Ganggräber (Dolmen)



In Norddeutschland sind Tausende von Hünengräbern mit Dolmen und Ganggräbern bekannt. Oft erreichen sie Längen zwischen 50 und 100 Metern und damit beachtliche Ausmaße. Meist steht nur noch die Einfassung der Bauwerke aus sog. Findlingen, großen Felsblöcke, die zu weiträumigen Rechtecken gesetzt sind. Am Kopfende oder in der Mitte des Bauwerks befindet sich jeweils die Ruine der einstigen Grabkammer, die aus tonnenschweren Felsplatten besteht, tischförmig aufgestellt, der sog. Dolmen. Der Baukörper aus Lehm, Sand und Erde jedoch fehlt häufig bis auf wenige Reste, vermutlich durch eine vorgeschichtliche katastrophale Flut hinweg gespült. Vielleicht wurden diese Monumente aber auch nie fertiggestellt, wofür es auch Anhaltspunkte gibt, oder aber sie wurden geplündert.

Hier ein anschauliches Beispiel von Bremen Steinsfeld, Spachelberg. Große, mehrere Tonnen schwere Steinblöcke wurden senkrecht gestellt, große Felsblöcke horizontal darüber gelegt. So entstand eine Grabkammer mit Grabgang.




Auch in der Bretagne stehen diese Dolmen noch in großer Zahl. Von dort stammt übrigens der Begriff, der eigentlich nur ein Kunstwort ist, welches aus dem Bretonischen dol = groß und men = Stein zusammengesetzt wurde.

Hier der Dolmen de Frebouchere in der Bretagne.





Es gibt allerdings auch Exemplare von Dolmen, bei denen der umgebende Baukörper noch einigermaßen erhalten ist, wie beim Cairn von Joseliere. Man sieht, dass er aus gestapelten bzw. trocken gesetzten kleinen Steinplatten besteht. Ein Cairn besitzt im Normalfall noch seinen gesamten Baukörper.

Da die Dolmen schon lange bekannt sind, Cairns aber erst per Zufall in den 50er Jahren entdeckt wurden, kam man erst seither darauf, dass die Dolmen allesamt die Grabkammern einstiger Cairns und Tumuli waren, die aus irgendeinem Grund, vielleicht durch Plünderung, im Laufe der Zeit ihren Baukörper verloren.





Bei der Öffnung des Cairn von Barnenez in den 50er Jahren stieß man auf Dolmen, die keinerlei Tragesteine in Form großer Felsblöcke besaßen. Ihre Deckplatten werden von Mauerwerk auf beiden Seiten gestützt. Der Entdecker Prof. Giot nannte auch diese Ganggräber Dolmen.





Als wir im Jahr 2000 unsere Entdeckung eines Ganggrabs bei Kürnbach bekannt gaben, meldeten sich sogleich angebliche Experten, denen die exakte Definition eines Dolmen bis dato unbekannt war. Deshalb lehnten sie es ab, unser Ganggrab als Dolmen eines Cairns anzuerkennen. Die Kennzeichen sind jedoch eindeutig.

Die bis jetzt entdeckten Grabgänge und Portale in Süddeutschland umfassen derzeit 11 Exemplare, 5 davon sind sehr gut betretbar, die restlichen müssen geöffnet und von dem Schutt befreit werden, der dort irgendwann hinein getragen wurde und bis unter die Decke aufgehäuft ist. Indikatoren für weitere verborgene Ganggräber sind vorhanden.

Das Portal von Cairn I bei Kürnbach. Dieses Ganggrab war das erste hier in Südwestdeutschland als solches erkannte. Rechts neben dem Zugang zum Cairn ist noch ein beachtlicher Teil der Fassade erhalten, jedoch durch die Freilegung arg gefährdet. Da das Landesdenkmalamt auf die Entdeckung nicht angemessen reagiert hat, bleibt alles der Natur überlassen.




Das Besondere an Cairn I der Sommerhälde in Kürnbach ist der deutlich ausgetretene Schwellenstein.

Selbige findet man auch an norddeutschen Ganggräbern, hier in Liepen, Grab 1.





Die Portale in den Cairns der Felsnekropole von Schmie-Maulbronn (5 gut erkennbare) sind derzeit zum großen Teil nicht erforschbar, da überwiegend in privater Hand und liegen heute allesamt unter dem Bodenniveau. Zudem sind sie einsturzgefährdet und wahrscheinlich auch schon teilweise eingebrochen. Gang Dübbers II muss in Verbindung zu einem größeren Hohlraum stehen, da ein ständiger kalter Zug entweicht.

Jede Freilegung bedeutet auch eine Zerstörung dieser Architekturen. Würde die staatliche Archäologie diese Kulturgüter nicht so sträflich missachten, könnten Gelder für ihre notwendige Rettung und Restauration beschafft werden.

Das Portal Dübbers I:



Das Portal Dübbers II, ein klassischer Dolmen.

Das Portal „die Schmiede“. In den 60er Jahren nutzte ein Steinmetz diesen Gang zur Aufbewahrung seiner Werkzeuge. Dabei wurde das Portal offenbar verändert.

Das Portal „der Keller“:



Der Gang „der Keller“ wurde offensichtlich absichtlich zerstört, d. h. seiner Decke beraubt. Anlass war wohl ein missglückter Bubenstreich, der in den 70er Jahren stattgefunden hatte. Ein Spielkamerad wurde in dem Gang eingemauert und erst nach 3 Tagen von der Polizei gefunden.

Auf dem Marsberg bei Würzburg-Randersacker findet der Besucher ein besonders schönes und gut erhaltenes Portal, das sich zu einem ca. 11 + 11 m langen L-förmigen Gang öffnet. Hier sind sogar noch mannshohe Tragesteine im Mauerwerk auf beiden Seiten eingebaut, womit die klassische Definition von Dolmen gegeben wäre.


Das Portal Geise I auf dem Marsberg bei Würzburg, ein klassischer Dolmen



Eine Exkursion des Efodon e. V. am 7.2.2002 zur Marsberg-Nekropole bei Würzburg brachte eine architektonische Besonderheit zutage. Gerhild Schaber erkannte auf der linken Seite des Portals Geise I eine Aussparung an einem Monolithen, der mit Bruchsteinen ausgefüllt ist. Diese Technik ist aber auch von den ältesten Tempeln der Menschheit auf Malta bekannt.


Auf der linken Außenseite des Portals findet man diese Aussparung am Felsblock, die mit Steinblöcken zugesetzt ist.


















Auch am Portal des West-Tempels von IMnajdra auf Malta kann man diese Aussparungen entdecken. Der Megalith-Tempel wird nach der heute gültigen Chronologie auf 3000 v. Chr. datiert.



Vergleichbare Cairn-Portale in Frankreich und Großbritannien

Französische Archäologen haben seit der Entdeckung des ersten Cairns bei Barnenez 1954 in Plouézoc´h/Finistére viele weitere entdeckt und akribisch restauriert (Bild 7). Diese stehen als Vergleichsmaterial zur Verfügung, wenn süddeutsche Cairns und Gangräber beurteilt werden sollen.




Cairn von Barnenez, Bretagne (Wände aus Mauerwerk)



















Cairn A der Nekropole von Bougon, Bretagne (Wände aus Mauerwerk)



















Cairn Belamp (Wände aus Mauerwerk)

























Cairn Gavres in Goerem, Morbihan. Hinter dem Portal befindet sich ein L-förmiger Gang wie auf dem Marsberg bei Würzburg (Wände aus Felsplatten)









Cairn F der Nekropole bei Bougon, Bretagne (Wände aus Felsplatten)





















Cairn von Gavrinis, Bretagne (Wände aus Felsplatten)



Die Konstruktion der Ganggräber

Wie der Baukörper eines Cairns bestehen auch die Gangwände des Grabgangs in der Regel kompakt aus trocken gemauerten Bruchsteinen. Teils sind darin große Felsplatten eingesetzt, welche auch die Decken bilden. Einen solchen gemauerten Gang bezeichnet die Archäologie auch als Dolmen, obwohl die bekannten freistehenden Dolmen ausschließlich aus großen Felsplatten gebaut sind. Die älteste Architektur der Welt kam also völlig ohne Mörtel aus.

Die im Kraichgau und Zabergäu zu findenden Gänge aus Bruchsteinmauerwerk und großen Felsplatten sind in der typischen Bauweise megalithischer Dolmen errichtet, d. h. über zwei parallele Mauerzüge wurden mehrere Tonnen schwere Felsplatten gelegt, die dicht, nahezu fugenlos aneinander gefügt die über weite Strecken plane Decke bilden. Kein Mörtel wurde verwendet, um die Bruchsteine im Mauerwerk der Gangwände zu verbinden. Die Stabilität der Mauern wird allein durch das auf ihr lastende Gewicht der tonnenschweren Deckplatten hergestellt. In Cairns sind deshalb die Steinblöcke und -platten der Gangwände mit den Steinblöcken des restlichen Baukörpers aufs engste verzahnt; andernfalls würden isoliert stehende Gangwände unter der Last zusammenbrechen. Die Theorie, dass sich hinter den vordergründigen Mauerzügen nichts als Schutt und Geröll einer üblichen Schutthalde verbergen würde, ist angesichts der erwiesenen Stabilität völlig haltlos.

Das Innere des Ganggrabs im Cairn von Kürnbach (Wände aus Mauerwerk):





Die Wände in den Gängen auf dem Marsberg bei Würzburg bestehen zu einem guten Teil aus ganghohen, massiven Felsplatten, die senkrecht gestellt den Anker für die dazwischen trocken gesetzten Bruchsteine bilden. Von der Statik her betrachtet bilden die stehenden Felsplatten im Verbund mit den quer darüber gelegten Platten allein durch ihr Gewicht die solide Struktur des dadurch gebildeten Raumes.

Blick in das Ganggrab Geise I (Wände aus Felsplatten/Mauerwerk):

Eine Gangwand im Gang Geise I auf dem Marsberg von Würzburg-Randersacker.



Dies ist typische Konstruktionsweise megalithischer Dolmen in Cairns und Long barrows der Bretgne und Großbritanniens, Schottlands, Irlands sowie ähnlich konstruierter Megalithgräber in Spanien, Portugal, Skandinavien und anderen Regionen Europas, nicht zuletzt der norddeutschen Tiefebene mit ihren Hünengräbern. Diese können von jedem interessierten Archäologen zum Vergleich herangezogen werden, hier z. B. der Megalith-Gang im Cairn von Kercado/Bretagne. Deutlich zu sehen sind die konstruktivistischen Merkmale, die den hiesigen zum Verwechseln ähneln: Große senkrecht stehende Felsplatten alternieren mit trocken gesetztem Mauerwerk aus Steinblöcken. Die Decke wird durch quer gelegte Felsplatten gebildet.


Der Gang im Cairn von Kercado/ Bretagne (Wände aus Felsplatten/ Mauerwerk)



Gang Geise I auf dem Marsberg zeigt überkragende Deckplatten, die immer niedriger werden. Diese begegnen einem auch in anderen Ganggräbern.


Gang Geise I (Wände aus Felsplatten/ Mauerwerk)













































West Kenneth longbarrow (Wände aus Felsplatten/ Mauerwerk)






Zum Ende hin wird der Gang Geise I so niedrig, dass der letzte Deckstein fast den Boden berührt.


Gang Geise I




















Cairn in Sligo County, Irland



Der Einwand offenbar uninformierter Spezialisten deutscher Archäologie, bei den Gängen unserer Cairns würde es sich nicht um Dolmen handeln, da die Wände nicht durchgehend aus Felsplatten bestehen, ist gegenstandslos. Dolmen nennt man in der französischen Archäologie nicht nur die allseits bekannten, freistehenden Steintische aus tonnenschweren Felsplatten, die überall in der Bretagne zu sehen sind, sondern auch die Ganggräber, welche Gangwände aus lediglich trocken gesetztem Bruchsteinmauerwerk besitzen und bis zu 10 m und mehr in die Baukörper der Cairns hinein führen. Prof. Giot, Rekonstrukteur des weltberühmten Cairn von Barnenez, führte die heute in der Archäologie Europas gängige Bezeichnung ein, nachdem eine Vielzahl vergleichender Grabungen stattgefunden hatte. Ganggrab ist übrigens der deutsche Begriff für Dolmen.



Die Form der Ganggräber

Die Gänge in L- bzw. Ellbogen-Form scheinen hier die Regel gewesen zu sein. Die L-Form erscheint vor allem im Morbihan der Bretagne.


Skizze von Bernd Zilly, Söllingen

Skizze von Gernot. L. Geise, Hohen-peissach

Skizze von Walter Haug, Walzbachtal und Uwe Topper, Berlin

























Grundriss des L-Ganges von Gavres, Goerem in der Bretagne





Auffällig ist, dass die meisten Gänge nach links abknicken. Lediglich der Gang von Kürnbach verläuft entgegen gesetzt.

Daneben gibt es auch andere Gangverläufe, die sich aber mit bekannten aus anderen Cairns Europas decken. Stellt man sich vor, diese Gänge seien dafür gebaut worden um „Bier und Sprengstoff“ aufzubewahren, wie es immer so schön heißt, kommt man unweigerlich ins Grübeln, warum die Gänge dann so eng und niedrig gebaut wurden, um die Ecke verlaufen oder, wie am Beispiel des Heimbs-Ganges zu sehen, einen ganz verrückten Verlauf nehmen.


Grundriss des Heimbs-Ganges der Marsberg-Nekropole (Zeichnung von Andreas Heimbs, Wels).

Grundriss eines Megalith-Ganges in Großbritannien.





Nischen in Ganggräbern

Wir fanden bei unseren Erkundungen und Grabungen insgesamt 4 Exemplare von Nischen in Mauerwänden von Ganggräbern. Sie befinden sich immer im hintersten Bereich eines Ganges, überwiegend in der letzten Wand, der Rückwand. Ihre Größe variiert.


Das Ganggrab in Cairn I, Kürnbach (Nische in der hintersten Wand)

Der Felsgang neben Cairn II, Kürnbach (Nische rechts in der Wand)


















Das Ganggrab im Weißen Steinbruch bei Eibensbach (Nische in der hintersten Wand)

Heimbs-Gang Marsberg-Nekropole, Würzburg-Randersacker (Nische in der hintersten Wand)





Dieser Befund deckt sich mit den Nischen, die man in megalithischen Ganggräbern Europas gefunden hat, z. B. im Long barrow Belas Knap (siehe Bild unten, rechte Gangwand).



Ganggräber in England

Einen schönen Vergleich zum Kürnbacher Grabinnern bietet der Long barrow von Belas Knap in Gloucestershire (L 55 m x H 4 m). Auch hier ausschließlich Bruchmauerwerk wie im Ganggrab von Kürnbach. Die Decke besteht ebenfalls aus großen Felsplatten. Eigentlich handelt es sich um einen typischen Cairn bzw. Lang-Cairn, denn er besteht komplett aus stützendem Mauerwerk, während long barrows z. T. aus Erde bestehen können. Bei den Grabungen von 1863-65 und 1928-30 wurden in den vier Kammern über 30 Skelette gefunden.


Ganggrab im Long barrow Belas Knap (Nische in der rechten Wand)

Belas Knap (große Nische in der linken Wand)


Corrimony Passage Grave Clava (Nische in der linken Wand)




In Frankreich und Großbritannien wird, wie schon gesagt, fleißig an der eigenen Hochkultur geforscht. Es gibt eine große Menge bereits restaurierter Monumente, die im Internet betrachtet und bei Google unter den Stichwörtern „cairn stone“ oder „cairn excavation“ gefunden werden können. Der folgende Link soll Ihnen einen Eindruck über Cairns in ganz Europa vermitteln: web.ukonline.co.uk/megalithics.





Die erforschbaren Ganggräber



Ganggräber oder Sprengstoffkammern?

Am Freitag, den 13. August 2004 erschien in der Main-Post ein Artikel mit der Überschrift „Kammern für Bier und Sprengstoff“, worin der Kreisheimatpfleger Herbert Haas seine Meinung über die Nekropole auf dem Marsberg bei Würzburg-Randersacker kundtat. Seine Stellungnahme erscheint stellvertretend für die Ansichten, die Geologen und sog. Steinbruch-Experten über die Steinbrüche im Gebiet von Rothenburg bis Randersacker gewonnen haben. Deshalb wird hier in verschiedenen Artikeln drauf eingegangen werden, hier erst einmal bezüglich der sog. Pulverkammern.

Haas erklärt sich nämlich die Entstehung dieser eindeutig trocken gemauerten Gänge so: „Der Abraum musste möglichst platzsparend untergebracht werden. Deshalb schichtete man die Steine zu Stützmauern auf. Als Kammern für Getränke und Sprengstoff errichtete man in mannsbreitem Abstand zwei Mauern und hievte mit dem Derrick-Kran eine Oberbank darüber. Abraum obendrauf und fertig war der Keller.“

Die zackig flotte Schilderung hört sich zunächst recht plausibel an. Wenn jemand seine Gedanken im Brustton der Überzeugung schildert, dann ist man zuerst einmal geneigt, dem zu glauben. Nur, kann Haas tatsächlich die Menschen benennen, die dafür verantwortlich sein sollen? Kennt er den Steinbruchbetreiber, die ausführenden Maurer, die sich mit Trockenbautechnik auskennen mussten, den Kranführer bei Namen, die diese eigenartige Konstruktion ausführten? Nein, Haas hat sich lediglich vorgestellt, wie dieser Gang entstanden sein könnte. Historische Augenzeugen kennt er nicht! Er kann nicht einmal eine Person benennen, die ihm erzählt haben soll, wie der Gang entstand.

Wir haben schon im Abschnitt „Konstruktion der Ganggräber“ festgestellt, dass eine solide Megalith-Kammer, denn um eine solche handelt es sich, auf jedem laufenden Meter eine mehrere Tonnen schwere Decke tragen muss. Da genügen keine zwei trocken gesetzte Mauerzüge als Stützen. Der ganze Baukörper muss die tragenden Mauern abstützen. Hinter den Mauerzügen darf sich also gar kein Schutt befinden, denn der würde unweigerlich nachgeben und die ganze Konstruktion zum Einsturz bringen. Wir haben auch beim teils auseinander gerissenen Ganggrab Geise II gesehen (Cairn-Vorkommen: Würzburg - die Marsberg-Nekropole), dass hinter den vordergründig tragenden Wänden weitere massive Blöcke stehen, die diese abstützende Funktion erfüllen.

In den Gängen Geise I und II und im Heimbs-Gang stehen mannshohe Felsplatten in den Wänden verankert, jede mehrere Tonnen schwer. Diese sind also senkrecht gestellt worden. Jede Platte, besonders von solchem Gewicht, hat die Tendenz umzufallen. Also muss sie dagegen gesichert werden. Beim Megalithbau wurden die tragenden Dolmenblöcke in dafür vorbereitete Gräben gesenkt und mit Keilblöcken und festgestampfter Erde gesichert. Die quer aufgelegten Deckenplatten hatten ebenfalls die Aufgabe, die ganze Konstruktion stabil zu halten. Das Gesamtkunstwerk dar man mit Fug und Recht als ein Meisterstück der Statik bezeichnen, wie Dr. Diether Ziermann in seinem Standardwerk „Konstruktionsformen neolithischer Grabarchitektur...“ ausführte. So einfach ist es also gar nicht, eine Dolmenkammer, und um solche handelt es sich, herzustellen. Dafür ist die genaue Kenntnis der jungsteinzeitlichen Großstein-Architektur nötig.

Bei Haas´ Schilderung handelt es sich also lediglich um eine Hypothese. Haas kann auch nicht Augen- oder Zeitzeuge der Erstellung einer solchen Kammer gewesen sein, da die meisten Steinbrüche schon vor dem 1. Weltkrieg, die letzten in den 30er Jahren geschlossen wurden, er aber im Jahr 2004 70 Jahre alt war. Was aber ist dann solch eine Aussage wert?

Warum hätte man eine solche Kammer, die doch angeblich dem Sicherheitsbedürfnis der Steinbrucharbeiter vor unabsichtlicher Detonation dienen sollte, ohne jede Verwendung von Mörtel gemauert, einfach nur trocken aufgeschichtet?

Die zur Beurteilung wichtigste Frage: Warum hätte man in einem Kalksteinbruch überhaupt mit Sprengstoff arbeiten sollen? Die Detonation zertrümmert doch den kostbaren Stein zu kleinem Geröll. Erst in den 70er Jahren ist man dazu übergegangen, in Granitsteinbrüchen (Granit ist das härteste Gestein der Welt) Dynamit wohldosiert in schmalen Bohrlöchern einzubringen und damit den Stein vom Fels zu lösen. Doch hat sich die Methode als zu unkontrollierbar erwiesen, so dass sie mittlerweile wieder aufgegeben wurde. In Kalksteinbrüchen macht sie überhaupt keinen Sinn, da hier die gebräuchliche Bohrlöcher- bzw. Keilspaltmethode völlig ausreicht.


Tatsächliche Sprengstoff-kammer aus der Zeit des Würzburger Steinabbaus

In Rauen bei Witten findet sich ein alter Steinbruch aus dem Jahr 1909, also aus der Zeit, als in Würzburg auf dem Marsberg Stein abgebaut wurde (Wo dies wirklich geschah, wird im Artikel „Geologie der Steinbrüche“ abgehandelt). Dort findet man eine echte Sprengstoff-kammer aus der Kaiser-Zeit. Die Kammer ist massiv aus Beton gebaut, lediglich die Fassade ist mit einer Mörtelmauer aus Bruchsteinen verziert, also nicht mit Trockenmauerwerk, wie unsere Cairns. Schon im Kaiserreich gab es detaillierte Vorschriften, wie mit dem brisanten Gefahrgut umgegangen werden musste.

Die Aufnahmen verdanken wir dem Argeo-Team (www.team-argeo.de, www.unterirdisch.de)






Solche Gänge, wie man sie auf dem Marsberg findet, die nicht einmal mit Mörtel ordentlich gemauert sind, sondern lediglich aus aufeinander gesetzten Bruchsteinen bestehen, wären nie zur Aufnahme von Sprengstoff genehmigt worden, da im Detonationsfall die Trümmer in weitem Bogen auf Mensch und Maschinen herunter geprasselt wären und alles vernichtet hätten. Kammern, deren Wände nicht einmal mit Mörtel solide gemauert waren, hätten vor den Augen der strengen Aufsichtsämter keine Chance gehabt. Man weiß doch aus der Geschichte des Festungsbaus, welche Anforderungen an Sprengstoffkammern gestellt wurden. Zu Zeiten, als es noch keinen Beton gab, mussten die Mauern solide mit Mörtel gemauert und meterdick sein.

Und selbst wenn die Steinbrucharbeiter auf dem Land tatsächlich je zu Sprengstoff gekommen sein sollten, was man sich so einfach gar nicht vorstellen darf, und tatsächlich jenseits aller Vorschriften ihre trocken gemauerten Gänge unter angeblichen Schutthalden errichtet hätten, wären sie die größten Dummköpfe gewesen, dies ohne Mörtel zu tun, denn durch die offenen Fugen dringt ständig Feuchtigkeit in die muffigen Räume, was ja im Heimbs-Gang sehr gut zu sehen ist und im Gang Geise I auch hautnah erlebt werden kann, denn dort tröpfelt das Sickerwasser von der Decke. Wer aber kann Interesse daran haben, dass sein Pulver ständig feucht und damit unbrauchbar wird? So dumm, wie kluge Menschen der Archäologie dies unterstellen, waren die Menschen nicht mal auf dem Land.

Haas These, die übrigens auch von bayrischen Heimatforschern und dem dortigen Landesdenkmalamtsvertreter Dr. Stefan Gerlach geteilt, aber auch in Baden-Württemberg vertreten wird (die Kammer von Eibensbach wird offiziell als Pulverkammer ausgeschildert!) kann also wirklich nicht stimmen. Die Würzburger Gänge können im konstruktiven Vergleich zu anderen Megalithgängen Europas nur aus einer mehr als 6000 Jahren alt datieren Kultur, der Megalith-Kultur stammen.



Ganggräber oder Bierkeller?

Und schließlich noch eine Frage, die auch dem größten Nicht-Fachmann bezüglich solcher Problematik auf den Fingern brennen muss: Warum sollen durstige Steinbrucharbeiter drückend enge Bierkeller erbaut haben, die nicht einmal so breit sind, dass ein Bierfass hinein oder heraus gerollt werden kann? So enge Bierkeller, in die nicht einmal ein kleines Fass, geschweige denn ein Biertrinker mit Bierbauch hinein passt, wurden niemals gebaut. Und nirgendwo sind Bierkeller bekannt, die auf das typische Kellergewölbe verzichtet hätten.

Von historischen Steinbrüchen, z. B. dem Natursteinwerk bei Mühlbach/Baden, wird überliefert, dass der Bierkutscher jeden Tag den Steinbruch besuchte und die durstigen Arbeiter mit frischem kühlen Bier versorgte. Ein Lager war also gar nicht nötig.

Ein Bierkeller hat, wie jeder weiß, eine gewölbte Decke und genügend Raum, um Fässer dort unterzubringen. Dies bietet ein Ganggrab am allerwenigsten. Hätten Steinbrucharbeiter im 19. Jahrhundert tatsächlich diese Gänge als Bierkeller gebaut, wären die Wände mit Mörtel gemauert worden. Die Decke wäre wahrscheinlich sogar in der typischen Bauweise eines Bierkellers mit einer Gewölbedecke versehen worden, denn zur selben Zeit, Ende des 19. Jhs., entstanden in dem ländlichen Gebiet, oft nur wenige Kilometer entfernt in den Weinbergen, die sog. „Wengerthäusle“. Das waren auf der Erde stehende oder in den Hang des Berges hinein gebaute Räume, in denen sich die Weinbergwächter in der Zeit vor der Weinlese häuslich einrichteten, um die Trauben vor Diebstahl zu schützen. Hier erkennt man die damals häufig gebaute Gewölbedecke, die auch beim Bau von Kellern in Wohnhäusern zum Zuge kam. Und man sieht, dass die Mauersteine mit Mörtel solide verbunden sind. Durstige Steinbrucharbeiter hätten ihre Bierkeller in genau derselben Weise von den ansässigen Maurern bauen lassen.


Ein Wengerthäusle bei Zaisenhausen





Zerstörte Ganggräber

Unsere Cairn-Felsnekropolen waren über Jahrhunderte das Opfer von Steinbrucharbeiten, besonders in der Zeit des wilhelminischen Reiches von etwa 1880 bis 1914 wurden zahllose Steinbrüche angelegt, die dem Bauboom des Kaiserreichs die benötigten Baublöcke aus massivem Sand- und Kalkstein lieferten. Dabei bediente man sich offensichtlich der bereits vorhandenen Felsausbrüche mit den darin befindlichen „Abraumhalden“. Wer von den Steinbruchbetreibern sich überhaupt Gedanken über diese merkwürdigen „Steinbrüche“ machte, hielt sie wohl für mittelalterlich oder noch älter für römisch.

Die Abraumhalden, tatsächlich Cairns, müssen zu der Zeit noch einen guten Teil ihrer Fassaden aus quaderförmigen Baublöcken besessen haben. Diese Mauern wurden zuerst abgetragen und somit die besten Steine der Wiederverwertung zugeführt.

In den als Abraumhalden angesehenen Hügeln wurden offensichtlich immer wieder Gänge gefunden. Man hielt sie damals, wie auch heute immer noch, für Bierkeller der vormaligen Steinbrucharbeiter. Diese „Keller“ aber boten perfekt zugehauene Felsplatten, -blöcke und -balken von z. T. mehreren Tonnen Gewicht, die mit Hilfe von Derricks, den damaligen Kränen, aus dem Bauwerksverbund heraus gelöst und vor Ort weiter verarbeitet werden konnten.

So wurde offenbar eine nicht bekannte Zahl von Ganggräbern zerstört.

Diese zerstörten Gänge sind heute noch sehr gut an ihrem Verlauf zu erkennen. Diese Einschnitte in den Baukörper der Cairns beginnen immer am Rand und verlaufen im rechten Winkel zur Fassade. Ein sehr gut zu erkennender Gangverlauf in L-Form befindet sich in der Zwerchhälde von Sternenfels. Nach etwa 10 m knickt der Gang nach links ab und endet in einer Nische der Felswand. Das Bruchsteinmauerwerk hinter den ursprünglich die Gangwand bildenden Felsplatten ist heute noch relativ gut erhalten.

In der Kruschhälde/Jägerspitz von Sulzfeld findet man verschiedene ausgebrochene Gänge am Rand der Baukörper.

Im Weißen Steinbruch von Eibensbach begegnet man ebenfalls einer Zahl heraus gerissener Gänge und einen Gang, der großteils aufgerissen und nur im hintersten Teil erhalten ist.



Eingebrochene Ganggräber

Die Decken der Ganggräber aus tonnenschweren Felsplatten waren stabil genug, die Jahrtausende zu überdauern, vielleicht doch nicht alle. Einige könnten im Laufe der Zeit aus bekannten und unbekannten Gründen zusammengebrochen sein. Es steht noch nicht fest, ob diese Gangverläufe nur von oben abgetragen wurden oder tatsächlich eingestürzt sind. Diese „Einsturzgruben“ kann man auf der Kuppe der jeweiligen Baukörper erkennen.

Insbesondere der Bärenstein-Cairn bei den Externsteinen zeigt eine noch ungezählte Zahl dieser vermuteten Einbrüche. Diese reihen sich in einem Fall derart aneinander, dass man auf den Verlauf des darunter gelegenen Ganges schließen kann. Gerade die Tatsache, dass es sich um die exakte L-oder Ellbogen-Form handelt, ist der Beweis, dass hier tatsächlich ein eingestürzter Megalithgang zugrunde liegt. Auch die Länge des Gangverlaufs ist vergleichbar mit bekannten, z. B. dem ca. 11 + 11 m langen Gang Geise I auf dem Marsberg bei Würzburg.

Daneben findet man eine Einbruchstelle, die perfekt kreisrund ist und genau in der Mitte einen relativ hohen Hubbel zeigt. Dort kann man eine zentrale Steinsäule vermuten, welche die Grabkuppel ursprünglich stützte. Das etruskische Megalithgrab Montagnola besitzt ebenfalls solch einen zentralen Sützpfeiler (siehe Artikel „Bärenstein Horn-Bad Meinberg“ in der Rubrik „Cairns und Pyramiden“).



Kelten der Eisenzeit müssen die Cairn-Steinbrüche ausgehauen haben

Es ist an sich ein archäologisches und kulturanthropologisches Rätsel, warum die Kelten zwar schon vor den Etruskern den eisernen Pflug, die Arde, hergestellt haben, meisterhafte Schwerter und Helme aus Eisen schmieden konnten, aber nach offizieller Lesart nicht in der Lage waren, Eisenwerkzeuge zur Steinbearbeitung herzustellen. Sie sollen überhaupt keine Steinarchitektur gekannt haben, lediglich Holzhäuser und -hütten. Auch die Etrusker wohnten in Holzhütten, aber bauten dennoch Steintempel und große Grabmonumente, die Tumuli, aus Stein. Warum sollen das die Kelten nicht auch gekonnt haben, warum sollen sie ihre Zweispitze nicht dazu benutzt haben, wozu sie ihre Nachfahren im 19. und 20. Jh. immer noch benutzten, nämlich zum Spalten von Felsblöcken und -quadern? Wir haben doch die keltischen Monumente quasi vor der Haustüre. Wir sollten lediglich die Klammerbeutelpuderung endlich ablegen, die uns hindert, sie als das zu sehen was sie sind: Die größten steinernen Monumente Europas aus prähistorischer bzw. vorrömischer Zeit.

Es gibt ein interessantes Sachbuch „Die Etrusker waren Süd-Kelten“. Der Autor Otto Neeracher beleuchtet darin die frappierenden Ähnlichkeiten in Kultur und Technik beider Völker. Die Etrusker sind bekannt dafür, ihre aus dem Tuffgestein gehauenen Grabkammern als Abbildung ihrer Holzhütten und -häuser gestaltet zu haben. So erkennt man aus dem Fels gehauene Deckenbalken, Tragpfeiler oder Wandpfosten, etc.

Eine der Einbruchstellen auf der Kuppe des Cairn Bärenstein bei Horn-Bad-Meinberg ist kreisrund, zeigt aber genau in der Mitte eine deutliche Erhebung. Es könnte sich um den zentralen Pfeiler einer in Rundhüttenform gebauten Grabkammer handeln, die jetzt eingestürzt ist.

Auch bei uns im Zabergäu zeigt die Kammer im Weißen Steinbruch bei Eibensbach alle Anzeichen nachgebildeter Holz-Architektur. Zwei mächtige Steinbalken stützen die Decke aus Steinplatten, wobei diese Decke die Schräge der Dachneigung imitiert. Im Vorbau ist die Dachneigung noch ausgeprägter. In beiden Beispielen sitzen die steinernen Deckbalken auf vorsprigenden Auflagen, die dem Holzbau nachgebildet sind. Die Höhe des Vorraums ist nicht authentisch, da der Boden noch unter einer dicken Ablagerung verborgen liegt.

Schräge Steinbalkendecken im Ganggrab Weißer Steinbruch bei Eibensbach:







Auch der Heimbs-Gang auf dem Marsberg bei Würzburg-Randersacker hat eine Seitennische mit solch einer schrägen Decke. Deren Neigung ist noch extremer. Auch dort die typische Auflage. Zu betonen ist immer wieder, dass diese Architekturen ausnahmslos ohne Mörtel errichtet sind. In Deutschland wird aber seit der Römerzeit mit Mörtel gemauert!

Schräge Steinbalkendecke im Heimbs-Gang auf dem Marsberg, Würzburg





Balkenkonstruktion in der Eibensbacher Kammer





Die etruskische Kultur gilt als eisenzeitlich und wird ab etwa „800 v. Chr.“ datiert. Im architektonischen Vergleich dazu finden wir einen weiteren Beweis für die Datierung süddeutscher Ganggräber in die Eisenzeit. Die Konstruktionen der Decken in den Grabkammern ist frappant ähnlich.

Zum Vergleich steht eine der Grabkammern der Banditacci-Nekropole bei Cerveteri (das antike Caere). Hier sind alle architektonischen Elemente der ursprünglichen Holzarchitektur aus dem Tuffgestein in nachahmender Weise heraus gemeißelt worden. Im Bild rechts oben beachte man die schräge Decke hinten, dieselbe Balkenkonstruktion wie in Eibensbach.

Auch bei den Etruskern Wandnischen wie bei uns, allerdings alles viel schöner ausgeführt.




Zuletzt geändert: 21.09.2009, 18:46:59