Celtica

Schemen einer versunkenen Hochkultur



Wir stehen, trotz zahlreicher Funde von Cairns und Grabgängen, noch ganz am Anfang der Forschung. Was sich aber abzeichnet ist eine völlig neue Hochkultur mit ganz eigener Ausprägung, mit Charakteristiken ganz besonderer Art, anhand derer sich überhaupt nur Kulturen definieren und voneinander unterscheiden lassen.

Wir können nicht auf vergessene Stufenpyramiden stoßen und diese erforschen, ohne nach der vorauszusetzenden Zivilisation, die für den Bau und die dazu notwendige Organisation verantwortlich war, zu fragen. Gesunder Menschenverstand führt uns zu der Annahme, dass die jetzt nachweisbare weit verbreitete und fast schon industriell wirkende Steinbe- und -verarbeitung nur in der entwickelten Eisenzeit möglich war, also zur Zeit der Kelten.

Wenn Historiker ehrlich sind, geben sie zu, dass sie von dieser prähistorischen Zivilisation anhand der Urkunden nur sehr wenig wissen. Alles bekannte stammt von römischen und griechischen Quellen, also von kriegsführenden Gegnern der Kelten und sind somit alles andere als objektiv.

Bei den Römern nannte man dieses Volk celtae oder galli, bei den Griechen celtoi oder galatai.

Immerhin sprach man von einem gewaltigen Reich, das sich nach Angaben Strabons („ca. 63 bis 23 v. Chr.“) von Spanien (Gallicien) bis Kleinasien (Galatien), also über den ganzen Norden Europas erstreckt haben soll und das er als „Celtae“, die Kelten bezeichnete.

Bei „Appiananus“, griechischer Titel des im 2. Jahrhundert erschienenen Werks „Appiani Alexandrini Romanorum Historiam Celtica“ (ex Bibliotheca Regia. Paris), findet man diese Reichsbezeichnung als Titel einer Abhandlung, das Werk lediglich als ein Fragment.




Wie man sieht, liegt das Kerngebiet Celticas links und rechts des Oberrheins, also in dem Raum, wo jetzt die größten Megalith-Pyramiden Europas gefunden wurden. Dort, wo sich Donau und Rhein geographisch treffen, war auch der entscheidende Umschlagplatz für die interkontinentalen Warenströme, die damals hauptsächlich über die großen Flüsse transportiert wurden. Hier konnte das Zinn aus Cornwall und das Kupfer aus dem Erzgebirge umgeladen und bis nach Ägypten geschafft werden, aber auch chinesische Seide, die über die Seidenstraße bis zum Schwarzen Meer gehandelt worden war, konnte so bis an die Quelle der Donau gelangen, wo sie schließlich im Grab des Fürsten von Hochdorf gefunden wurde.

Die Binnenschifffahrtsroute über Rhein und Donau bedeutete eine ähnliche Verkürzung des Handelswegs wie der Suezkanal heute. Wer die Warenströme Europas kontrollierte, konnte auch Zölle erheben. Schon von daher waren die Herrscher Kern-Celticas vmtl. die reichsten des Kontinents. Der Handel mit Eisen dürfte weiteren Reichtum beschert haben. Mit diesem waren sie durchaus befähigt, sich die größten Megalith-Monumente des Kontinents bauen zu lassen.

Immerhin erwähnen die Geschichtsautoren um „70 n. Chr.“ einen Kelten, den Bataverkönig Civilis, Anführer eines Aufstands gegen die römische Herrschaft im heute niederländischen Gebiet, und dass es eine keltische Nationalidentität gab, denn er rief das freie „Imperium Galliarum“ aus, womit er zum Ausdruck brachte, dass sein Reich in der politischen Organisation und wohl auch in der geographischen Größe sehr wohl mit den Römern mithalten konnte.

Bei den Historikern ist es verpönt, von einem Reich der Kelten zu sprechen. Man fragt sich warum, wenn man so wenig Informationen aus authentischen Quellen hat. Welche Kriterien muss ein Reich erfüllen, damit es so genannt werden darf? Galatien, das von Kelten in Kleinasien gegründet wurde, wird auch offiziell als Königreich bezeichnet, wieso dann nicht das ganze Gebiet, in dem Kelten ihre Vorherrschaft hatten? Man spricht ja auch ganz selbstverständlich vom Römischen Reich. Vom Königreich Galatien kennt man die Hauptstadt, die in der Nähe von Ankara lokalisiert wird. Soll Celtica keine gehabt haben? Herodot nennt die Hauptstadt Celticas beim Namen: Pyrene. Aber wenn man das in völliger Ignorierung des Textes als Pyrenäen übersetzt, begeht man dann nicht vorsätzlich Geschichtsfälschung?



Grundlegende chronologische Fragen und die mögliche Klärung

Heribert Illig und Gunnar Heinsohn haben mit ihrer fundierten Arbeit über die tatsächliche Chronologie Ägyptens („Wann lebten die Pharaonen?“) den Weg gewiesen, wie auch die europäische Vorgeschichte wesentlich besser begriffen und vor allem die Schimäre eines Kontinent übergreifenden Reiches, das man mit Bezug auf die antiken Autoren Celtica nennen sollte, in seiner wahren Gestalt erkannt werden kann.

Illig und Heinsohn reduzieren die überlange Geschichte des Alten Ägypten von einem Beginn um 2800 v. Chr. auf etwa 700 oder 600 v. Chr., also in die entwickelte Eisenzeit, und belegen dies, neben der Aufdeckung von Zeitsprüngen in der Architekturentwicklung und Technologie-geschichte, fundamental durch die technologische Unmöglichkeit, Granit und andere Hartgesteine mit den Mitteln der angeblichen Kupfer-Steinzeit zu bearbeiten. Die großen Pyramiden können nur in der Eisenzeit entstanden sein, als gehärtetes Eisen bzw. Stahl als Werkstoff zur Bearbeitung von Stein zur Verfügung stand, was auch durch den antiken Historiker Herodot bestätigt wird, der ausdrücklich auf den immensen Einsatz von Eisen beim Bau der Cheopspyramide hinweist.

In seinem Werk „Die veraltete Vorzeit“ bewies Illig außerdem faktenreich, dass das Megalithikum ein Produkt der Eisenzeit ist.



Celtica wie Ägypten eine Hochkultur?

Die Reduktion der altägyptischen Geschichte um sage und schreibe 2000 Jahre ermöglicht den Autoren, endlich den richtigen Ablauf der Architekturgeschichte des Pharaonenreichs zu rekonstruieren. Was jeden vernünftigen Menschen zu denken geben musste, dass die Reichsgeschichte gleich mit dem Bau der allergrößten und technisch anspruchvollsten Bauwerken, den Pyramiden von Giseh beginnt und Jahrtausende später mit den kleinen Beamtenpyramiden endet, wird nun in die richtige Reihenfolge gestellt. Die zahlreichen Pyramiden der folgenden Dynastien sind in Wirklichkeit die architekturgeschichtlichen Vorläuferbauten. Die architektonische Geschichte verlief also vom kleinen zum großen und nicht umgekehrt.

Europas Vorgeschichte bietet genau dasselbe chronologische Rätsel. Auch hier sollen die größten Monumente der Vorgeschichte, Dolmen, Hünengräber und Cairns, die aus tonnenschweren Felsquadern bestehen, gleich zu Beginn der Zivilisation entstanden sein, Jahrhunderte und Jahrtausende danach aber die Fähigkeit zum Bau vergleichbarer Architekturen völlig verschwunden sein. Eine weit entwickelte Technologie, ungeheuer große Lasten zu bewegen und aufeinander zu türmen, wurde einfach vergessen und nie mehr angewendet. Seltsamerweise bauen die Etrusker aber erst in der Eisenzeit Dolmengräber in Trockenbauweise, jedoch in geometrisch perfekten Formen (Populonia).

Begreift man Alteuropa endlich als gemeinsamen kulturellen Raum mit einer einheitlichen Architekturgeschichte des Monumentalbaus (Megalithen) in einer auf wenige Jahrhunderte gekürzten Epoche, ist die Chronologie Altitaliens die Richtschnur. In Italien gibt es keine jungsteinzeitliche Dolmen in grober Form, jedenfalls keine etruskischen, und wenn, dann gehören sie in Wirklichkeit doch in die etruskische Eisenzeit, sind also lediglich provinzielle Varianten der hochkulturellen Vorbilder.

So verhält es sich mit allen grobförmigen Dolmen Nord- und Westeuropas. Sie alle gehören tatsächlich in die Eisenzeit. Cairns der Bretagne und der britischen Inseln, sowie die Berg-Cairns Süddeutschlands, sind also nur mehr oder weniger primitive Ausführungen der etruskischen Tumuli, wobei die süddeutschen Varianten technisch dieselbe Stufe erreicht hatten, in der Monumentalität diese jedoch bei weitem übertrafen. Auch hier dominieren die geraden Felsplatten, die senkrechten Mauern. Auch hier sind die Steine korrekt bearbeitet und oftmals in Rechteckform gebracht. Manche Pfeiler weisen Randabtiefungen auf, was in Deutschland eigentlich erst im Mittelalter erwartet wird.

Damit erweist sich die etruskische und keltische Geschichte als zeitliche Parallele der ägyptischen Dynastienzeit. Alle anderen Hochkulturen entstehen auch erst mit der Entwicklung von Eisen.

Zahlreiche Keltologen haben nämlich ihre Zweifel an der korrekten Chronologie entdeckt und den Beginn des sog. keltischen Jahrtausends (v. Chr.) in die späte Bronzezeit hinein verlängert. Somit wurde ein Zeittor geöffnet, das keltische Eisenzeit und Bronzezeit als ungestörtes Kontinuum erscheinen lässt. Bronzezeitliche Kelten sind damit nicht mehr die Unmöglichkeit, die durch die strikte Epochenfolge von Montelius immer reklamiert wurde.

Sie fragen sich, wie diese radikale Kürzung zu rechtfertigen ist? Im Endeffekt gründet die weltweit gültige Chronologie auf der Geschichte Europas und der Hochkulturen an Nil und Euphrat, aber vor allem auf der Bibel, also der angeblich chronologisch glaubwürdigen Geschichte der Juden. Bibelwissenschaftler, im Nazireich ins KZ gesperrt, erforschen schon seit Jahrhunderten die Stichhaltigkeit der dort zu findenden Angaben, mit dem Resultat, dass die Bibel als geschichtliches, und damit auch als chronologisches Werk abzulehnen ist.

Illig und Heinsohn haben klargestellt, dass die überlange Geschichte Altägyptens im wesentlichen auf einer biblischen Angabe beruht, nämlich dem Treffen Abrahams mit einem Pharaonen. Da Abraham in die Zeit um etwa 2200 v. Chr. datiert wird, passte man die Chronologie Ägyptens der biblischen an. Die europäische Vorgeschichte wiederum wurde nach der ägyptischen datiert, z. B. durch Funde von ägyptischen Fayence-Perlen oder Bronzedolchen in megalithischen Fundzusammenhängen. So bekamen die Megalith-Kulturen ihr unwahrscheinlich hohes Alter. Die C14-Datierungsmethode wiederum wurde von ihrem Erfinder Libby nach vordatierten ägyptischen Fundstücken aus Holz oder Leinen geeicht, u. s. w.

Der eklatanteste Zeitsprung, der durch die Bibel als Rückgrat der Chronologie erzeugt wurde, ergab sich bei der Datierung mesopotamischer Zikkurats. Allen bekannt ist ja der Turmbau von Babel, den laut Bibel ein Herrscher namens Nimrod erstellen ließ. Dieser Turm findet seine erste urkundliche Erwähnung erst 689 v. Chr., als der assyrische König Samherib den Tempel zerstören ließ. Seine Nachfolger Assurhaddon (680-669 v. Chr.) und Assurbanipall (668-631 v. Chr.) begannen mit dem Wiederaufbau, wie Inschriften im Fundament belegen. Nach der Befreiung von der assyrischen Herrschaft setzte der neubabylonische Herrscher Nabopolassarr den Ausbau der Anlage fort, sein Sohn Nebukadnezar II. (604-562 v. Chr.) vollendete ihn. In der Folgezeit verfiel das Bauwerk, möglicherweise auch durch Zerstörungen durch den Perserkönig Xerxes I. (486-465 v. Chr.).

Wann der Turm erbaut wurde, lässt sich aus sumerischen Keilschrifttexten nicht herausfinden. Auch ist dort kein Nimrod namentlich bekannt. Die assyrische Mythologie kennt einen Gottkönig Ninurta, mit dem Nimrod wahrscheinlich identisch ist. Die Zeugnisse verschiedener Kulturen (der Griechen, des Islam) lassen die Historiker annehmen, dass es sich bei Nimrod tatsächlich um eine historische Persönlichkeit handelt. Nimrod war demnach Gründer der Städte Babel, Akkad, Ninive und Kelach. Kelach erhielt wohl später den Namen Nimrod. Doch die Zeit der Sumerer, in der angeblich der Turm gebaut wurde, gab es gar nicht, wie Gunnar Heinsohn durch die Überprüfung der archäologischen Schichten herausfand („Die Sumerer gab es nicht“, 1988). Ihre Zeit ist in Wirklichkeit die der frühen Chaldäer im 11. Jh. v. Chr.

Wir kennen also nur die Geschichte vom Wiederaufbau, und die fällt in die Zeit der Babylonischen Gefangenschaft der Juden. Dies dürfte der Kern jener biblischen Episode sein, die verdoppelt und in die Vorzeit zurückversetzt wurde, um eine längere Geschichte zu erzeugen. Dies ist überhaupt das Prinzip der Geschichtsfälschung, wie A. Fomenko von der Moskauer Lomonosow-Universität herausfand, Herrscher und ihre Epochen werden verdoppelt und verdreifacht, etc., um unter anderem Namen in der Geschichte wieder aufzutauchen, immer mit ganz ähnlich langen Regierungszeiten. Doch das Thema ist so umfangreich und komplex, dass es hier nur gestreift werden kann. Weitere Informationen finden Sie unter den Links.

Unter dem Blickwinkel der Neuen Chronologie ist es eine Selbstverständlichkeit, dass alle Zivilisationen dieselbe technologische Entwicklung durchliefen, egal ob ägyptische, sumerische, griechischee, etruskische oder keltische, und das weitgehend synchron. Der australische Archäologe Dayton (Minerals, Metals, Glazing and Man“), mit unverstelltem Blick auf die Realitäten, realisierte, dass Eisen aller Wahrscheinlichkeit nach sogar noch vor der Legierung Bronze entstand, einfach deshalb, weil Eisen auf dem europäischen Kontinent fast überall und in großen Teilen Asiens zu finden ist und war, das nötige Holz zur Erzeugung hoher Schmelztemperaturen in den weiten Wäldern wuchs. Dagegen musste man die Bestandteile von Bronze, Kupfer und Zinn, aus verschiedenen Teilen des Kontinents – Zinn aus Cornwall, Kupfer aus dem Erzgebirge – über tausende von Kilometern hinweg zusammenbringen. In Ägypten fehlte schlicht das Brennmaterial, um die zahlreich benötigten Metalle zu gießen, deshalb sieht Dayton eine technologische Vorherrschaft Europas, insbesondere Zentraleuropas.

Eisen- und Bronzezeit sind in Wirklichkeit eins. Die Reichgeschichte Ägyptens, wie auch Celticas und aller anderen Hochkulturen aus vorchristlicher Zeit, spielte sich in nur wenigen Jahrhunderten und nicht in zwei und mehr Jahrtausenden ab.



Historische Dokumente beweisen, dass Megalithgräber von Kelten gebaut wurden

Es gibt eine sehr aufschlussreiche Überlieferung aus Irland. Das Vers Dindshenchas („Geschichten der Festungen“), die vom Barden Uo Lothchains stammt und unter König Maelsechlainn im Jahre 1006 verfasst wurde, ist ein fast einmaliges Dokument über die Grabbräuche unserer keltischen Vorfahren. Dort heißt es in Vers 24:




Einen schönen runden Cairn mit zweit Toren kennen wir aus der Bretagne, den Cairn von Dissignac (siehe Artikel „Cairns“). Es gibt auch hier im Kraichgau, östlich von Karlsruhe am Rhein, einen riesigen Cairn, der aber dreieckig ist und die dreieckige Kuppe eines Bergkopfes in Gänze bedeckt. Seine Seitenlänge beträgt rund 300 m. Es ist die Kruschhälde von Sulzfeld (siehe betreffenden Artikel in der Rubrik „Cairns und Pyramiden“). Auch sie besitzt zwei Tore in Form von heute verschütteten Treppenabgängen ins Bauwerk. Die Dreiecksform symbolisiert schon seit der Altsteinzeit in Höhlen-Petroglyphen die Vulva der Frau, also muss auch bei Sulzfeld eine mächtige Frau bestattet liegen.

Doch erstaunt, dass hier von Gräbern mit Toren gesprochen wird. Erdgrabhügel, die den Kelten einzig zugesprochen werden, besitzen diese nicht, Megalithgräber dagegen wohl.

Hier wird endlich eindeutig beschrieben, wie die Grabbau-Architektur Alteuropas in Wirklichkeit aussah, und dass es eine Gleichzeitigkeit von Erdgrabhügeln und Megalithgräbern gab. „Gräber ohne Tore“ (Portale), also einfache Erdgrabhügel mit Holzkammer oder Steinkiste, die heute irrtümlich als typisch keltisch angesehenen Hügelbestattungen, waren für die jungen Menschen, wohl hauptsächlich im Kampf gefallene Krieger, reserviert. Die Gräber mit begehbaren Kammern, die also ein oder mehrere Tore bzw. Portale besaßen, hat man verdienstvolleren Mitgliedern der Gemeinschaft zugesprochen. Es ist jetzt zu fragen, was die Kelten unter „Künstler“ verstanden, ob damit das gemeint ist, was wir heute darunter verstehen. Vermutlich war jeder in Ehren ergraute Patriarch, der nur genug aus seinem Leben erzählen konnte, natürlicherweise zu einem Geschichtenerzähler oder Barden (Künstler) geworden. Die Hochachtung, die man gegenüber den Müttern der Gemeinschaft empfand, äußerte sich in der erhöhten Zahl der Tore. Vermutlich handelte es sich dabei um Sippengräber, d. h. auch die Nachkommen konnten in der Gruft bestattet werden.

Doch hören wir weiter, was die Barden der Kelten uns zu berichten haben (Vers 25 ff.):




Schon diese wenigen Verse geben uns eine Fülle von Informationen. Es gab Wälle aus festen Steinen, Mauern, an denen die Könige und Königinnen Irlands bestattet wurden. Die Erforschung der Berg-Cairns Süddeutschlands brachte ebenfalls eine direkte Verbindung von Oppida (keltischen Bergfestungen) und den Felsnekropolen im Berghang, auf dem die Berg-Cairns auf Felsterrassen an der Hanggrenze, vor der ehemalige Außenmauer, errichtet wurden.

1. Bekanntestes Beispiel ist der Kriemhildenstuhl bei Bad-Dürkheim. Hier liegt auf der Bergkuppe die Heidenmauer, ein eindeutig keltisches Oppidum, und in die Wehrmauer integriert die Rückwand der Steingrube, in der bis zur Beseitigung durch unfachmännische Ausgrabungen in den 30er Jahren durch die SS, der Rest eines durch römische Soldaten geplünderten Cairns mit großen Dolmensteinen gestanden haben muss. Das lässt sich aus dem Grabungsbericht erschließen.

2. Der Staffelberg bei Staffelstein hat zwei Ringwälle. Im unteren finden sich Steingruben mit Hälden, die als frühmittelalterlich eingestuft sind. Diese wurden offenbar niemals gründlich erforscht.

3. Auf dem Bogenberg bei Straubing wurde ein keltisches Oppidum identifiziert und die Wälle in den letzten Jahren archäologisch untersucht. Eine der Wallfahrtskirchen auf der Hügelkuppe liegt jedoch in einer Steingrube (=Steingrab). Ein ganzes Bündel von Wegen und Wällen (daher das Wort Wallfahrt) führt direkt auf dieses Wallfahrtsziel zu.

4. Sternenfels liegt komplett auf einem Plateau. In den Hängen konnten vier Hälden (Heldengräber) ausfindig gemacht werden: die Zwerchhälde, die Sommerhälde auf dem Ölmühlenkopf, die Maishälde und die Herdhälde.

5. Das größte Oppidum Europas, Grabenstetten bei Bad-Urach, besitzt drei oder vier Kalksteinbrüche im Hang, jeweils, wie in Sternenfels, direkt an Auffahrten zum Plateau (keltenzeitliche Torsituation). Diese Steinbrüche dürften Felsnekropolen mit Berg-Cairns gewesen sein. Nichts war einfacher, die Cairns abzutragen und zum Kalkbrennen zu benutzen, die keltenzeitlichen Steinbruchwände zu erweitern.

Die Dindshenchas (Dind = engl. dungeon) schildern eine Monumentalität im Festungs- und Grabbau, die erstaunt. Bis heute konnte dieses Tailtiu, die sagenhafte Hauptstadt der Könige Irlands, nicht identifiziert werden. Wenn man mit den neuen Erkenntnissen über den keltischen Grab- und Festungsbau in den Mittelgebirgen Deutschlands auf die Suche geht, kommt man wahrscheinlich schneller ans Ziel.

Es wird eindeutig von Hünengräbern gesprochen. Geschildert wird in den Dindshanchas aber vor allem, dass die Königinnen und Könige ihren Sitz an den Bestattungsmauern hatten, und dass es spezielle Königskammern gab, also megalithische Grabkammern.



Eine Geschichtsfälschung nahm den Kelten ihre Megalithmonumente

Die Analyse der Vers Dindshanchas gibt auch chronologisch sehr viel her.

Die Vers Dindshanchas des Uo Lothchains und die Vers Dindshanchas von Fulartach, ebenfalls aus dem 11. Jahrhundert, berichten über ein dem König gewidmetes Fest, das an Lugnasad abgehalten wurde, also am 1. August. Das erste Fest hatte die mythische Tailtiu als Stifterin, die zugleich Mutter der Gottheit Lug gewesen sein soll. Das Fest fand an einem Ort namens Tailtiu statt. Das zweitgenannte Fest bezieht sich auf die Carman, eine Invasorin aus dem Osten, die Geisel der Thuatha de Dannan wurde und nach ihrem Tod einen Grabhügel in Carmun bekam.

Beide Feste wurden auf einem Festplatz abgehalten, der von unversehrten Cairns gespickt war. Fürsten- und Königsgräber werden prominent in den Gedichten erwähnt.

Während das Tailtiu-Fest jedes Jahr stattgefunden haben soll, ereignete sich Carmans angeblich nur alle drei Jahre. Die Zahl der aufgeführten Versammlungen jedoch ist gerade in Fulartachs Gedicht „Versammlung von Carman in Leinster“ sehr widersprüchlich. Es werden 509 Versammlungen vor der Zeit Patricks genannt (Vers 34). Multipliziert mit 3, wenn das Fest tatsächlich alle drei und nicht jedes Jahr gefeiert wurde, wären dies 1527 Jahre vor dem heiligen Patrick (432 Jahre n. Chr. lt. Gedicht), dem Zeitpunkt, als das Fest ins Leben gerufen wurde, also 1095 v. Chr. Das scheint zu weit hergeholt.

Denn in Vers 21 desselben Gedichts steht ausdrücklich und im Widerspruch dazu, dass nur 580 Jahre seit der Gefangenschaft Carmans, der Stifterin, bis zu Christi Geburt vergangen seien. Das aber wäre keltische Hallstattzeit.

Whitley Stokes nennt in der Übersetzung von „Die Prosa-Geschichten der Dindshanchas von Rennes“ (Revue Celtique 16, 1895) dagegen 1500 v. Chr. als Beginn dieses Festes.

Jedoch steht in der wortgetreuen Originalübersetzung von Lothchains Gedicht durch Guyonvarc`h und Le Roux („Die Hohen Feste der Kelten“, 2003) gleich in Vers 2, dass die Geschichte der Jahrmärkte von Tailtiu lediglich über 303 Jahre von der ersten Versammlung in Tailtiu bis zu Christi Geburt ging! Hier wären wir in der keltischen La Tène Zeit.

Edward Gwynn schreibt denn auch in The Metrical Dindshanechas, dass G&LR überrascht waren, bei ihren Studien auf Texte zu stoßen, die noch nie angeführt und auch noch nie übersetzt worden waren.

Es handelt sich bei Stokes Revue tatsächlich nicht um eine wortgetreue Übersetzung, sondern lediglich um eine kurze Zusammenfassung, die nur unter Nr. 99 das Stichwort „Tailtiu“ behandelt. Seine inkorrekte, sehr frühe Datierung bezieht sich gar nicht auf den Originaltext sondern auf die offizielle Chronologie der Historiker, die die mythologischen Tuatha de Dannan in diese frühe Zeit datieren. Ein seriöser Historiker aber schert sich nicht um das Geschwätz anderer, sondern übersetzt Dokumente wortgetreu. Authentizität in der Wiedergabe ist oberstes Gebot. Andernfalls wird Geschichtsfälschung begangen, wie im vorliegenden Fall.

Erhellend auch, dass diese Feste am Versammlungsort sich um die Ahnenverehrung an den Grabhügeln der Fürsten/Innen und den Grabkammern der Könige/Innen dreht, die dort durch Sitze, offenbar steinerne Throne der Megalithzeit, vertreten sind. Darüber gleich mehr.

Der Versammlungsort wird mit dem Bau des Grabhügels der Stifterin angelegt, für den Bau wird der Wald von Cuan gerodet oder die Weide umgewidmet. Und diese Grabhügel hatten Tore, wie wir bei Lothchain erfahren. Typische Grabhügel der eisenzeitlichen Kelten ab -800 jedoch kennt man nur als Erdgrabhügel ohne jeden Zugang zur Grabkammer. Lothchain berichtet aber von Gräbern mit Portalen, und das können nur Megalithgräber sein.

Er berichtet zudem von einer der höchsten Gottheiten der Kelten, von Lugaid, der als Sohn der Tailtiu und als Begründer der jährlichen Wettkampfspiele genannt wird. Das spricht dafür, dass wir es tatsächlich mit Gott Lug selbst zu tun haben, denn die Zeit dieser periodischen Versammlungen fand an Lugnasad statt, dem Festtag, der dieser Gottheit gewidmet war.

Mit 303 v. Chr. kommen wir zu einer höchst verkürzte Genealogie der Kelten, die stark zu denken gibt und die Chronologiekürzungen heutiger Geschichtskritiker mehr als unterstützt. Keltische Gottheiten darf man demzufolge eher als herausragende Ahnen sehen, denn als überirdische Wesen, die sie in der Erinnerung wurden.

Die Analyse, dass die Kultur der Kelten schon in der falsch definierten Jungsteinzeit und frühen Bronzezeit begonnen haben muss, da die Megalithgräber nur mit Eisen der Kelten hergestellt werden konnten (siehe Artikel „Keltische Werkzeuge und ihre Datierung“), haben sich nun auch durch die keltischen Überlieferungen bestätigt. Die Jahrtausende seit dem ersten Bau von Dolmen 5800 v. Chr. schrumpfen auf die sechs Jahrhunderte v. Chr., die keltische Eisenzeit, zusammen.



Archäologische Beweise für eine stringente Kürzung der Chronologie

Der archäologisch bewanderte Leser wird einwenden, dass das Fundgut aus keltischer und Jungstein- bzw. Bronzezeit sich stilistisch unterscheiden. Er wird vmtl. sogar behaupten, dass noch nie Relikte aus keltischer Zeit in Megalithgräbern gefunden wurden. Dem kann ein Kapitel aus Illigs Meisterwerk „Die veraltete Vorzeit“ entgegengehalten werden: „Ein verspätetes Galeriegrab“. Er beschreibt hier die Ausgrabung dieses angeblich neolithischen Megalithgrabs bei Tressé St. Malo, Ille-et-Vilaine in der Bretagne, die 1931 von der Archäologin V. C. C. Collum durchgeführt wurde. Diese hatte die Fehler bisheriger Ausgrabungen vermeiden wollen, die meist zu oberflächlich stattfanden und beschrieben wurden, so dass man nicht sagen konnte, ob die frühen und mutmaßlich späten Objekte zusammen in situ vorgefunden wurden. Es ist nämlich ein „ständiges Erscheinungsbild bei Ausgrabungsberichten von bretonischen Megalithmonumenten und Museumssammlungen“, dass keltische Töpferware (!) sich mit sog. neolithischen Feuersteinwerkzeugen vermischt hatte.

Bei dieser Grabung wurde sogar ein späteisenzeitliches Eisenschwert in Fragmenten neben einer Hockerbestattung gefunden. Hockerbestattungen galten bisher immer als typisch neolithisch. Jedoch ergaben die schon im 19. Jahrhundert stattgefundenen Ausgrabungen auf dem Berg bei Hallstatt jede Menge Hockerbestattungen, die dort aber als eisenzeitlich datiert wurden.

Collum wollte also von vornherein vermeiden, dass Funde als nachträgliche Beigaben oder Relikte einer späteren Nachbestattung in einem viel älteren Grab gedeutet werden konnten. Deshalb notierte sie die Fundschichten und die Fundanordnung aufs penibelste. Ihre perplex machenden Funde stammen also tatsächlich von der untersten Schicht, der Grablege. Neben dem Eisenschwert fand sich dort auch eine Eisenfibel mit Bronzeauflage, Flintwerkzeuge, die man ansonsten in die Jungsteinzeit datieren würde und auf der Töpferscheibe gedrehte gallisch-römische Keramik. Eine Bronzemünze, die allerdings zu abgegriffen war, um noch eine Prägung erkennen zu lassen, könnte einer Expertise des British Museum zufolge aus der Zeit Domitians stammen, der von 81 bis 96 regierte.

Demzufolge wurde hier noch im 1. Jahrhundert n. Chr. ein Megalithgrab gebaut, das, wenn es in Deutschland gefunden worden wäre, 4200 – 2800 v. Chr. datiert werden würde.

Auch ein ca. 40 m entfernter Grabhügel bot eine Vermengung von Glockenbecherkeramik (2600 – 2200 v. Chr.) und Gegenständen aus der Eisenzeit.

Symptomatisch ist auch die Bewertung des Fundguts, die man bei der Datierung der Heidenmauer, des keltischen Oppidums oberhalb des Kriemhildenstuhls, durchführte. Da eine bronzene Gewandnadel in einer Schicht zusammen mit römischen Ziegeln gefunden wurde, durfte die bronzezeitliche Datierung nicht mehr stattfinden. Der jüngste Fund ist immer der maßgebliche. Man hat sich dennoch auf la-tené-zeitlich geeinigt, wobei völlig unklar ist, womit das begründet wird. In Wirklichkeit entlarvt die Gleichzeitigkeit von Bronzezeitlichem und Römischem in einer Schicht die enorme Spannweite der Geschichtsfälschung. Die typischen Gewandnadeln der Kelten wurden eben noch getragen, als die Römer schon im Land ihre Villen bauten. Kelten lebten gemeinsam mit Römern und waren nicht durch diese vertrieben worden, wie immer behauptet wird, denn die Kelten besiedelten hauptsächlich die Höhen, die Römer dagegen die Täler.

Atypische keltische Funde in Megalithgräbern werden auch in Deutschland immer mit Nachbestattungen oder späteren Beigaben erklärt. Noch hat man mit einer kritischen Bestandsaufnahme aller Grabungsberichte nicht begonnen, aber man kann davon ausgehen, dass auch hierzulande ständig geschludert bzw. die Fundlage zurecht gebogen wurde. Dem Publikum werden immer widerspruchsfreie Ergebnisse präsentiert.

Illig beklagt in demselben Kapitel, dass alle Monumente, die früher als keltisch bezeichnet wurden, heute als megalithisch gelten. Tatsächlich wurde der Begriff erst 1867 von der „Societé Polymathique“ stattdessen eingeführt.

Doch zurück zu den Königen der Keltenzeit.



Die steinernen Throne der Königinnen und Könige

Wenn von Wällen und steinernen Mauern die Rede ist, an der die Könige und Königinnen ihren Sitz hatten, fällt einem die Nekropole von Bougon ein.

Noch nicht klar ist, ob in Bougon der Wall D zwischen den Cairns ebenfalls als Bestattungsplatz in Frage kommt. In den Dindshenchas von Rennes, die als einige der wenigen Quellen über die Bestattungssitten der Kelten berichtet, heißt es in Vers 25 und 26:




Wie man sich einen solchen Sitz faktisch vorstellen kann, veranschaulicht der Hag´s Chair (Hexenstuhl) an Cairn T von Loughcrew in Irland.




Einen Wall aus Stein bietet auch die Nekropole von Schmie/Maulbronn. Hier sind die Cairns am Rand der Talböschung in einer langen Reihe aneinander gebaut (Cairn 1 - 10), so dass man durchaus von einem Bestattungswall sprechen könnte, der der irisch-keltischen Beschreibung entspricht - siehe Plan im Artikel „Die Typologie der Berg-Cairns“ unter „1. Die einterrassige Felsnekropole“. Wer weiß, ob die Ausgräber auch solche Steinthrone in den tief verschütteten Arealen unserer Felsnekropolen erwartet?

Uwe Topper hat auf www.cronologo.net einen interessanten Artikel zum Thema veröffentlicht:

Hünenbetten - Gräber oder Kultbauten? Eine neue Idee zur Lösung eines megalithischen Rätsels: Welchen Sinn hatten die offenen Steinsetzungen Norddeutschlands? Vortrag gehalten in Berlin-Schöneberg am 1.4.2009.“

Ein exzellentes Werk, das wie immer die Schwachstellen etablierter Theorien erkennt und angreift und dem untersuchten Gegenstand neue überzeugendere Erklärungen verleiht. Da ist es der Sache sicher dienlich, das Thema mit Verifizierungen und Präzisierungen weiter zu vertiefen und damit die Rekonstruktion der Lebens- und Gedankenwelt unserer Vorfahren voranzutreiben.

Wir kennen wohl alle die großen rechteckigen Steinsetzungen des Megalithikums, die von der konventionellen Archäologie als Reste bzw. Einfassungen von langgezogenen Hügelgräbern interpretiert werden. Häufig findet man innerhalb der mächtigen Gatter aus senkrecht gestellten Felsbrocken und -platten noch den Baukörper aus Erde, Lehm und Sand aufgehäuft, der dem Schutz des Dolmens bzw. Ganggrabs dienen sollte. Sprockhoff hat dies anschaulich in seiner Rekonstruktion illustriert.

Aber es gibt diese Megalithgräber oft genug auch ohne kompakten Baukörper. Was stutzig macht, wenn es tatsächlich immer diese Auffüllungen gegeben hätte, warum verschwanden sie? Wer hätte Interesse gehabt, ausgerechnet das wertloseste Material an so einem Hünengrab wegzuschaffen? Hätten Plünderer es beseitigen müssen, um an den Dolmen mit seinen großen Felsquadern zu kommen, warum ließen sie nach all der Arbeit die Dolmen meist unversehrt? Die große Mandränke hat ihre Spuren an den megalithischen Grabhügeln hinterlassen. Sollte sie ursächlich an dem Verschwinden gewesen sein? Die anbrandenden Fluten hätten kaum das hinter den Felsbrocken geschützte Material wegspülen können.

Da kann also etwas nicht stimmen mit der Theorie. Und Uwe Toppers Erklärung ist nun wirklich durchdacht und mit einer überraschenden Einsicht in die Entwicklung sakraler Architektur des Abendlands untermauert. Diese Steingatter könnten in Wirklichkeit die Fundamente großer überdachter Hallen, quasi Prototypen frühchristlicher Gotteshäuser und Feldsteinkirchen des Nordens gewesen sein. Dafür spricht das Vorhandensein eines großen Steinthrons auf der Innenseite des Visbecker Bräutigams. Wäre das Grab bedeckt gewesen, niemand hätte auf dem Thron sitzen können. Der Innenraum des Kultbaus musste also begehbar sein.




Der um etliches monumentalere Steinthron am Cairn T von Loughcrew, Irland, den Hag´s Chair kennen wir schon. Hag´s Chair heißt wörtlich übersetzt Stuhl der Hexe. Das entspricht fast der deutschen Etymologie des Wortes. Man führt Hexe auf das Wort Hag (Zaun) zurück und erzeugt das Bild einer alten Frau, die auf dem Dorfzaun reitet. Eine lächerliche Vorstellung gewiss. Der Hag war tatsächlich die steinerne Einfassung aus großen Felsquadern. Stonehenge übersetzt man mit Steinhag. Nun wissen wir, dass diese Frau von hohem gesellschaftlichen Rang in der heidnischen Kultur gewesen sein muss. In Loughcrew steht der Steinthron aber außen am Rand eines Cairns und nach außen gewendet.

Vielleicht wird nun verständlich, wie die Entwicklung des Megalithgrabs tatsächlich war. Es gab eine Zeit, in der die Steingatter bzw. Hünenbetten offen lagen und wohl als Gotteshäuser dienten. Dazu gehören auch die zahlreichen Steinkreise, die man im Verbreitungsgebiet der Megalithen findet. Woodhenge in England ist ein gutes Beispiel für ein rundes Gotteshaus, allerdings aus Holz. Einen höchsten Gott dürfen wir auch bei den polytheistischen Religionen immer voraussetzen. Selbst die Inder haben ihren Brahman. Wir wissen nicht, ob die Steinumfassungen mit einem Dach bekrönt waren. Wenn sie offen waren, würde dies die römischen Überlieferungen bestätigen, die von Gottesdiensten in Heiligen Hainen unter freiem Himmel berichten. Vermutlich gab es beide Formen.

Dass die Dolmen ursprünglich offen lagen, bestätigen auch die Überlieferung sog. heidnischer Opfertische, z. B. den Opfertisch in der Ahlhorner Heide bei Visbeck/Niedersachsen.






Es wurde also am bzw. auf dem Grab des Ahnen geopfert. Dazu musste aber das Grab offen liegen. Wenn Feuer brannten, musste der Rauch ungehindert abziehen können.

Ein weiteres Indiz sind die Schälchensteine. Diese runden Vertiefungen wurden auf den Decksteinen weniger Dolmen angebracht. Es gibt Zeugnisse dieses Kultes, der auch an christlichen Kirchenpforten fortgeführt wurde. Demnach kamen mit jeder Prozession neue Schälchen hinzu. Dazu aber musste der Dolmen auch für eine längere Zeit offen gewesen sein.

Aber zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt wurde das Gotteshaus und das Ahnengrab geschlossen und zu einem Grabhügel verwandelt. Aus dem Steinkreis wurde ein runder Cairn, aus dem viereckigen Steingatter ein Hünenbett. Der Steinthron wanderte von der Innenseite auf die Außenseite. Es ist die Frage, ob dies zum Schutz vor Angreifern und fremden Kulturen stattfand - denn dann hätte man auch den Thron schützen und mit Erde oder Bruchsteinen bedecken müssen - oder aber einer rituellen Logik entsprach.

Es deutet alles darauf hin, dass mit dem Tod des Throninhabers bzw. der Throninhaberin das offene Grab geschlossen wurde. Das aber erinnert stark an die Grabsitten der Ägypter. Auch dort ließ der Pharao zeitlebens an seinem Grab arbeiten, die Pyramide über Jahrzehnte hinweg errichten, und erst mit seinem Tod wurde das Grab endgültig fertig. Fanden bis dahin Rituale womöglich an der Baustelle, an der zukünftigen Grabkammer statt? Ist deshalb die Königskammer der Cheopspyramide ohne Sarkophag, weil der Pharao nicht mehr beerdigt werden konnte? Das spricht chronologisch auch dafür, dass die Cheopspyramide am Ende, nicht am Anfang des Pharaonenreichs entstand.

Wer aber saß nun bei uns auf dem Steinthron? Priester oder König, Priesterin oder Königin? Vermutlich kann man dies schon an der Form des Grabes erkennen. Die runden Cairns scheinen den Frauen zugeordnet gewesen zu sein, während die langen phallischen Gräber wohl den Männern vorbehalten waren. Der Hag´s Chair Cairn ist rund. Der Visbecker Bräutigam ist lang und gehörte, wie der Name schon sagt, einem Mann.

Die Könige und Königinnen waren vmtl. Priesterkönige, wie aus den Berichten der Antike zu schließen ist, es gab wohl eine Art Gottkaisertum, wie in Ägypten, wo der Pharao zugleich der höchste Priester war. Diese alte Religion war sehr jenseitsorientiert, denn zum Kult gehörte offenbar das Opfer am Grab des noch lebenden Herrschers. Der lebte also quasi wie Django, mit dem Sarg auf dem Buckel, eine ulkige Vorstellung.



Die größten Megalithpyramiden der Welt – Kanzeln, Altäre und Tempel

Nordrhein-Westfalen bietet mit dem Bärenstein bei Horn-Bad-Meinberg, direkt neben den Externsteinen, eins der größten einzelnen Bauwerke. 440 m Seitenlänge hat das Monument, das völlig vom Wald verborgen ist. Fünf Stufen kann hier der Besucher erklimmen und dabei etwa 30 m Bauwerkshöhe überwinden. Man möchte an einen Prozessionsweg, an Stufen der Einweihung in ein altes Geheimnis glauben, denn die höchste Stufe bildet wiederum ein Langgrab. Dort oben angelangt hat man die Möglichkeit, die über 30 m hohe Felswand zu betreten, die auf ganzer Länge das Bauwerk flankiert. Der Blick auf die nördlichen Landschaften ist gewaltig. Von der Felswand kann der mutige Wanderer auf eine rechteckige Felsnase hinuntersteigen, die sprungschanzenartig aus der Felswand herausragt und an eine Priesterkanzel denken lässt. Wer sich dort hinaus traut, muss absolut schwindelfrei sein. Ähnliche Felskanzeln dieser Größe finden sich auch auf den Hängen des Oppidums auf dem Odilienberg im Elsaß, eine ist als Wachtstein bekannt (siehe Plan Oppidum Odilienberg unten folgend). Diese können von der bronzezeitlichen Megalithmauer aus betreten werden.

Der Raum zwischen hoch aufragender Felswand und der Stufenpyramide hatte sicher sakrale Funktion. Wer jeweils vor Ort sich in die erkennbaren Strukturen vertieft, erkennt, wie die Felswände gegliedert sind, wie aber auch die Stufen der Bauwerke sich in diese gewaltigen Innenräume einfügen und den Gesamteindruck eines großen zum Himmel offenen Tempels erzeugen. Das heißt, wir haben konkrete Anhaltspunkte und erste Hinweise auf die Riten der alten Kultur, materielle Zeugnisse, die es uns ermöglichen, Einblick in die Vorstellungswelt der Herrscher und Priester dieser versunkenen Hochkultur zu gewinnen.

Dazu gehören auch die Altäre, die in unmittelbaren Zusammenhang mit den großen Cairns in den Ecken der umgebenden Felswände gefunden wurden. Ein aus dem anstehenden Fels als ganzer Block gehauener Altar mit schräger Tischfläche und Abflussrille könnte für blutige Tieropfer gebraucht worden sein, die in der Antike weit verbreitet waren. Dieser fand sich bei Oberderdingen unter zwei Meter Lehm und Geröll.




Man kann ihn direkt mit zwei ausgegrabenen Altären im keltischen Oppidum Altenberg bei Bundenbach vergleichen. Die Archäologen haben dort einen ähnlich langen Felskeller mitten auf dem Plateau freigelegt. Sie wissen allerdings diese Felsblöcke mit den schrägen Tischflächen (noch) nicht zu deuten, bringen sie aber wohl mit Opferritualen in Verbindung, weshalb sie eine Opferschale am Ort platziert haben. Die vmtl. einst glatte Tischfläche ist über die Jahrtausende erodiert.




Ein gigantischer Felsaltar, der mit seiner Monumentalität vatikanische Dimensionen erreicht, steht in der Zwerchhälde von Sternenfels. Ein weiterer gemauerter Altar befindet sich dort und vermutlich noch ein dritter, allerdings unter tonnenschweren Verschüttungen.



Zeichen und Wunder

Die irischen und bretonischen Cairns und Megalithgräber sind bekannt für ihre Steingravuren auf den Dolmensteinen, spiral- und wellenförmigen Muster in dichter Folge. Es wäre natürlich schön, wenn auch hierzulande solche eindeutigen Felszeichnungen zutage treten würden. Es gibt sie, wie schon im Kapitel „Zwerchhälde Sternenfels“ gezeigt. Allerdings in völlig anderer Art. Merkwürdige Petroglyphen sind an einem Steinbalken an der Decke des Ganggrabs von Eibensbach über der Nische angebracht. Uwe Topper, der das Foto gemacht hat und dem die Entdeckung zu verdanken ist, bat mich, den Fund auf jeden Fall zu veröffentlichen, schon um Meinungen der Leser zu erfahren, wie diese Bildnisse zu interpretieren sind.




Auszuschließen ist, dass es sich um erosionsbedingte Absplitterungen oder sonstige Verwitterungsspuren im Stein handelt. Die Zeichen sind mit einem spitzen Gegenstand in die glatte Steinoberfläche gehauen worden.

Es scheint sich um Ideogramme zu handeln, also Zeichen, die für eine Idee, einen Gegenstand oder ein Wesen stehen. Auffällig ist ein sich wiederholendes Zeichen, das ein vierbeiniges Tier in der Seitenansicht darzustellen scheint. Es ist, wie alle anderen Zeichen, auf das Äußerste reduziert. Tierköpfe, Hörner sind erkennbar, aber auch viele Zeichen, die man kaum versteht.

Die dichte Häufung der Zeichen erinnert an Höhlenzeichnungen der Altsteinzeit.

Es soll hier auch ein Fund vorgestellt werden, der so unglaublich wirkt, dass die Frage, ob er überhaupt veröffentlicht werden soll, lange im Raum stand.

Die sieben Zeichen, ebenfalls stark reduziert und genauso klein, aber dennoch gut erkennbar, sind kaum daumengroß und auf gleicher Höhe im Abstand von jeweils einer Handbreite auf einer der gemeißelten Felswände in der Zwerchhälde Sternenfels angebracht. Die absichtsvolle und systematische Anordnung der Zeichen schließt aus, dass es sich um Zufallserscheinungen handelt. Sie wurden offenbar mit demselben Meißel eingehauen, mit denen auch die Spitzungen ausgeführt wurden. Es handelt sich wohl um ein Tierfries.






Man braucht wohl nicht viel Fantasie, um hier einen Hund, vielleicht einen Terrier, und einen Vogel, evtl. einen Auerhahn, zu erkennen.




Hier erkennt man rechts ein Tier, das einem Stier gleicht, schwieriger sind die Zeichen links zu deuten. Es könnten zwei tollende Hunde sein.




Schwieriger ist dieses Zeichen zu deuten. Handelt es sich um ein scheuendes Pferd?




Verblüffung herrschte, als diese Zeichen gedeutet werden sollten. Handelt es sich rechts um ein Mammut? Könnte das linke Tier ein Nashorn sein?

Wenn, dann ein Wollnashorn, das aber, wie der Mammut, schon seit dem Ende der Eiszeit hier ausgestorben sein soll. Vielleicht geht hier dem Interpreten nur die Fantasie durch. Absplitterungen und Meißelhiebe können die Bilder verfälscht haben. Oder aber die Eiszeit gab es nicht und war in Wirklichkeit die Sintflut, die erst am Ende der Kelten- und Römerzeit stattfand. Wenn sich schon Abraumhalden plötzlich als gigantische Pyramiden entpuppen, stellt sich vielleicht unser ganzes Bild, das wir uns von der Vorgeschichte gemacht haben, als falsch heraus.

Die geflügelte Schlange bzw. der Drachen, der an der Rückseite des Altars von Oberderdingen angebracht ist (siehe betreffendes Kapitel im Katalog), offenbart uns etwas aus der Ideenwelt unserer Vorfahren. Der Drache war ja nicht nur bei den Chinesen bekannt, alle Hochkulturen, einschließlich der ägyptischen, kannten ihn. Man staunt, wie sich die Darstellungen gleichen, selbst die präkolumbianischen Völker Südamerikas stellen ihn in der uns bekannten Form dar. Man könnte glauben, es handle sich um ein lebendes, vielleicht ausgestorbenes Wesen. Wenn, dann könnte es sich eigentlich nur um den Dinosaurier handeln. Haben die Drachentöter vergangener Zeiten tatsächlich noch Riesenechsen bekämpft? Unsere Weltchronologie spricht dagegen. Doch Hans-Joachim Zillmer hält das durchaus für möglich. Geologen haben nämlich einen Fakt sträflich vernachlässigt, der alles in Frage stellt, was die zeitliche Einordnung von Fossilien betrifft – Katastrophen. In ihrem zeitlich kurzen Verlauf können sich geologische Schichten aufbauen, für die die Geologen normalerweise Millionen von Jahre in Rechnung stellen. Epochen der Erdgeschichte könnten sich in Wirklichkeit auf ganz kurze Zeiträume reduzieren.

Wir sollten unsere eitle Selbstgewissheit, was die Vergangenheit unserer Erde betrifft, endlich mal wieder in Frage stellen. Die etablierte Wissenschaft ist nicht unfehlbar, was die Entdeckung der Megalith-Pyramiden erwiesen hat. Es kann nicht schaden, den Geist zu öffnen, die Sensorik zu schärfen für die immer noch rätselhaften Spuren aus der Vergangenheit.



Die Reichshälde – zentraler Versammlungsort eines existierenden Reiches?

Wenn wir Celtica begreifen wollen, müssen wir endlich die Megalith-Architekturen als keltisch betrachten. Jede Hochkultur hat eine monumentale Architektur. Und hier deckt sich auch das spärlich Überlieferte mit den archäologischen Fakten. Überall in Europa, wo die Kelten regiert haben sollen, finden wir die megalithischen Gräber. Sie dienten, wie in anderen Hochkulturen auch, der Repräsentation des Verstorbenen, seinem Andenken, je größer seine Bedeutung, desto größer und höher sein Grabbau. Kleine trinkfeste Provinzfürsten wie der Fürst von Hochdorf bekamen wohl eine Grabhügel aus Erde mit einer eichenen Grabkammer, die großen Herrscher über ein derart gewaltiges Reich jedoch verdienten ein Monument, das nach dem technologisch höchstem Stand der damaligen Zeit erbaut wurde.

Jedes Reich hatte sein Zentrum, wohl auch Celtica. Dies zu lokalisieren ist archäologisch möglich. Die baulichen Hinterlassenschaften der Kelten, viele ihre Oppida, sind ja bekannt. Und dann gibt es die antiken Autoren. Herodot z. B. schreibt über die Kelten: „Der Fluss Istros (Donau), dessen Lauf im Land der Kelten in der Nähe der Stadt Pyrene beginnt, teilt Europa in zwei gleiche Hälften“. Geographisch ist damit das Kernland der Kelten präzise eingekreist – am oberen Lauf der Donau, also im Gebiet von der Quelle an, ad definitum der Süden Deutschlands, just dort, wo die gewaltigen Berg-Cairns und Felsnekropolen zu finden sind.

Herodot hat aber auch den Namen dieser Hauptstadt genannt. Die Interpretation, dass es sich bei Pyrene um die Pyrenäen, den Gebirgszug zwischen Spanien und Frankreich, handelt, verbietet sich rein semantisch. Eine der zahlreichen Bergstädte muss wohl das geheimnisvolle Pyrene gewesen sein. Nur welche? Begeben wir uns auf die Suche. Kreisen wir das in Frage kommende Gebiet weiter ein.

Wenn bei der alten Reichsstadt Knittlingen eine „Reichshälde“ zu lokalisieren ist, lohnt es sich, diese aussagekräftige Bezeichnung auf ihren historischen Wert zu überprüfen. War diese dreistufige Hangpyramide tatsächlich so bedeutend, dass sie im Reich der Kelten eine zentrale reichsweite Bedeutung hatte?

Wir stellen uns die antiken Hochkulturen und Reiche vor, mit ihren Zentren und kultischen Wallfahrtszielen. Für die Griechen, aber auch für viele andere Völker Europas und Vorderasiens, waren Delos und Delphi solche Kultstätten, wo man den Göttern und Ahnen opferte, die Zukunft deutete und über das Schicksal ganzer Nationen entschied.

Kommt diese kleine Gemeinde Knittlingen dafür in Frage? Seine ehemalige Bedeutung findet schon dadurch ihren Ausdruck, dass es im Mittelalter noch eine freie Reichsstadt war. Siedlungsgeschichtlich haben sich die mittelalterlichen Städte meist an Orten entwickelt, die schon eine viel weiter zurückreichende Vorgängersiedlung besaßen. Die alte Hauptstadt Badens Durlach z. B., die mittelalterliche Residenzstadt der Zähringer, hat einen ovalen Grundriss, der in Ausdehnung und Anordnung der vier Tore in Himmelsrichtung genau einem ausgegrabenen Wallwerk der Michelsberger Kultur („4300 - 3500 v. Chr.“) bei Mayen in der Eifel entspricht. Beide Ovale sind 360 m hoch! In Durlach wurde offenbar die Stadtmauer auf den vorgeschichtlichen Wall gebaut, der Stadtgraben einfach von der jungsteinzeitlichen Siedlung übernommen.




Knittlingen scheint ebenfalls aus einem „jungsteinzeitlichen“ Ringwall hervorgegangen zu sein. Hier kam das oben abgeplattete Oval zum liegen.




Knittlingen als ein zentrales Ziel weither Angereister ist durchaus vorstellbar. Es liegt auf einer weiten Ebene, und zwischen der kleinen Stadt und dem Höhenzug, wo die Pyramide sich erhebt, wäre genug Raum gewesen, um ganze Heerscharen mit ihren Zelten und Pferdekutschen unterzubringen. Ganze Zeltstädte sind vorstellbar.

Vor allem aber der wohl in der Archäologie einmalige Prozessionsweg zur Pyramide dürfte die Annahme bestätigen, dass hier tatsächlich hochherrschaftliche Delegationen aus allen Teilen des Reiches zusammen kamen, um einem würdigen Verstorbenen, einem Reichskaiser, wenn der Begriff erlaubt ist, zu huldigen.

Dieser Prozessionsweg beginnt auf der Ebene, heute am Waldrand, und führt zur ersten Stufe der Hangpyramide, an deren Steilhang er abrupt endet. Tatsächlich handelt es sich um ein ganzes Bündel von Wegen, die sich allmählich in den Boden eingraben und immer mehr zu Hohlwegen werden. Dabei wachsen zwischen diesen Hohlwegen die Wälle immer mehr in die Höhe. Besonders der mächtige zentrale Wall zeichnet sich aus. Wie der sprichwörtlich gewordene goldene Mittelweg enthält er nämlich einen speziellen Hohlweg, einen sehr abgehobenen, der außerordentlichen Höhe und Breite des Walles entsprechend.




Man kann sich sehr gut vorstellen, wie hier auf breiter Front die Prozessionen sich dem Grab des Kaisers näherten, hierarchisch gegliedert die einzelnen Abordnungen, in der Mitte, allein durch die Höhe abgehoben und dennoch weit in das Erd- und Totenreich getaucht, der gegenwärtig Herrschende, ihm zur Seite die Rangnächsten in den tiefer gelegenen Hohlwegen. Hier eröffnet sich eine völlig neue Deutung dieses Begriffs. Wenn Hel bzw. Holda die Hüterin des Totenreiches war, sind Hohlwege in ihrem Ursprung Wege der Göttin Hel in die Unterwelt.

Wir wissen wenig über die Rituale, die stattfanden. Es ist vermutlich möglich, aus den wenigen Überlieferungen römischer und griechischer Schreiber, aus Volkssagen und Märchenstoff, aus der Rekonstruktion archäologischer Relikte auf diese Handlungen zu schließen. Sicher aber war die Viereckschanze auf der Kuppe des Berges eine Gerichtsstätte. Diese liegt gleich oberhalb der Hangpyramide und ist mit dieser durch einen Wall verbunden. Hier wurde noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Delinquent hingerichtet. Die viel diskutierte These, dass keltische Viereckschanzen generell diese und die Funktion von sakralen Orten der Anbetung und des Opfers hatten, wird dadurch bestätigt. Wenn es so war, wäre Knittlingen das Beispiel einer ungebrochenen Tradition über die Jahrtausende hinweg.

Fragt sich noch, welcher keltische Regent denn hier bestattet wurde. Vielleicht hilft die zweite bekannte Bezeichnung des Waldstücks – Brandhälde – weiter. Geschichtlich überliefert sind uns nur wenige keltische Herrscher mit Namen. Der wohl bedeutendste war sicher Brennus, der es 387 v. Chr. schaffte, Rom zu erobern und dort sein Lebendgewicht in Gold einzufordern. Vermutlich steckt hinter dem Wort Brand Brenn-us. Die latinisierte Variante hat wohl ihre Entsprechung im irisch-gälischen Namen Bran (Jean Markale „Die Druiden“), womit er nach seinem Totemtier, dem Raben benannt wurde. In der Variante Brendan taucht er in der irischen Geschichte als der Abt-Bischof von Kerry auf, der der Mythologie zufolge eine ähnliche Abenteuerreise zu einer Insel in der Anderswelt unternimmt wie der mythologische Bran. Dieser wird als „der gekrönte König dieser Insel... auf dem Thron von London“ bezeichnet. Brendan soll den Gott Lug geweihten Mount Brandon übernommen und christianisiert haben.

Brennius war dem britischen Historiker Geoffrey von Monmouth zufolge ein kelto-britischer König, laut Livius jedoch ein Senonenfürst und Boier, also Bayer. Bei Stonehenge wurde vor einigen Jahren ein Grab geöffnet und dessen Corpus genetisch untersucht. Dabei fand man eine Übereinstimmung mit dem Genbestand, der zu der Zeit in Bayern vorherrschte. Ob Bayern damals bis nach Großbritannien reichte? Es kann in der Keltenzeit durchaus bis an den Rhein gereicht haben, und die Schiffsverbindung über diesen großen Strom hinüber zu den Inseln war damit eine Sache von Tagen, vielleicht Wochen. In antiken Schriften werden nämlich die germanischen Nemeter, ein anderer keltischer Stamm als westliche Nachbarn der Boier bezeichnet, diese lokalisiert man jedoch links des Rheins zwischen Pfalz und Bodensee. Noviomagus Nemetum ist für die pfälzische Stadt Speyer überliefert, das auf die gallische Schutzgöttin der Heiligtümer Nemetona zurückgeht.

Vermutlich leitet sich aus dem Stammesnamen Nemeter die slawische Bezeichnung für die Deutschen Nemec ab. Daraus kann man folgern, dass die keltischen Boier ursprünglich slawisch sprachen. Die zahlreichen Orte in Süddeutschland, die auf -ingen enden könnten slawischen Ursprungs sein, z. B. Söllingen von slaw. selo = Siedlung, etc. Knittlingen bzw. Knit könnte auf Karnut zurückgehen. Nach Caesar war das Gebiet der Karnuten der „Mittelpunkt Galliens“. Alljährlich versammelten sich dort an einem heiligen Ort Druiden, um Streitigkeiten zu schlichten. Das Gebiet dieses gallischen Stammes wird zwischen Loire und Seine lokalisiert, der Hauptort war Chartres. Der Stammesname jedoch könnte auch für andere bedeutsame Orte im Reich Anwendung gefunden haben. Schließlich gab es nicht nur ein Nemeton = heiliger Platz, sondern viele, aber nur ein Stamm, der sich nach ihm benannte.

Knittlingen als potentieller Bestattungsplatz des bedeutendsten Keltenkönigs Brennus hat also durchaus die Aussicht, einmal ein ähnliches Touristenzentrum für Reisende aus aller Welt zu werden, wie Giseh in Ägypten oder Cerveteri in Italien, wo man der Weltöffentlichkeit zeigen kann, wie das immer noch weitgehend konturlose Reich Celtica tatsächlich aussah und welch gigantische Monumente es hervorzubringen in der Lage war, vorausgesetzt, die zuständigen Archäologen wachen endlich auf und beginnen die Bauwerke im nahen und weiteren Umkreis zu rekonstruieren.

Doch dazu müsste zuerst ein großer Wald geopfert werden, der heute die ganze Stufenpyramide bedeckt. Auch bei der nicht weit entfernten Steingrube von Schmie-Maulbronn wäre dies erforderlich, den Hangpyramiden von Kürnbach, Sternenfels und Sulzfeld, ebenfalls bei der Paradies-Pyramide von Heilbronn, dem Bärenstein bei Horn, um nur mal die Kronjuwelen der deutschen Archäologie zu nennen. Lediglich der Würzburger Marsberg ist nicht bewaldet, dafür aber teilweise im Besitz der Universität von Würzburg, die dort Biotope betreut, statt archäologisch zu forschen.

Der Regenwald Süd- und Mittelamerikas war kein Hindernis, die dortigen Stufenpyramiden freizulegen. Doch hier in Deutschland, wo alles und jeder, der über das Mittelmaß hinaus ragt, sofort auf dieses zurück gestutzt wird, dürften nach den Erfahrungen der letzten 20 Jahre massivste Widerstände nicht nur der Naturschützer zu erwarten sein, zumal ja von offizieller Seite der Idee keltischer Stufenpyramiden kaum eine Chance eingeräumt wird. Wir sind so stolz, ein intelligentes, gebildetes Volk zu sein, wenn uns aber etwas völlig Unkonventionelles begegnet, das ein hohes Maß an Umdenken erfordert, reagieren wir mit Ablehnung und Verachtung.



Die Bergstädte der Kelten und ihre Berg-Cairns

Welche archäologischen Fakten begründen die These, dass es sich bei diesen Monumenten tatsächlich um Relikte der Kelten und ihres Reichs Celtica und nicht um Bauwerke der um Jahrtausende früher datierten namenlosen Jungsteinzeit-Völker handelt? In West- und Nordeuropa bringt man die Megalith-Monumente tatsächlich nicht mit den Kelten in Verbindung, obwohl manche antike Überlieferung und Volkssage, aber vor allem die keltische Mythologie, die von den Iren aufgeschrieben wurde, diesen Zusammenhang nahe legen.

Hier hilft wiederum nur die archäologische Evidenz. Denn es gibt einen unmittelbaren Bezug zwischen den Felsnekropolen und den Höhenfestungen der Kelten, den sog. Oppida. Diese werden auch als Wallburgen, Ringwälle, alte Burgen, Wallanlagen etc. bezeichnet. In dem Standardwerk „Das keltische Jahrtausend“ gehen im Abschnitt „Besiedlung“ verschiedene Autoren auf die Datierung dieser ersten Bergfestungen ein und erkennen eine Kontinuität der Besiedlung von der sog. Urnenfelderzeit bis zu der Eisenzeit der Kelten. Das ist umso bemerkenswerter, als bis vor noch gar nicht langer Zeit die Archäologie einen Trennstrich zwischen der Bronze- und Eisenzeit zog und eine weitgehend fundlose Urnenfelderperiode von fast 400 Jahren dazwischen schob, eine Zeit der Katastrophe, in der Völkerwanderungen stattgefunden hätten. Diese katastrophische Zeit wurde archäologisch in vielen ausgegrabenen Städten des Nahen Ostens nachgewiesen, die Zerstörungsschichten jedoch mit dem Exodus der Juden aus Ägypten und ihrer Zerstörung kanaanitischer Städte in Verbindung gebracht, wodurch wiederum die (unbewiesene und faktisch falsche) Chronologie der Bibel zum Zuge kam.

Die namensgebenden Urnen etwa fanden sich in einem Verbreitungsgebiet von der Nordsee bis nach Anatolien, wodurch eine Kontinent-übergreifende Völkerwanderung bewiesen war. Heute wird die Urnenfelderzeit als Hallstattzeit bezeichnet. Die Hallstattzeit aber wurde ursprünglich als rein eisenzeitlich betrachtet. Die Urnenfelderzeit verschmolz also einerseits mit der Eisenzeit, andererseits aber auch mit der Bronzezeit, in diese Richtung gilt sie heute nur noch als Spätbronzezeit.

Da man jetzt also die fließenden Übergänge erkannt hat, stellt sich die Frage, wie man Kelten zeitlich einordnen muss. Früher war das Volk der Kelten ausschließlich mit der Eisenzeit verquickt. Es durfte, wie schon ausgeführt, keine Kelten vor dem 8. Jahrhundert v. Chr. geben. Da ihre Bergfestungen jetzt aber bis weit in die Bronzezeit zurückreichen, taten die Autoren gut daran, das keltische Jahrtausend auszurufen und die Grenze in die Vergangenheit zu verschieben. Nur, wo ist diese Grenze jetzt wirklich zu ziehen? Auch innerhalb der Bronzezeit ist die Einteilung in frühe und späte fraglich. Was als zeitlicher Faktor betrachtet wird, ist vielleicht nur das Resultat verschiedener lokaler Ausprägungen im Formbestand der Funde. Damit hätten wir schon mehr als zwei Jahrtausende in den viel kürzeren Zeitraum der keltischen Kultur und Metalltechnologie komprimiert.



Oppidum auf dem Kürnberg bei Linz – eine bronzezeitliche Festung

Ein Langcairn-Ensemble unmittelbar hinter einem der Wall-Tore der bronzezeitlichen Bergfestung auf dem Kürnberg bei Linz/Österreich unterstützt die proklamierte Zeitkürzung. Wenn schon der Name Kürn auf Cairns hinweist, dann gibt die Datierung „frühestens mittlere Bronzezeit“ eine Ahnung, wann die keltische Nation wirklich entstand. Da man es nicht besser weiß, bezeichnet man die langgezogenen Strukturen auf der Karte als Schanzen.

Neben einem Steintisch (Dolmen) findet man auch einen Runenstein auf dem Gelände.






Auffällig ist, dass die vermuteten Cairns gleich hinter dem Tor, unmittelbar an der Zufahrt zur Bergfestung zu finden sind. Schon an der Zwerchhälde von Sternenfels fiel dieser Umstand auf.



Oppidum Sternenfels

Schauen wir uns dessen ganze Hochfläche im Überblick an. Die Cairns befinden sich jeweils am Rand des Plateaus, an Zufahrten, die als Torstandort eines vmtl. Oppidums in Frage kommen. Von großen Erdwällen oder gallischen Mauern ist nichts zu sehen, das schließt nicht aus, dass an manchen Steilhängen evtl. nur Palisaden gereicht haben, um die Stadt zu schützen. Im Norden erkennt man an einer Auffahrt die auf ein Tor hinweisende Situation, prägnante Erdformationen am Hang, am Ende eines auffälligen Hohlwegs. Neben dem vmtl. Tor finden sich Mauerreste am Rand des Plateaus, die sich bis zur Maishälde hinziehen. Besagter Hohlweg wird als römische Straße vermutet, hat aber auch als mittelalterlicher Totenweilerweg Erwähnung gefunden. Auf ihm wurden die Toten der Ritter von Sternenfels zur Kirchengruft nach Kürnbach transportiert.


(1) Sommerhälde auf dem Ölmühlenkopf bei Oberderdingen, (2) Maishälde, (3) Rohrhälde bei Kürnbach, (4) Zwerchhälde, (5) „Burgstall“ mit Hangturm, (6) Herdhälde, (7) Augenberg und Kraichquelle, (8) Burghalde mit Aussichtsturm, (9) keltischer Abschnittsgraben, (10) Cairn-Ensemble an der Steingrube, (11) ehemaliger Steinbruch „Steingrube“

Das vmtl. Oppidum fügt sich im Osten an den Ausläufer des Strombergs, der durch den Abschnittsgraben in die Bergstadt miteinbezogen war. Die Kante der steilen Hänge ist durch eine orange Linie markiert.

Im Tal unterhalb der Sommerhälde liegt ein Stausee, unterhalb der Zwerchhälde wurde die aufgestaute Kraich abgelassen, unter der Steingrube liegen aufgestaute Weiher, dasselbe Bächlein könnte auch für einem Weiher unterhalb der Maihälde Wasser geliefert haben, für die Rohrhälde scheint der Nonnenbach aufgestaut worden zu sein und dem großen Augenberg kann der Quellteich der Kraich zugeordnet werden. Noch die Mönche im nicht weit entfernten Kloster Maulbronn pflegten angeblich die Technik des Wasserbaus in Perfektion und legten Fischteiche an, die aber vielleicht auf viel ältere Heilige Seen der Kelten zurückgehen.



Oppidum Heidengraben bei Grabenstetten

Wie bekannt handelt es sich hierbei um das bis jetzt größte Oppidum Europas mit 1662 Hektar Fläche innerhalb der Befestigungen. Es ist weitgehend erforscht und soll hier lediglich zum Vergleich mit Sternenfels dienen.




Auch hier finden wir große Felsausbrüche jeweils unmittelbar an den Zufahrten zur Hochfläche (Zufahrten = orange, Steinbrüche = rot, Befestigungen = grün). Bei Hülben existiert sogar noch die Ruine eines Cairns. Hier steht auch noch die hoch aufragende schmale Felsmauer der ursprünglichen Nekropole, die so stark an ägyptische Vorbilder erinnert. Die Steinbrüche sind jetzt allesamt kommerzialisiert und stark ausgeweitet worden. Es wird Kalk zur Zementherstellung abgebaut. Die Cairns konnten deshalb problemlos abgebaut und für immer vernichtet werden. Bei Burren steht die gallische Mauer am Rand der ehemaligen Nekropole noch komplett samt Tor, durch das auch heute noch das Gelände betreten werden kann. Innerhalb jedoch ist Tabula Rasa. Jeder Kalkstein wurde der Kalkherstellung geopfert. Bei Erkenbrechtsweiler finden wir einen Steinbruch, der mitten in die Hochebene hinein gebrochen wurde und eine auffällige Rechteckform besitzt. Man erinnert sich an den genauso rechteckigen Felskeller auf dem Plateau der Altenburg bei Bundenbach aus keltischer Zeit. Seit der Zeichnung der Karte ist einige Zeit verstrichen. Heute ist der Umfang des Steinbruch erheblich ausgeweitet worden.



Oppidum Heidenmauer bei Bad Dürkheim

Auch hier sei noch einmal auf die Koinzidenz von Tor bzw. Zufahrt und vmtl. verloren gegangenen Cairn im Kriemhildenstuhl hingewiesen.




Oppidum Titelberg in Luxembourg

Hier haben wir ebenfalls die unmittelbare Nähe von Tor und Zufahrt zu einer Nekropole. Jeder der die Bergstadt besuchte, musste zuerst die Gräber der Ahnen passieren. Das erinnert an den Grabbrauch im alten Rom, wo an der Hauptausfallstraßen der Städte sich die Grabmäler der Verstorbenen aneinanderreihten und von jedem Reisenden entlang geschritten werden mussten.




Oppidum Staffelstein bei Staffelberg/Franken

Hier finden wir die Gräber bzw. Grabhügel außerhalb der äußeren Befestigung. Sie werden als frühmittelalterliche Steinbrüche interpretiert. Jetzt, da wir wissen, dass Abraumhalden in Wirklichkeit Cairns sind, haben wir es also mit Cairn-Felsnekropolen zu tun.






Oppidum Bogenberg bei Straubing

Hier finden wir eine Tradition aus keltischer Zeit vom Christentum übernommen. Offenbar wurde bei den Kelten der Brauch gepflegt, zum Grab des Ahnherrn zu wallen. Das nutzte man offenbar am Bogenberg, um die Neugläubigen bzw. bekehrten Christen auch weiterhin an den Ort zu binden. Eine Wallfahrtskapelle entstand direkt auf einem alten Cairn. Das keltenzeitlichen Wall-und-Grabenbündel bzw. die Wallwege, die ursprünglich tatsächlich Wege zwischen Erdwällen oder auch Hohlwege waren, führen auch heute noch direkt zum Wallgrab und von dort zum Tor der Festung.






Oppidum Glauberg in Hessen

Die zeigenössische Archäologie hat auf dem Glauberg in Hessen außerhalb eines keltischen Fürstensitzes den Grabhügel dieses Burgherrn ausgegraben und dabei die Existenz keltischer Wallwege bewiesen, indem sie einen solchen freilegte. Dieser endet, wie der auf dem Bogenberg, direkt am Grab des Ahnen. Er war von Gräben und Wallwerk flankiert, und auf dem Wall standen Skulpturen.




Oppidum Odilienberg im Elsaß

Über seine Datierung wird gestritten. Gängige Theorie ist, die gigantische Wehrmauer aus Megalithen stammt aus der Völkerwanderungszeit. Dagegen wird meist verschwiegen, dass ein früher Fund aus der Mauer eine Bronzedolch war.




Auch die Existenz eines ungeheuer großen Dolmens, des Dolmen mit dem vielleicht größten Deckstein Europas, weißt in das Megalithikum. Die „Druidenhöhle“ steht, wie die Felsnekropolen süddeutscher Oppida, ebenfalls unmittelbar an der Wehrmauer, außerhalb (siehe Pfeil).




Wo liegt Pyrene, die Hauptstadt Celticas?

Die Gegend zwischen Rhein und Neckar ist dermaßen dicht mit den größten Megalith-Monumenten der Welt ausgestattet, dass hier auch das Zentrum des Keltenreiches gesucht werden muss. Irgendeines der zahlreichen Oppida auf den Bergen Süddeutschlands muss der Regierungssitz gewesen sein. Welches kommt dafür in Frage? Es gibt nicht nur einen Kandidaten.

Der Heidengraben bei Grabenstetten/Bad Urach als Europas flächenmäßig größtes Oppidum steht in der Reihe der Bewerber sicher ganz vorn. Dort wurde die größte Spannweite an keltischen Münzen gefunden: Regenbogenschüsselchen, Kreuz- und Büschelmünzen, alle wesentlichen Typen vom Gold bis Potin. Eine Münzprägestätte kann man also dort vermuten. Münzrecht hatten aber nur die obersten Potentaten. Eine von den Kimbern nach Italien gebrachte und dem Typus nach wohl vom Heidengraben stammende Regenbogenschüssel trägt die Aufschrift ATULLOS, was mit Kaiser übersetzt werden kann.

Für den Heidengraben spricht seine geographische Situation, nämlich an der europäischen Wasserscheide. Wenn Waren über Rhein und Neckar von Norden kamen, konnten sie über die Lauter und Große Lauter nach Süden zur Donau geschafft werden. Tschech. lod = Schiff und lodi = per Schiff, auf dem Seeweg, lodar = Schiffer könnten ein Hinweis sein, dass hier vielleicht mit Schleppkähnen die Güter transportiert wurden. Dabei kamen sie unweigerlich am Heidengraben vorbei. Dieses Oppidum war offenbar nur wegen des Handelsweges entstanden. Hier am interkontinentalen Warenumschlagplatz konnten die Burgherren natürlich kräftig abkassieren. Macht und Reichtum waren garantiert. Wie schon der Archäologe John Dayton betonte, war Europa für die Hochkulturen des Südens, vor allem Ägypten, ein ganz wichtiger Rohstofflieferant, insbesondere Anbieter von Metallen. Und die Reise ging über die Donau und das Schwarze Meer direkt dorthin.

Auf der Karte unten zu sehen ist der Neckar von Norden kommend, im Rechteck Lauter und Große Lauter mit Europas größtem Oppidum Heidengraben, sowie in den anderen grünen Kreisen die Oppida Sternenfels, Hohenasperg, Pforzheim und Heuneburg. Der Neckar weist im betreffenden Gebiet archäologisch eine große Funddichte auf. Die Größe der einstigen Oppida kann man sehr gut mit der heutigen Millionenstadt Stuttgart vergleichen.




Die Hänge der Grabenstettener Hochebene weisen an den jeweiligen Auffahrten, den ehemaligen Torstationen der Bergfestung, jeweils große Felsausbrüche auf, die zu Kalksteinbrüchen umgewandelt wurden. Die Umgebung ist noch nicht auf Berg-Cairns untersucht, dürfte jedoch auch dort zum Erfolg führen. Über den antiken Namen dieser Bergstadt ist nichts bekannt. Jedoch kann der auf dem Plateau zu findende Ortsname Burren auf Pyrene hinweisen, ebenso das im Tal liegende Beuren.

Der Weiherberg in Pforzheim wäre eine andere mögliche Lokalisierung der Reichsstadt, der vor allem deswegen in Frage kommt, weil nur er den geografischen Bezug zum Gebiet der großen Megalith-Pyramiden im nördlich anschließenden Kraichgau und Zabergäu hat. In der Rubrik „Cairns und Pyramiden“ wurde schon kurz auf die Cairn-Vorkommen bei Pforzheim eingegangen und das südlich auf dem Berg liegende Stadtgebiet selbst als Ort eines großen Oppidum erkannt. Pforzheim war seit schriftlich fixierter Zeit die Hauptstadt Badens, was nun nicht unbedingt für eine große Reichshauptstadt spricht, aber doch eine Bedeutung erkennen lässt, die wohl durch die Metallurgie am Ort gegeben war und schon seit keltischer Zeit im näheren Umkreis nachweisbar ist. Auch heute noch hat Pforzheim den Titel Goldstadt, obwohl das Flussgold von Enz, Nagold und Würm schon lange ausgebeutet ist. Und eine oder mehrere Prägestätten keltischer Münzen sind am Ort, wo das Gold aus den Flüssen direkt gefördert wurde, durchaus vorstellbar, wenn auch noch nie Münzfunde gemacht wurden.

Vor allem aber der aus Pforzheim stammende Humanist Reuchlin gibt uns einen überraschenden Hinweis, wenn er den merkwürdige Ortsnamen auf einen Trojaner namens Phorkys zurückführt. Reuchlin schreibt nämlich Unglaubliches: „Da flüchteten sich die Trojanerhelden nach allen Winden hin und stifteten vorzüglich zwei große Städte: Rom und Pforzheim“. Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Das kleine Pforzheim und das mächtige Rom auf einer Stufe? Die Humanisten des Mittelalters hatten sicher noch Zugriff auf Quellen, die heute schon längst vergessen sind, auf Archive, die der, neben dem Klerus, genauso bedeutenden Bildungsschicht, dem Adel, gehörten. Wenn eine deutsche Stadt in der nachtrojanischen Zeit eine ähnlich große Bedeutung wie Rom gehabt haben soll, kann man sie nur als die Hauptstadt des anderen großen Reichs auf Europas Boden betrachten, Celtica.

Pyrene kann man durchaus von einer althochdeutschen Urform des Wortes Pforz = Porz ableiten, wobei auch die Form Porc denkbar ist, welche die größte Ähnlichkeit mit mhd. Burc = Burg hat. Und Herodot der Grieche assoziierte bei seinem Verständnis dieses Stadtnamens sicherlich einen Begriff aus seiner Sprache. Griechisch Pyrgos bedeutet Turm. Die Sprachforscher („Duden – Das Herkunftswörterbuch“) sehen in pyrgos einen Begriff, der mit dem deutschen Wort Burg unmittelbar verwandt ist, ja auf einen germanischen Ursprung zurückgehen könnte. Der befestigte Herrenhof aus karolingischer Zeit, aus dem das mhd. burc = Stadt hervorging (Würzburg, Nürnberg, etc.) stand wie das keltische Oppidum meist auf einem gut zu verteidigenden Berg, so dass die steinerne Burg zum Zentrum dieser Stadt wurde. Auch im Keltischen gab es schon das Wort Burg, im Irisch-Gälischen steht dafür das Wort buirg.

Gegenwärtig glaubt man noch an den römischen Ursprung dieser Stadt. Der Fund eines Leugensteins, eines römischen Wegweisers, auf dem das Wort Port steht, führte zu der Annahme, lat. portus = Furt (über die Enz) wäre das zugrunde liegende lateinische Wort. Man darf aber davon ausgehen, dass nicht nur in römischer sondern auch schon in keltischer Zeit Brücken (aus Holz) gebaut wurden. Außerdem rätseln die Historiker, wie der lateinische Begriff sich so lange, von etwa 260 (Jahr des Alemanneneinfalls) bis 1067, den Zeitpunkt der erstmaligen Erwähnung des Stadtnamens, in der Erinnerung halten konnte, sage und schreibe 800 Jahre.

Das vermutete keltische Oppidum kann sich hier zwischen Enz und Nagold, über mehrere Berge hin, weit in die Ausläufer des Schwarzwalds erstreckt haben, womit auch Neuenbürg, das keltische Oppidum mit seinen keltenzeitlichen Eisenerzminen, in dieses miteinbezogen war. Im Süden scheinen die Täler von Forellenbach, Eulenbach und Reichenbach das Plateau zu begrenzen. Das Südtor könnte sich bei Langenbrand befunden haben. Die Hänge der Flusstäler sind derart hoch und steil, dass kein Angreifer eine Chance hatte.

Bei Bieselsberg auf dem Hasenrain, 10 km südlich des Enzufers in Pforzheim, sind mächtige Megalithmauern zu finden, die sich von der Bergkuppe zum Tal erstrecken und über deren Ursprung und Zweck jeder Wanderer grübelt. Die Bergkuppe ist hier über mehrere Kilometer hinweg bis nahe Hirsau mit hundertausenden Tonnen Stein gestuft, wie Volker Dübbers meint, wohl um landwirtschaftliche Nutzfläche zu gewinnen. Eigentlich waren auch nur die Bergkuppen hierfür geeignet, die Täler sind zu steinig.

Das ist umso bemerkenswerter, als die Geschichtswissenschaft und Archäologie den Schwarzwald als ein in der Vorgeschichte kultiviertes Agrarland ausschließen wollen. Dieser Gebirgszug sei schon immer von Tannenwäldern bewachsen, in der Eiszeit wahrscheinlich sogar von Gletschern bedeckt gewesen. Und dennoch findet man auf seinen Höhen derart viele Grabhügel, nicht nur die ungezählten bei Bieselsberg, sondern auch äußerst monumentale rund um den Feldberg und Schluchsee, die man vom Neolithikum an datiert. Holger Kalweit, der diese erforscht, kennt Heimatsagen der Gegend, die von einer Zeit berichten, als die Welt wärmer und das Gebirge dicht besiedelt war.

Doch zurück nach Pforzheim. Wie die archäologischen Grabungen nach den massenmörderischen Bombardierungen des 2. Weltkriegs ergaben, befand sich eine kleine römische Ansiedlung im Nordosten außerhalb des Oppidums auf beiden Ufern der Enz und der Enzbrücke, die sogenannte Altstadt bzw. Alte Stadt, dort wo heute das Städtische Krankenhaus steht, unterhalb des Buckenbergs. Auch die Existenz dieser wohl schon römischen Brücke auf rein römischem Gebiet schließt eigentlich aus, dass Pforz mit röm. Portus = Furt zu übersetzen sei. Die sicher schon seit den Kelten vorhandene, strategisch wichtige Brücke zu besetzen war sicher das erste, was die Römer taten.




Bei dem Umfang dieser vmtl. Bergstadt wäre der Vergleich zum Oppidum Heidengraben bei Grabenstetten flächenmäßig leicht zu ziehen. Im dichten Schwarzwald sind archäologische Sondierungen, Lesefunde etc. naturgemäß durchweg stark behindert, weshalb es bis jetzt keine Hinweise gibt. Dieselbe Situation hat man auch am Oppidum auf dem Odilienberg im Elsaß mit seiner mächtigen Megalithmauer, wo bis heute keine Siedlungsspuren entdeckt werden konnten. Wer würde auch einen ganzen Wald abholzen, nur um eine archäologische Theorie zu bestätigen?

Pforzheim war jedenfalls schon lange vor den Römern ein ganz bedeutender Ort, da hier geografisch die erste Nord-Umgehung des Schwarzwalds möglich war. Auf mehr als 160 km Länge erstreckt sich nämlich dieser und verhindert durch seine hoch aufragenden Berge den direkten Zugang zu den Gebieten östlich von ihm. Es gab nachweislich eine Handelsroute vom Mittelmeer, die in Marseille (dem griechischen Massilia) startete und über die Rhone und die Burgundische Pforte ins Keltenreich führte. Wer als Kaufmann von Süden oder Westen kam und mit Karren oder Wagen fuhr, aber nicht den Achsbruch auf steilen Hangwegen riskieren wollte, war auf diese Umfahrung durch das dann folgende Oberrheintal und den Enzgau angewiesen. Deshalb beherrschte sicher eine Bergfestung an diesem Ort die viel befahrene Straße, die heute als Römerstraße bezeichnet wird. Die Burgherren konnten allein durch die Zölle zu Reichtum kommen. Aber das Eisen in den Bergen, ohne das der Bau der mächtigen Cairns nicht vorstellbar ist, verschaffte ihnen eine zusätzliche wehrtechnische Überlegenheit, womit sie ihre Macht weit über die Grenzen des Territoriums (Enzgau, Kraichgau und Zabergäu) hin ausweiten konnten.



Zuletzt geändert: 01.10.2009, 19:20:51