wussten über die Menschen und Völker, die sie als ihre Feinde betrachteten und daher darstellten, als wären es die schlimmsten Dummköpfe der Menschheit?



Die Hälden: Abraumhalden oder Cairns und Stufenpyramiden?

Es gibt eine Vielzahl dieser eigenartigen Hügel in alten Steinbrüchen, Bauwerke aus trocken gesetztem Mauerwerk, das manchmal mit Lehm verbunden ist, die eine außerordentliche Höhe und Umfang erreichen können und sich zu großen Ensembles gruppieren. Wir kennen inzwischen derart viele, dass es uns schwer fällt, die genaue Zahl zu sagen.

Wir finden häufig den Begriff Hälde, Helde oder Halde als Flurnamen der Fundorte. Das Wort entstammt nach der Etymologie der Sprachwissenschaftler Grimm aus der alemannischen Sprache, also aus einer Zeit vor dem 5. Jh. n. Chr. Das gibt zu der Vermutung Anlass, dass das heute profane Wort Halde im Sinne von Abraumhalde ursprünglich auf diese steinernen Grabhügel zurückgeht und ursprünglich sakralen Charakter hatte. Da die germanische Göttin Holda oder Hel die Hüterin des Totenreiches war, bieten sich hier nahe liegend die logischen Assoziationen. So wie man in Skandinavien die dortigen Cairns als Roers bezeichnet, bietet es sich an, unsere Cairns mit dem deutschen Wort „Hälden“ zu benennen.

Im Quellgebiet der Kraich und damit im Zentrum des Kraichgaus findet man eine große Zahl von Hälden in den Fluren und immer den entsprechenden „Steinbruch“ mit den großen Halden bzw. Bauwerken darin. Anzunehmen, dass wir mit diesem Wort die bislang ungeklärte sprachliche Wurzel unserer Heldengräber gefunden haben, Helden einer Zeit, die wir kaum noch nachempfinden können.

Nach Ansicht meinungsführender Archäologen Baden-Württembergs soll es sich bei Hälden um Abraumhalden handeln, und zwar um ummauerte.

Unten zu sehen die tatsächliche Abraumhalde eines Industriesteinbruchs, des Natursteinwerks in Mühlbach/Baden. Der Schutt wird, wie das Wort schon sagt, von oben drauf geschüttet, wodurch die Halde kontinuierlich wächst, sowohl in die Höhe als auch in die Breite. Jedem denkenden Menschen muss auffallen, dass eine Ummauerung dem Wachstum einer Abraumhalde hinderlich ist. Es gibt wohl auch keinen Menschen, der aus seinem Erfahrungsschatz sagen könnte, dass er jemals eine ummauerte Abraumhalde eines Bergwerks oder einer anderen Industrieanlage gesehen hätte.




Doch diese merkwürdigen „Halden“ existieren. Oft findet man sie in Fluren, die als Hälde bezeichnet werden, meist verborgen im Wald, und immer inmitten eines Steinbruchs. Dort nun schauen die Mauerzüge oft wie zufällig unter dem Humus und der Vegetation hervor.




Gräbt man nun unter den oberflächlich herab gestürzten und wie hingeschüttet wirkenden Mauersteinen nach, kommt mustergültiges Mauerwerk zutage, trocken gesetzte Bausteine und Steinplatten, oft mehrere Meter hoch. Größere Partien sind nicht freizulegen, da immer irgendwo ein Baum mit seinem Wurzelwerk im Wege steht, wie hier auf der Zwerchhälde von Sternenfels, und die Forstbehörde das Fällen untersagt.




Jedem denkenden Menschen muss schon das Volumen dieser „Halden“, die durchweg fast den ganzen Innenraum der alten Steinbrüche ausfüllen, zu denken geben. Wieso soll beim Steinebrechen überhaupt dermaßen viel Abraum entstehen? Die Deckschicht eines entstehenden Steinbruchs, der sog. Abraum, ist meist nicht besonders mächtig. Wenn hier mehr als ein Meter abgetragen werden muss, wurde die falsche Stelle zum Abbau ausgesucht. Die gesteinsführenden Schichten der Steinbrüche aber reichen mehrheitlich über 10 Meter; 20 und 30 Meter werden auch erreicht. Der tatsächliche Abraum kann also niemals mehr als 10 % des ausgebrochenen Volumens betragen und bewegt sich meist darunter im Bereich zwischen 1 % und 5 %.

Das Volumen der Hügel in den von uns erforschten „Steinbrüchen“ dagegen nimmt durchgehend mehr als die Hälfte des Rauminhalts ein, im Durchschnitt geschätzt etwa 70 - 80 %. Im Fall der Zwerchhälde von Sternenfels meinte der ehrenamtliche Mitarbeiter des Landesdenkmalamt Gerd Helbig, Heidelsheim sogar, dass hier zusätzliches Baumaterial von außen eingebracht worden sein müsse. Schließlich übersteigt das zentrale Bauwerk mit seiner Höhe von 20 m die Steinbruchwand um etwa 2 – 3 Meter im hinteren Bereich. Während der natürliche Geländehang immer tiefer wird, behält das Bauwerk seine Höhe und ragt zur Straße hin aus dem „Steinbruch“ weit hervor.

Was berechtigt zu der Annahme, dass wir es tatsächlich mit prähistorischer Architektur, mit Cairns zu tun haben und nicht – wie die Staatsarchäologen und mache ihrer Helfer defensiv behaupten – um ummauerte Abraumhalden?


Cairns stehen im allgemeinen auf freier Ebene, so wie hier der Stoney Littleton Somerset Cairn in Großbritannien. Cairn ist in der englischen Sprache der Ausdruck für Steinhaufen, Indiz dafür, dass auch dort die ursprüngliche Bedeutung schon vergessen war.



Erst einmal gibt es keinen Hinweis aus der Montan-Archäologie, dass jemals Schutthalden ummauert worden seien. Der gesunde Menschenverstand schließt dieses Gedankenspiel von vornherein aus. Wozu soll jemand eine Mauer um aufgeschütteten Abraum ziehen, wenn diese Halde doch dazu bestimmt ist, ständig höher geschüttet zu werden? Der neue Schutt würde doch die Mauer allmählich unter sich begraben.

Welche Funktion sollte eine Mauer um einen Schuttberg überhaupt haben? Möglich wäre der Schutz vor abrutschendem Geröll. Diese Schutzfunktion kann ich auch erreichen, indem ich den aufgegebenen Steinbruch insgesamt schließe und den Eingang für evtl. gefährdete Menschen durch Schüttgut blockiere. Praktisch denkende Menschen auf dem Land verfahren im allgemeinen auf diese Weise. Doch die vorhandenen Mauern schützen in Wirklichkeit gar nicht.



Erste Ergebnisse der Grabungen an der Zwerchhälde Sternenfels

An der Zwerchhälde von Sternenfels fanden jahrelange Grabungen statt. Die vorhandene Mauer dort musste erst unter dem Erosionsschutt unbestimmter Zeit hervor gegraben werden. Während diese Mauer kaum mehr als 1 – 2 Meter Höhe erreicht, und dies auch nur stellenweise, türmt sich der ganze künstliche Berg dahinter über nahezu 20 Meter Höhe. Kann solch ein Mäuerchen effektiv schützen?


Die Zwerchhälde von Sternenfels, ein gigantisches Bauwerk. Die annähernd rechteckige Hauptpyramide mit einer Höhe von ~20 m, einer Länge von ~80 m und der Breite von ~60 m, vollständig von Wald bedeckt und in einem Steinbruch stehend; hier nur ein Teil des Bauwerks erfasst.


Die frei gegrabene Basismauer der Zwerchhälde mit der rund gemauerten Südost-Ecke links im Bild. Die nicht im Bild zu sehende Nordost- und die Nordwest-Ecke lehnen sich an die Felswand an. Wir wissen nicht, wie tief die Mauern reichen. Eine Grabung mit dem Bagger vor einer felswand konnte nach etwa 2 m noch keinen Felsgrund erreichen (hier nicht im Bild). Dementsprechend tief müssen die Mauern noch erhalten sein



Deutsche Pyramiden kann man im Vergleich zu britischen und bretonischen Cairns als Megalith-Pyramiden bezeichnen, allerdings, und davon kann sich jeder vor Ort selbst überzeugen, die größten jemals gefundenen Cairns überhaupt, vmtl. die größten der Welt!

Sie sind beileibe nicht so formschön wie die Königspyramiden von Giseh und erreichen auch bei weitem nicht deren Höhe. Ihre Formen gehorchen nicht der Linearität stringenter Geometrie, aber das, was an stark geplünderten Ruinen sich noch massenhaft über die Hangterrassen deutscher Hügel und Berge ausbreitet, sind Baukörper von unbekannter Wucht und Monumentalität, nur von völlig Ahnungslosen als (ungeheuer überdimensionierte) Abraumhalden verkannt.

Im Verlauf der Grabungen an der Zwerchhälde stürzte ein auf dem Hang stehender ausgewachsener Baum herab. Dessen Wurzelwerk war im Erosionsschutt verankert, der sich auf einer der Bauwerksstufen gebildet hatte. Beim Sturz kam die dahinter liegende Stufenmauer zum Vorschein. Die spärlich erhaltene Basismauer konnte diesen Sturz also nicht verhindern. Trotzdem ist man erstaunt, dass das ganze außergewöhnlich steile Bauwerk (~55º) in sich derart stabil ist und außer dem oberflächlich liegenden Erosionsschutt nichts in Bewegung kommt. Eine derart große, unbefestigte Schutthalde wäre schon längst, bei den zahlreichen Regengüssen im Laufe der Jahre, in sich zusammen gesackt. Die Stabilität dieses außergewöhnlichen Bauwerks aber müsste doch Bauhistoriker und Archäologen in besonderem Maße interessieren. Ist womöglich die ganze Halde durch und durch gemauert und deshalb vor Einsturz geschützt?


Deutlich zu sehen sind unten die Basismauer, darüber die Mauer der zweiten Stufe im derzeitigen Erhaltungszustand. Diese befindet sich etwa 3 - 4 m hinter der Basis. Wie man erkennt, besteht auch der Bereich dazwischen aus demselben trocken gesetzten Mauerwerk, das auf dem Bild noch großteils mit Erosionsschutt und Humus bedeckt ist. Die Arbeit auf dem steilen Hang ist extrem schwierig. Einmal freigelegte Teile werden von oben mit nachrutschendem Schutt wieder bedeckt.

Es müsste, wie Gerd Helbig, ehrenamtlicher Mitarbeiter des LDA, forderte, endlich eine vollständige Schneise von oben bis unten freigelegt werden, wozu auch das Fällen der Bäume gehört. Doch dazu fehlen uns bisher die Genehmigungen.



Die freigelegten Strebemauern der Zwerchhälde – Indikator für Cairn-Architektur

Wie die Ausgrabungen an der Zwerchhälde von Sternenfels beweisen, haben wir es nicht mit äußeren Mauern zu tun, welche Schutt und Schüttgut dahinter aufzufangen hätte. Das Mauerwerk ist solide und setzt sich im bis jetzt feststellbaren Bereich horizontal über mehr als 3 m tief fort. Bei weiteren Grabungen kamen die typischen Strebemauern der Cairn-Architektur zum Vorschein.


Die Strebemauern der Cairn-Architektur werden aus hintereinander gesetzten Trockenmauern gebildet. Dieses Kriterium erfüllen die freigelegten Mauern der Zwerchhälde zu 100 %, wie hier im Bild zu sehen ist ein Teil der Ostwand des Cairns.

Die vordere Mauer der Fassade ist hier zum Teil schon eingestürzt, während die hintere immer noch intakt und solide sich über mehr als 5 m Höhe erstreckt. Dass sie nach oben zurückweicht ist wohl der Grund für ihre Stabilität.

Im Bild rechts oben ist deutlich zu sehen, wie hier abrupt ein vorn angesetzter Mauerzug beginnt. Das Rätsel führte zu folgendem Lösungsvorschlag: Die Mauer wurde errichtet, um noch verschlossene Portale zu schützen.

Auch bei der Grabung an der runden Südost-Ecke kam ein vorgebauter Mauerzug zum Vorschein. Hier hängt das frei gelegte Mauerwerk schon bedrohlich über, Resultat des Baumbewuchses und des zerstörerisch wirkenden Wurzelwerks.

In Oberderdingen brachten die Grabungen in der dortigen Sommerhälde auf dem Ölmühlenkopf die typisch hintereinander gestaffelten Mauerzüge zutage.

Auch in der Steingrube in Schmie zeigt der Cairn No. 5 exemplarisch, wie Mauer auf Mauer folgt, alle trocken gesetzt. Deren ursprüngliche Höhe dürfte auch nicht mehr annähernd vorhanden sein. Schließlich war es für alle überaus einfach, sich an den trocken gesetzten Bausteinen zu bedienen und damit die Mauern abzutragen.




Die Architektur der Hälden

Bei den Ausgrabungen und Erkundungen kamen also immer wieder zwiebelschalenartig gesetzte Mauerzüge zum Vorschein. Diese konzentrisch verlaufenden Mauern aber sind typisch für den Aufbau von Cairns. Die Rekonstruktion des Cairns von Barnenez brachte dies zum Vorschein.


Das Bauprinzip europäischer Cairns ist am Cairn von Barnenez am besten zu erkennen. Jede Mauer bildet zugleich eine Stufe dieser rustikalen Stufenpyramiden. Auch dieser Cairn wurde als Steinbruch missbraucht und große Teile abgetragen.



Die Cairns Frankreichs wurden oftmals als Stufenpyramiden rekonstruiert.


Der Cairn von Barnenez in der Bretagne nahe der Stadt Morlaix. Das links unten zu sehende Loch im Cairn entstand durch die Plünderungen.























Cairn F der Nekropole von Bougon in der Bretagne.























Der Cairn von Mousseaux.




Ein Unikat der archäologischen Forschung ist die Pyramide von Groß Gerungs im Waldviertel/Österreich. Die Archäologie zweifelt, dass es sich dabei um eine germanische Kultstätte oder eine prähistorisches Grabmal handelt, da keine Besiedlung im Umfeld festgestellt werden konnte.

Rupert Leutgeb (http://www.mystomania.co.at/news.htm) etwa schreibt in seinem Buch "mystische Stätten des Waldviertels" - Edition Nordwald:

"Die Größe, das Volumen (ca.230m³) und die Höhe der Kreisringe die nicht spiralförmig verbunden, sondern in sich geschlossen sind, sprechen für kultisch - rituellen Hintergrund"
Da die einzelnen Ringe eine Höhe von ca. 1,2 m aufweisen kann auch ausgeschlossen werden, dass die Pyramide zur Begehung (Aussichtspunkt) errichtet wurde.



Schon in den 30er Jahren des 20. Jhs. ausgegraben und rekonstruiert, könnte sie beanspruchen, der erste Cairn zu sein, der in Europa rekonstruiert wurde, wenn eine Grabkammer entdeckt worden wäre, doch ist darüber nichts bekannt. Heute steht sie im Zweifel politisch korrekter Zeitgenossen. Wurde damals wirklich objektiv geforscht oder doch dem nationalistischen Geist der Zeit entsprechend eine Chimäre geschaffen? Doch sicher haben die damals wie heute dem Ethos der Wissenschaft verpflichteten Altertumskundler die Stufen nicht erfunden.


Das Monument hat eine Höhe von etwa 6 m und ein Durchmesser von 17,5 m.



Es bleibt aber zu klären, ob die Stufenkonstruktion dem Bauprinzip europäischer Cairn-Architektur entspricht, d. h. Stufenmauern sind. Leider waren die von der Gemeinde beauftragten Billiganbieter nicht in der Lage, die Pyramide sachgerecht zu restaurieren. Als deshalb im Frühsommer 2006 eine Seite einstürzte, war die Gelegenheit, den Schutt zu beseitigen und festzustellen, wie der innere Aufbau beschaffen ist und ob es sich tatsächlich um eine Kelten-Pyramide handelt. Ein Foto, das auf www.steiniges.net zu finden ist, zeigt aber schon deutliche Anzeichen für konzentrisch gesetzte Mauerzüge, z. B. links die 3. Stufe und rechts die 2.





Das Unvermögen, die Stufenpyramide sachgerecht zu sanieren, verdeutlicht, wie kunstfertig in der Frühzeit der Zivilisation die Trockenmauerarchitektur beherrscht wurde. Dieses Geschick lässt man heute vermissen, da die Bauprinzipien vergessen wurden. Keiner kann heute mehr die Bruchsteine derart verzahnt in das Mauerwerk setzen, dass sie von den anderen Steinen in der Position gehalten werden. Man hat vergessen, dass die Mauerlagen nach oben zurückweichen müssen, um den Druck nach innen zu verlagern, damit eine stabile Statik erzeugt wird. Das Gefühl, welche Steingröße im Mauerverbund die jeweils richtige ist, ging verloren.

Unter http://www.bmbwk.gv.at/medienpool/5993/kb00_bda.pdf brachte das Bundesdenkmalamt Österreich einen Bericht über die Sanierung der Pyramide, der jetzt aber nicht mehr aufrufbar ist.

Diese Trockenmauerarchitektur aus hintereinander gesetzten Mauerzügen ist bei den Cairns der Jungsteinzeit eine prinzipielle Konstruktionsweise.


Die zahlreichen Strebemauern des Cairn von Barnenez, Finistere im Querschnitt.























Der Cairn von Ile Long, Morbihan, Larmor-Baden mit einer Kragkuppelkammer und Stufen aus konzentrisch gesetzten Mauern.





Auch bei den Pyramiden und Stufenpyramiden Ägyptens sind die Strebemauern nachgewiesen worden.


Strebemauern der Pyramide des Djoser in Sakkara, mit der ersten erweiterten Stufenpyramide.

Der Aufbau der Cheopspyramide,

der Pyramide des Sahure.



Deutsche Stufenpyramiden

Im Vergleich zu den geometrisch perfekten Bauwerken der Ägypter sind unsere Stufenpyramiden völlig anders konzipiert. Sie erscheinen flächenmäßig sehr groß, in der Höhe dagegen im Vergleich niedrig. Aber das hängt von der Position des Betrachters ab. Da sie oben auf Bergen stehen, waren sie von unten vom Tal als sehr groß und herausragend zu sehen. Es ist auch tatsächlich so, dass die Höhe im Steinbruchbereich nicht immer sonderlich groß ist, dagegen im Hangbereich hoch aufragende und repräsentative Stufen zu sehen sind. Es wurde also tatsächlich für die Leute im Tal gebaut, um diese zu beeindrucken.

Ein schönes Beispiel ist die Sulzfelder Kruschhälde, auch grüne Pyramide genannt. Grün ist sie allerdings auch nur im Frühjahr, wenn der Bärlauch sprießt. Da es für den Fotografen recht schwierig ist, das ganze Bauwerk auf ein Bild zu bannen, kann man froh sein, dass es überhaupt Perspektiven gibt, wo alle drei Stufen insgesamt einigermaßen deutlich zu erkennen sind. Man muss sich immer klar sein, wir haben es mit Ruinen zu tun, mit verfallenen Bauwerken, deren beste Bausteine zu großen Teilen geplündert wurden.


Die Kruschhälde von Sulzfeld



Die Sommerhälde auf dem Ölmühlenkopf bei Oberderdingen zeigt im Längsprofil die drei Stufen. Man sieht, wie lang sich das Bauwerk von Ost nach West erstreckt. Die Stufen sind natürlich plan, erscheinen hier auf dem Bild allerdings perspektivisch verzerrt. Man sieht, dass die vorderste höchste Stufe sich auf den Hang hinaus erstreckt. Im Vordergrund im Norden ist ein weiteres Plateau, das sich an das Hauptbauwerk anfügt. Vor diesem Plateau wurde eine vorgelagerte monolithische Felsmauer errichtet (im Bild links nicht zu sehen). In dem entstandenen Gang fand der Entdecker einen aus einem Felsblock glatt gehauenen Opferaltar. Von ägyptischen Pyramiden ist bekannt, dass diese Opferaltäre und kleinen Tempel direkt am Pyramidenportal standen und zu jährlichen Ritualen benutzt wurden.


Die Sommerhälde von Oberderdingen



Deutsche Cairns im Größenvergleich

Wenn wir Cairn No I der Steingrube in Schmie, ein kleineres Format der dort vorhandenen Monumente, dem Cairn von Barnenez gegenüber stellen, wird klar, dass unsere Monumente den Vergleich nicht zu scheuen brauchen. Der Langcairn von Schmie ist ein mustergültiges und relativ gut erhaltenes Exemplar. Vor allem seine Fassade an der vorderen Basis ist fast über die ganze Länge erhalten. Laub- und Nadelbäume wachsen auf ihm. Mögliche Portale können sich auf der Rückseite unter Schutt und Bewuchs verbergen.


Die Längsseite von Cairn No I, Steingrube Schmie: H ca. 8 m, L ca. 95 m. Die Felswand im Hintergrund, aus der das Baumaterial stammt, ist rechts erkennbar.



















Der Cairn von Barnenez bei Plouezoc`h, Längsseite nach der Rekonstruktion. So könnten unsere Monumente auch bald aussehen.









Die Schmalseite von Cairn No I, Schmie zeigt, wie relativ steil und damit stabil das Bauwerk ist. Eine Freilegung des Monuments wäre technisch kein großes Problem. Das Wurzelwerk dürfte dagegen Probleme bereiten.











Die Schmalseite des Cairns von Barnenez: L 72 m, H 5,80 m.



Ein Aspirant für zukünftige Grabungen ist auch der Cairn I der Sommerhälde in Kürnbach/Baden. Eine Grabkammer wurde schon geöffnet, eine weitere mittels Geoelektrik sondiert.


Der ca. 60 m lange Cairn I, rechts im Hintergrund der Beginn des ca. 250 m langen Cairn III.


Schon bekannte freistehende Stufenpyramiden

Angesichts der bis jetzt nur in Steinbrüchen nachweisbaren Megalith-Pyramiden stellt sich natürlich die Frage, wurden diese nicht auch außerhalb, auf offenem Gelände erbaut? Wenn man die Steinbrüche erschlossen hatte, konnte man die steinernen Monumente auch überall sonst errichten. Wo sind diese zu finden?

Grundsätzlich hat man in großen Teilen Europas diese Cairns gefunden – und zwar fast immer auf der Ebene, also nicht in Steinbrüchen, hier ein Beispiel aus der Bretagne, der Cairn von Disignac.





In Frankreich vergleicht man die Cairns daher gern mit den Stufenpyramiden und gestuften Mastabas der ägyptischen Hochkultur, insbesondere, da sie offensichtlich nach denselben Konstruktionsprinzipien errichtet wurden.

Stufenpyramiden gibt es in Europa, das ist den meisten nicht bewusst. Thor Heyerdahl, Harald Braem und Dominique Görlitz haben hier Pionierarbeit geleistet und die auf den Inseln liegenden Bauwerke an die Öffentlichkeit gebracht. Bekannt sind inzwischen die Stufenpyramiden auf Teneriffa, die in der Volksüberlieferung Königsgräber gewesen sein sollen.





Auch hierzulande gibt es Monumente, die allseits schon seit langem bekannt, aber noch gar nicht grundlegend erforscht sind und deshalb vermutlich völlig falsch interpretiert werden, z. B. die sog. Motten, große künstliche Hügel mit z. T. gut erhaltenen Stufen, die von den Fachleuten als Turmhügelburgen aus fränkischer Zeit betrachtet werden. In Wirklichkeit jedoch dürften wir freistehende Stufenpyramiden vor uns haben, die besonders hoch gebaut und, anders als die Cairns, nicht in Felsflanken verborgen wurden.

Vielleicht haben die Mottenforscher Arcisse de Caumont, Otto Piper und Carl Schuchhardt auf einigen dieser nicht seltenen Steingrabhügel tatsächlich die Fundamente bzw. Pfostenlöcher hölzerner Bauwerke gefunden, aber ob dies tatsächlich fränkische Türme waren bleibt unbeantwortet. Es können auch andere Bauwerke aus viel früherer Zeit gewesen sein, offenbar Kultbauten wie andernorts gefunden.

Wenn man den Sonnentempel aus Holz auf dem Monte d´Accoddi/Sardinien betrachtet, sieht man die Alternative. Das Bauwerk von 5 x 15 m hat seinen Ursprung nach offizieller Chronologie vor mehr als 5000 Jahren.

Ein Altar von 3,07 x 3,15 x 0,70 m stand unterhalb einer Rampe von 9 m Breite und 41,8 m Länge, die über die Stufen hinweg zum Tempel führte. Dominique Görlitz sieht die Form dieses Bauwerks als Beweis, dass die sumerische Kultur hier Einfluss ausübte. Nur, die Sumerer werden erst ab etwa 3600 v. Chr. datiert, während die Megalith-Kultur Europas schon 5800 v. Chr. beginnt.





Genau denselben Tempel aus Holz und die dazugehörige Rampe fanden die Archäologen bei den Etruskern auf dem Tumulo A bei Cortona, datiert im Zeitraum 600 – 100 v. Chr. Diese Rampe erinnert nicht nur an sumerische und südamerikanische Vorbilder, sondern hat auch Entsprechungen in südwestdeutschen Cairn-Monumenten (Heilbronn, Maulbronn-Schmie, Kürnbach, Sternenfels).





Es wäre auch für fränkische Turmbauer aus ökonomischen Gründen reichlich abwegig gewesen, wegen eines Turmes einen künstlichen Hügel aufzuschichten, wenn es in Deutschland überall natürliche gibt. Man sieht, wie unbedacht Theorien entstehen und unhinterfragt von Archäologengeneration zu Archäologengeneration weitergereicht werden.

Egon Wolf, für die Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn/Rheinland-Pfalz als Leiter der Bauabteilung tätig, hatte 2005 die Initiative, einen archäologischen Wanderweg durch die heimatlichen Wälder anzulegen und fand dabei Unterstützung durch Konservator Rüdiger Schulz vom Landesamt für Denkmalschutz. Neben zahlreichen Menhiren und Steinsetzungen, Steinalleen und künstlich wirkenden Naturdenkmälern galt sein Interesse vor allem einer sog. fränkischen Motte auf dem Gebiet der Gemeinde Neuhemsbach.




Auch hier finden wir gut erhaltene Stufen, die einem Burghügel eklatant widersprechen.




Die sog. „Wallburg“ bei Odenheim-Eichelberg im Großen Wald wird als Festung eingestuft, weil sie von einem Gaben umgeben ist. Die Besichtigung erbrachte genau diese Fragestellung: Warum soll eine künstliche Erhebung inmitten natürlicher Hügel aufgebaut worden sein, wenn die nicht einmal in Pfostenlöcher nachweisbare Burg von den umgebenden höheren Hügeln herab ganz leicht beschossen werden konnte? Kreisgräben gab es auch um keltische Grabhügel. Das betreffende Bauwerk mit seinen Stufen ist so imposant, dass man als bescheidener Deutscher gar nicht wagt, an eine Pyramide zu glauben.

Aber hier haben wir die eigentlichen Gründe für die Fehlinterpretation: Ein Großgrabhügel kann keiner sein, weil er einen Graben besitzt, also eine Wehrfunktion erfüllt. Schon ist das Missverständnis in der Welt.

Der Mottenforschung zufolge gibt es auch einige Beispiele für angebliche Zweckentfremdung uralter keltischer und noch älterer Grabhügel als frühmittelalterliche Burgen: In Großbritannien und anderen Ländern, aber auch in Süddeutschland, z. B. nahe der Heuneburg an der Donau, die sog. Baumburg. Hier existiert lediglich eine Sage, die auch noch den Besitzer der keineswegs nachweisbaren Burg (vmtl. aus Baumstämmen) benennt. Heute gilt die Baumburg als hallstattzeitlicher Grabhügel. Und wenn dann noch dörfliche Fama, wie im Fall der Baumburg, den Besitzer einer angeblichen Burg benennt, in Wirklichkeit aber damit die nur einen Steinwurf entfernte Heuneburg meinen dürfte, ist die Geschichtsfälschung komplett. Die Heuneburg kann keinen historisch erinnerbaren (mittelalterlichen) Besitzer gehabt haben, denn sie ist ja ein keltisches Oppidum und ging schon vor den Römern unter. Doch stimmt dieses Szenario? Stimmt unsere Chronologie überhaupt?

Tatsächlich hat man kaum einen dieser mysteriösen Hügel wirklich nach Gräbern und Grabkammern untersucht, der Aufwand ist, wie bei ägyptischen Pyramiden, schlicht zu groß.

Wie stabil diese alten Grabpyramiden sind, erkennt man am Arundel-Castle in Kent/Großbritannien. Ein einfacher Erdhügel ist wohl nicht geeignet, einen steinernen Turm zu tragen. Eine derart steile Basis kann mit Erdwerk auch nicht fabriziert werden.




Ein ähnlich stabiles, mehrfach gestuftes Monument finden wir in Haselbourg im Elsaß. Dort trägt die sog. Römerschanze eine über 10 m hohe Marienstatue. Die Archäologen gehen jedoch davon aus, dass das ganze Dorf hoch auf einem Berg des Elsaß schon in der keltischen Hallstattzeit, im 1. Jahrtausend v. Chr., ein Oppidum, also eine Bergfestung war.

Die großen Felsquader, aus denen die Pyramide besteht, kann man an der Basis, von der Straße aus sehr gut erkennen. Also auch hier das Missverständnis, einem vorgeschichtlichen Festungswerk gegenüberzustehen. Vermutlich sind es die gigantischen Felsblöcke, die erkennbar den Baukörper des Monuments bilden, die zum Fehlschluss führten. Hallstatthügel sind ja bekanntermaßen nur aus Erde, also dürfen solche pyramidenartige Bauwerke nur die Römer gebaut haben. Wieso man allerdings angesichts der Grabhügelform auf den Begriff Schanze verfiel ist ein Rätsel.





Zuletzt geändert: 01.10.2009, 19:15:59